Erstellt von Hannes Höfer | |   Laufen

Michael Spitzauer will auf den Chefsessel

53-jähriger Leobendorfer tritt für die Bündnis-Grünen als Bürgermeisterkandidat an

Seine Ziele habe er stets erreicht, sagt Michael Spitzauer. Erst wollte er Kapellmeister werden, später Lehrer. Heute ist der Metzgermeister Fachlehrer in der Landshuter Meisterschule. Im kommenden Jahr will der 53-jährige Leobendorfer den Bürgermeistersessel im Laufener Rathaus erobern. Bündnis 90 / Die Grünen nominierten Spitzauer in einer Ortsversammlung im Gasthaus Greimel einstimmig zu ihrem Kandidaten.

Nach der Versammlungsankündigung war in Laufen spekuliert worden, wer für die Bündnis-Grünen antritt. Der junge Ortsvorsitzende Matthias Lutz oder einer der drei Stadträte? Keiner von ihnen. Michael Spitzauer wirft seinen Hut in den Ring. Der ehemalige Stadtrat ließ keinen Zweifel: „Ich will Bürgermeister werden. Das ist mein Traum und es ist mein voller Ernst.“

Im Verkehr sieht Spitzauer das „Hauptproblem“ der Stadt. Er gestand freimütig: „Ich bin gegen diese Ortsumfahrung.“ Nicht zuletzt, weil der Stadtrat damals über eine „humanere“ Variante abgestimmt habe. Jetzt aber stehe man vor einer Lösung „höher, schneller, breiter, größer“. Spitzauer nennt das „Betrug“. Eine Ortsumfahrung würde das größere Problem, den Pendlerstrom durch die Altstadt, nicht lösen. Das könne nur eine stadtnahe Brücke im Süden. Vor allem aber müssten die Salzburger endlich ihre Aufgaben erledigen und einen Vollaufschleifer bei Hagenau bauen. Der Antrag der Grünen auf ein Lkw-Nachtfahrverbot durch die Stadt liege seit Jahren unbearbeitet im Landratsamt, kritisierte der Kandidat, für den eines klar ist: „Güter müssen auf die Schiene.“

2008 habe Laufens Schuldenstand rund eine Million Euro betragen, heute sei man bei annähernd zehn Millionen. „Und das in Zeiten guter Konjunktur und niedriger Zinsen.“ Dabei stünden weitere Aufgaben wie die Sanierung der Salzachhalle an. Spitzauer fügte sogleich eine eigene „Vision“ hinzu. Für Leobendorf wünscht er sich ein gemeinsames Zentrum für Feuerwehr und Vereine mitsamt Turnhalle. In dem großen Baugebiet seines Heimatortes habe man es versäumt, eine zentrale Wärmeversorgung mit Hackschnitzel zu errichten. Daher hat er seine eigene Anlage installiert. Stichwort Bauen: „Ich möchte, dass die Stadt den sozialen Wohnungsbau unterstützt, und auch das Thema Jugendheim endlich angeht.“

Als Ernährungsberater liegt Spitzauer das Trinkwasser am Herzen. „30 Milligramm Nitrat pro Liter im Grundwasser sind zu viel“, ist er überzeugt, selbst wenn der Grenzwert bei 50 liege. Oberndorf hätte mit neun Milligramm ein wirklich „naturbelassenes“ Trinkwasser. Beim Thema Wasser ist es nur ein Schritt zum Abtsee. Dessen Badewasserqualität werde zwar regelmäßig als ausgezeichnet eingestuft, der ökologische Zustand sei jedoch nur mäßig. Beim Schwimmen bekomme er Pusteln und Hautausschlag. „Phosphoreintrag kann den See zum Kippen bringen“, fürchtet der Kandidat, der eine Lösung mit der Landwirtschaft anstrebt.

