Wälder in Gefahr

Der rasche Klimawandel ist für unsere Wälder existenziell, denn jetzt rächen sich die Fehler der Vergangenheit und die Anpassung kann so schnell kaum erfolgen, wenn wir nicht rasch handeln. 2018 ist ein Borkenkäfer-Jahr, statt Waldbau zu betreiben, müssen die Förster aufräumen. Und wieder einmal bricht der Holzmarkt ein, die Politik muss endlich handeln.

Bayern ist ein Waldland. Wir lieben unsere Wälder, aber wir kümmern uns als Gesellschaft zu wenig. Das Waldsterben lange vorbei? Den Waldschadensbericht hat die Politik im Laufe der Zeit in Waldzustandsbericht umbenannt. Von unseren Wäldern nehmen wir in der Regel kaum Notiz, obwohl sie mit ihren infrastrukturellen Leistungen für uns existenziell sind. Wasserschutz, Erosionsschutz, Lawinenschutz, Bannwälder zur Luftreinhaltung in den Städten, vielfältig sind die Waldfunktionen, die nichts mit der Holznutzung direkt, aber mit nachhaltiger Waldnutzung zu tun haben.

Der Hambacher Forst soll weichen, weil darunter Braunkohle abgebaut werden kann, billig, von einem Konzern (RWE), dem unsere Zukunft anscheinend völlig egal ist. Die Kohleverbrennung heizt dem Klima ordentlich ein, bringt somit indirekt auch die Wälder in Gefahr, die uns, unser Trinkwasser schützen sollen. Nur wenige "Gestrige" (auch Parteien) verleugnen den Klimawandel noch, es sind wenige und in Demokratien handelt die Mehrheit. Das ist die gute Nachricht!

Die schlechte Nachricht ist, dass die Mehrheit, die längst akzeptiert hat, dass sich das Klima dramatisch verändert und wir die Zukunft des "Homo Sapiens" gefährden, sie handelt nicht. Das ist grob fahrlässig, denn sie verspielen, wider besseren Wissens, die Zukunft, weil sie dran bleiben wollen. Dran bleiben heißt in der Demokratie, die eigene  Mehrheit auf biegen und brechen zu verteidigen, zum eigenen Vorteil. Das Gemeinwohl, wie es im Artikel 151 unserer Bayerischen Verfassung beschrieben ist, bin ich der Meinung, in besonderem Maße auch in der Politik gültig.

Unsere Wälder, vor allem deren Stabilität ist also seit Jahrzehnten gefährdet und wir wissen das, aber unsere Regierung handelt nicht. Der Umgang der Wirtschaftswälder vor allem im Klein-Privatwald geht nur schleppend voran, obwohl sie schon aufgrund der Eigentumsstruktur so wichtig wären. Politisch, durch "Nicht-Handeln" bedingte Waldschäden sind auch gravierende Eingriffe in das Privateigentum. Die vielen kleinen Waldbesitzer sind aber ähnlich wie die vielen kleinen Bauernhöfe nur schlecht vertreten, denn im Waldbesitzerverband hat der Groß-Privatwald das sagen. Die Mehrheit der kleinen Waldeigentümer ist nämlich überhaupt gar nicht organisiert und der Bayersische Staat zieht sich seit der Forstreform elegant aus der Fläche zurück, baut Personal ab, um vermeintlich schwarze Zahlen zu schreiben. Die schwarzen Nullen gefährden somit auch unsere Wälder, deren Waldfunktionen aber dem Gemeinwohl dienen sollen.

2018 ist eines der wämsten Jahre, der Borkenkäfer freut sich, denn Wärme und Trockenheit fördern dessen Vermehrung. Ergebnis: die Fichten sterben in Massen ab, die Förster müssen der Entwicklung hinterher räumen, der Holzmarkt bricht zusammen und am Ende tragen die Waldbesitzer die Last, denn ihre Erlöse sinken.

Das hat die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände auf den Plan gerufen. Die Gesellschaft soll einspringen, die Dürreschäden ausgleichen und den Umbau der Wälder fördern. Nicht etwa den Umbau zu gemischten, stabilen und klimatoleranten Wäldern mit heimischen Baumarten, sondern schnellwachsende Baumarten wie Küstentanne und Douglasie sollen die Lösung sein. Das ist weder nachhaltig noch im Sinn der vielen kleinen Waldbesitzer.

Wir Grüne fordern ein Umdenken auch in der Forstpolitik, Impulse oder eine Erklärung zur aktuellen Situation von der Bayersichen Forstministerin: keine. Die SPD hingegen hat sich entschieden, dass ihr ein paar Wählerstimmen in NRW wichtiger sind als die Zukunft unserer Wälder. So handelt, wer dran bleiben will, so handelt man nicht, wenn man die Nachhaltige Entwicklung und das Überleben der Menschheit im Blick hat.

Zitat aus der Verfassung des Freistaates Bayern in der Fassung der Bekanntmachung vom 15. Dezember 1998:

Art. 151
(1) Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesonders der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten.

(2) 1Innerhalb dieser Zwecke gilt Vertragsfreiheit nach Maßgabe der Gesetze. 2Die Freiheit der Entwicklung persönlicher Entschlußkraft und die Freiheit der selbständigen Betätigung des einzelnen in der Wirtschaft wird grundsätzlich anerkannt. 3Die wirtschaftliche Freiheit des einzelnen findet ihre Grenze in der Rücksicht auf den Nächsten und auf die sittlichen Forderungen des Gemeinwohls. 4Gemeinschädliche und unsittliche Rechtsgeschäfte, insbesonders alle wirtschaftlichen Ausbeutungsverträge sind rechtswidrig und nichtig.

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