Erstellt von Michael Widmann | |   Berchtesgadener Tal

Der Götschen und kein Ende

Der weitere Ausbau des Götschen wird aus ökologischer Sicht wohl größere Dimensionen annehmen, als dies bei der umstrittenen Erweiterung Mitte der 90iger Jahre der Fall war. Dies war das Resümee einer Ortsbesichtigung durch den Orts- und Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen.

„Beim Bau der Bergstation des Sesselliftes im Gipfelbereich ist so sorgfältig vorzugehen, dass der ökologische Wert der angrenzenden Waldstrukturen auf Dauer erhalten bleibt.“ Eine der vielen Maßgaben, unter der 1996 der damalige Ausbau des Götschen genehmigt wurde. Der jetzige Zustand des Götschen stellt sich anders dar und ist aus ökologischer Sicht geradezu erbärmlich. Tiefe Erosionsgräben, zugeschüttete Entwässerungsgräben, neue Wege für Baumaschinen, zerdrückte und zum Teil herausgerissene Wasserrinnen, notdürftig kaschierte, erhebliche Erosionsschäden auf den Pisten usw. Die Teilnehmer der Ortsbesichtigung zeigten sich entsetzt, mit welcher Gleichgültigkeit und brachialer Gewalt mit der Natur am Götschen umgegangen wird.

 

Und nun sollen weitere Rodungen für den Bau einer Boardercross-Strecke, eines neuen Beschneiungsweihers und für Pistenerweiterungen erfolgen. Michael Widmann, Ortsvorstand der Berchtesgadener Grünen und ehemaliges, langjähriges Mitglied im Bischofswieser Gemeinderat, äußerte die Befürchtung, dass der Umfang der notwendigen Rodungen im Bergwald am Götschen 20.000 qm überschreiten wird. Er erinnerte an die Salamitaktik früherer Jahre die jetzt offensichtlich fortgeführt wird, um die Genehmigungsverfahren sozusagen zu „entzerren“ und damit einer UVP (Umwelt-Verträglichkeits-Prüfung) durch die Naturschutzbehörde zu entgehen. Wie sonst ist es zu erklären, dass dem Bischofswieser Gemeinderat und der Öffentlichkeit bis heute keine genauen Zahlen zu den geplanten Maßnahmen, insbesondere zu den Rodungsmaßnahmen vorgelegt wurden, obwohl mit den Rodungsarbeiten noch in diesem Jahr begonnen werden soll. Wenn der Bischofswieser Gemeinderat beschließt, für die Maßnahmen € 126.000 bereitzustellen und kurze Zeit später im Kreistag der Anteil Bischofswiesens daran mit € 160.000 beziffert wird, ist dies bezeichnend, so Widmann. Die unterschiedlichen Zahlen sind auch nicht mit unterschiedlichen Umsatzsteuersätzen zu erklären. Angesichts dieser erneuten Belastung für den Bischofswieser Haushalt scheint sich die grüne Befürchtung aus dem Jahr 1996, das der Götschen ein finanzielles Fass ohne Boden wird leider zu bewahrheiten. Widmann hofft, dass die Missachtung grundlegender rechtsstaatlicher Regeln und Entscheidungsabläufe am Götschen nicht wie in früheren Jahren, wieder Handlungsprinzip wird.

 

Kreisrat Dr. Bartl Wimmer zeigte sich verwundert, dass angesichts der bereits jetzt aufgetretenen Schäden keine regulierenden Maßnahmen seitens der Behörden, insbesondere der unteren Naturschutzbehörde und des Wasserwirtschaftsamtes getroffen wurden. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, die Fachbehörden hätten bisher einen weiten Bogen um den Götschen gemacht. Er fordert ein umfassendes hydrologisches Gutachten für das gesamte Skigebiet am Götschen. Sollte die Rückhaltefunktion des Waldes durch Rodungen weiter geschwächt werden, sind Schäden für die Unterlieger des Götschen vorprogrammiert. Die sich häufenden extremen Wetterereignisse durch die globale Klimaveränderung wie Starkregen werden auch vor dem Götschen nicht Halt machen. Wimmer erinnerte dabei an die Überschwemmungen im Bereich der Grabenmühle unterhalb des Götschens Mitte der siebziger Jahre.

 

Die Grünen werden jedenfalls alle politischen und rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um der weiteren Umweltzerstörung am Götschen Einhalt zu gebieten.

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