Spitzauer kann nicht verstehen, weshalb Laufen aus der Ökomodell austreten will. „Die liegt uns näher als die Biosphäre.“ Nicht zuletzt sei der biozertifizierte Schlachthof ein gutes Argument für einen Verbleib. Spitzauer lobte die gelungene Integration in der Salzachstadt, Helferkreis und Stadt hätten hier viel getan. „Auch die Verwaltung arbeitet verdammt gut“, würdigte er, wünschte sich aber doch „mehr Bürgerfreundlichkeit.“

Als Amtsinhaber würde Spitzauer eine Bürgersprechstunde einrichten. „In Laufen erfährt man zu wenig“, rügte er eine aus seiner Sicht mangelnde Öffentlichkeit. „Zu viel wird nicht öffentlich behandelt“, so seine Erfahrung. Und wie steht Michael Spitzauer zum Amtsinhaber und Mitbewerber Hans Feil? „Ich mag Hans Feil wirklich gern“, bekannte er offen, „aber ich glaube, zwölf Jahre reichen.“ Aus eigener Erfahrung wisse er: „Es gehen einem die Ideen aus, ein Wechsel ist fällig.“ Michael Spitzauer ist überzeugt, dass der Grünen-Höhenflug keine Eintagsfliege ist. Seinen Mitstreitern versprach er: „Ich will was bewegen, zusammen mit euch.“ Ihre Stadtrats-Kandidatenliste wollen die Bündnis-Grünen im November präsentieren.

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Metzger, Meister, Lehrer

Michael Spitzauer ist Jahrgang 1966. Als „katholisch und erzkonservativ“, beschreibt er sein frühes Umfeld in Leobendorf. Schon damals habe er auf Ungerechtigkeit und Ausgrenzung reagiert, erzählt er. Später habe ihn die schlimme Lage in vielen Teilen Afrikas sehr berührt. Mit 18 hat er sich den ersten Aufkleber an sein Auto geheftet: „Rettet die Wale“. Seither ist er auch Fördermitglied bei Greenpeace. Im Stadtgebiet Laufen sei er der zweite mit einer Fotovoltaik-Anlage am Dach gewesen. Jene Bauern, die ihn damals als „Trottel“ verspottet hatten, hätten inzwischen die weit größeren Anlagen auf ihren Dächern. Als erster Metzger Deutschlands habe er auf ausschließlich gentechnikfrei gefütterte Tiere umgestellt, was auch im Greenpeace-Magazin gewürdigt worden sei.

„Ich hatte gute Lehrer in Laufen und in der Freilassinger Realschule“, blickt Spitzauer zurück, nicht zuletzt deshalb sei der Wunsch gereift, selbst Lehrer zu werden. Doch zunächst wurde Michael Spitzauer Metzger, absolvierte nach der Lehre den Grundwehrdienst. Mit 21 Jahren war er damals einer der jüngsten Meister Bayerns. 2014 heiratet Michael seine Silke. Ein Jahr später haben die Beiden den jungen afghanischen Flüchtling Nasrad als Pflegekind aufgenommen. Der war in seiner ersten Ausbildung als Maschinenführer so erfolgreich, dass er bereits eine weitere als Industriemechaniker gestartet hat. „Glaubt den Hetzern nicht“, warnt Spitzauer vor rechtem Gedankengut.

2015 begann er als Fachlehrer in der Metzger-Meisterschule in Landshut. Aus diesem Grund legte er damals sein Stadtratsmandat nieder. Was bringt der Fachlehrer den angehenden Meistern bei? „Mit Fleisch lässt sich die Welt nicht ernähren. Aufspringen und mitdenken.“ Und wie kocht der begeisterte Koch und Ernährungsberater? „Ausgewogen und mit viel Abwechslung.“ Er gesteht: „Ich liebe Fleisch, aber ich esse es in vertretbarem Umfang.“

Als Meister hatte er neben anderen einen Russland-Deutschen ausgebildet. Der war just zu der Zeit in der russischen Armee als Spitzauer seinen Wehrdienst leistete. „Im Kriegsfall hätten wir aufeinander geschossen. Heute sind wir Freunde.“ Viele Jahre war Michael Spitzauer Kapellmeister der Musikkapelle Steinbrünning. Sein Sternzeichen ist der Fisch. Dieses zwölfte Zeichen im Tierkreis wirkt vom 19. Februar bis zum 20. März. Exakt in dieser Zeit finden die Kommunalwahlen statt.

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„Den Wind kann man nicht ändern, aber man kann die Segel anders setzen“, beschreibt Michael Spitzauer sein Herangehen. Foto: Hannes Höfer

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