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Bier und Schnaps: Saufen für die Vereinskasse?

Jugend und Alkohol war Thema bei der Ökoliste Saaldorf-Surheim

„Es gibt kaum ein Mittelfeld“, sagt Hans Kurz, „sehr viele Jugendliche trinken keinen Alkohol, aber wenige trinken sehr viel.“ Der Sozialpädagoge ist als Leiter der Caritas Fachambulanz in Traunstein von Berufs wegen mit Suchtberatung befasst. Vor allem aber liegt ihm Prävention am Herzen. Wie die in einer ländlich geprägten Gemeinde aussehen kann, hat er bei einer Veranstaltung der Ökoliste Saaldorf-Surheim dargestellt.

 

„Um unsere Jugend vor Gefahren zu schützen, braucht es ein ganzes Dorf“, drückt es Kurz bildhaft aus. Es genüge nicht, nur auf die Eltern zu verweisen. Kindergarten, Schule, Vereine und die politische Gemeinde seien gefordert, denn dann „ist immer eine Hand da, damit niemand abstürzt.“ Mit dem grenzüberschreitenden Projekt „Guat beinand“ und der Aktion „Feierfest“ habe man in den letzten Jahren Erfahrung gesammelt. Was kann zunächst die Gemeinde tun? Als Genehmigungsbehörde kann sie Auflagen für Feste erteilen, die über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen, einerseits; andererseits aber möchte man „die Gemeinde aus dieser repressiven Ecke heraus holen.“

„5 von 12“ nennt sich eine Liste mit  Auflagen für Veranstaltungen; was heißt , dass mindestens fünf von insgesamt 12 gewählt werden müssen. Es ist ein Mix aus weichen und harten Auflagen, beschreibt es Hans Kurz. Aber das allein genügt nicht, denn „kein Bürgermeister wird etwas gegen die Vereine machen“. Die Vereine müssten mitziehen, betont er, und das tun sie in aller Regel auch. Wie bei den Gemeinden habe man auch bei den Vereinen im Landkreis Traunstein  „offene Türen eingerannt“, denn die meisten bemühten sich um ein gutes Image. Viele Eltern hätten Sorge, das ihre Sprösslinge dort „das Saufen lernen“. Dass es bei den Verantwortlichen in den Vereinen auch schlechte Beispiele gab und gibt, bestreitet der Referent nicht.

 

Rausch am helllichten Nachmittag

 

Gemeinderatskandidatin Susanne Wustl erzählt, was sie selbst bei Festen erlebt habe: betrunkene Jugendliche am helllichten Nachmittag, die eine Maß nach der anderen tranken und die auch bekamen. „Es geht um Geld und Profit“, lautet ihr Urteil. Ein Vereinsfunktionär, der ungenannt bleiben will, gibt zu, dass sich mit Bars viel Geld verdienen lasse.  Er selbst lehne so etwas ab und plädiere stattdessen dafür, die sehr niedrigen Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. Auch der Grünen-Spitzenkandidat Norbert Höhn meint, es müsse andere Einnahmemöglichkeiten für die Vereine geben. Aktuelles Negativbeispiel ist für ihn der Mehrheitsbeschluss des Gemeinderates zum Einbau einer Bar in der Saaldorfer Mehrzweckhalle.

„Ist das mit dem Vereinszweck vereinbar?“, fragt Kurz; „Abfüllanlagen zu installieren und mit der Anzahl der Bars zu werben.“ Dass es auch anders geht, verdeutlicht er mit Beispielen erfolgreicher Feste ganz ohne Alkohol: Spezi und Apfelschorle freilich seien wenig sexy, dagegen hätten Mixgetränke schon ein Image, vor allem wenn es Jugendliche selbst mixen. Dort wo es Alkohol gibt, muss kontrolliert werden; den Einwand, das sei nicht durchführbar oder es werde von cleveren Teenies umgangen, lässt er jedenfalls nicht gelten.

 

„Hohe Hüttendichte“

 

Für manche Jugendliche sind sie rechtsfreier Raum: in den zahlreichen Hütten und Bauwägen  etabliere sich teilweise eine „Parallel-Kultur“, meint Hans Kurz. Es sei dramatisch, wenn Zwölfjährige sich dort zum Schnapstrinken träfen. Dennoch könne man auch diese Treffpunkte dulden, wenn sich die Jugendlichen an „Spielregeln halten“. Wenn sie noch dazu dieses Regelwerk selbst ausarbeiten, sei schon einiges gewonnen.

„Irgendwo treffen sie sich immer“, betont der Referent, da wäre es gut, die Gemeinde schaffe einen attraktiven Treffpunkt.

Bei einer Gemeinde wie Saaldorf-Surheim mit über 5000 Einwohnern sollte eine kontinuierliche offene Jugendarbeit stattfinden, meint Hans Kurz. Anfallende Personalkosten könnte man mit Nachbargemeinden teilen. Gemeinderat Norbert Höhn berichtet, dass ein solcher Antrag der Grünen im Gemeinderat aus Kostengründen abgelehnt wurde. Notfalls könne man auch mit Ehrenamtlichen anfangen, rät Kurz.

Höhn erinnert daran, dass es in der Gemeinde ein Jugendparlament gebe, allerdings derzeit nur „auf dem Papier“; und die Jugendreferentin dürfte ebenso Wenigen bekannt sein.

Diplom-Psychologe Matthias Seufert, der den Abend moderierte, ist überzeugt, dass sich jeder Einsatz für die Jugend lohnt: „Manches braucht Zeit“, sagt er, „aber die schweigende Mehrheit möchte Lösungen wie sie heute Abend aufgezeigt wurden.“ 

Sepp Daxenberger (Dritter von rechts) zu Besuch in der Schreinerei der Lebenshilfe-Werkstätte in Piding. Unser Bild zeigt von links den Laufner Kreisrat Winfried Köpnick, die Bezirkstagskandidaten Willi Alt und Elisabeth Hagenauer, die Freilassinger Grünen-Vorsitzende Marie-Luise Thierauf, Sepp Daxenberger, Werkstätten-Geschäftsführer Hermann Seeböck und Rudi Kullak.

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