Wie geht es weiter mit dem Watzmobil?
Der Ortsverband Berchtesgadener Tal lud zu einer Veranstaltung zum Thema Weiterentwicklung des "Watzmobil" und die künftige Ausrichtung des ÖPNV ein.
Nach der Begrüßung durch die grüne Berchtesgadener Gemeinderätin und Bürgermeisterkandidatin Iris Edenhofer hat Robert Seibold – Projektleiter vom Bergerlebnis Berchtesgaden – zunächst das Watzmobil im Rahmen einer Video-Präsentation vorgestellt. Mit On-Demand-Verkehr sind Mobilitätsangebote auf Bestellung gemeint. Die Fahrgäste können nach individuellem Bedarf Fahrten anfordern. Zum Einsatz kommen Kleinbusse, die flexibel und an keinen Fahrplan oder Linienweg gebunden sind. Die Fahrgäste können selbst bestimmen, wann und wohin sie fahren möchten. Angefahren werden klassische Bushaltestellen und zusätzliche virtuelle On-Demand-Haltestellen. Fahrten werden gebündelt und mehrere Fahrgäste, die in die gleiche Richtung fahren, können sich das Fahrzeug teilen. Ein Parallelbetrieb während der Fahrzeiten der Linienbusse ist ausgeschlossen. Wenn innerhalb von 30 Minuten nach dem gewünschten Termin ein Bus fährt wird die Fahrt nicht durchgeführt. On-Demand-Verkehre dienen auch als Zubringer zu Buslinien, ersetzen diese aber nicht. Die Buchung erfolgt über eine App, in der den Fahrgästen alle relevanten Daten und die Verfügbarkeit sofort aufgezeigt wird.
Seibold hat die Erfolgsgeschichte des On-Demand-Verkehr mit eindrucksvollen Zahlen präsentiert. So kommt derzeit ein elektrisch betriebener Kleinbus -genannt Watzmobil - zum Einsatz. Seit Beginn des Einsatzes Mitte Mai 2025 bis Ende Oktober 2025 hat das Watzmobil 5613 Fahrten durchgeführt, 12.210 Fahrgäste befördert und dabei 51.011 km zurück gelegt. Das sind rund 33 Fahrgäste und 73 km pro Einsatztag. Erfreulich ist auch, dass an keinem einzigen Einsatztag dem Watzmobil der Strom ausgegangen ist. Bis Oktober 2025 war das Einsatzgebiet des Watzmobil nur in Ramsau. Seit 01.11.2025 ist ein zweiter Bus in Betrieb und das Einsatzgebiet wurde ausgeweitet auf Berchtesgaden, vornehmlich Oberau, Obersalzberg, Buchenhöhe, Hinterbrand und Faselsberg. Im 1. Quartal 2026 wird ein weiteres, behindertengerechtes Elektrofahrzeug angeschafft und es erfolgt der Start des landkreisweiten Systems incl. der Einbindung der Taxiunternehmen in den ON-Demand-Verkehr.
Bartl Wimmer – Vorsitzender des Bergerlebnis Berchtesgaden – hat danach die Situation des ÖPNV beschrieben und Lösungen aufgezeigt. Der ÖPNV durch Busse wird derzeit von der RVO eigen-wirtschaftlich betrieben. Die Beauftragung erfolgt vom Landkreis über langfristig gültige, aber relativ starre Konzessionen. Die RVO versuchte bereits in letzter Zeit einzelne Strecken an den Landkreis zurück zu geben. Letztlich droht Anfang 2027 der komplette Ausstieg aus dem eigenwirtschaftlich betriebenen, busgebundenen ÖPNV. Der Landkreis muss sich daher vorbereiten den ÖPNV künftig in eigener Zuständigkeit zu betreiben.
Bereits in der Vergangenheit gab es Bestrebungen, zusammen mit dem Landkreis Traunstein einen gemeinsamen Verkehrsverbund zu gründen mit dem Ziel eines grenzüberschreitenden Verbundes mit Salzburg. Traunstein plant aber derzeit einen Beitritt zum Münchner Verkehrsverbund MVV. Wir müssen deshalb den Beitritt zu den Salzburgern alleine voran treiben, so Wimmer.
Ziel ist neben einem für die Tarife zuständigen Verkehrsverbundes mit Salzburg auch eine für den Linienbetrieb zuständige Betreibergesellschaft um die langfristigen Planungen zu gewährleisten. Eine Beteiligung durch den Landkreis in Höhe von 50 % , den Kommunen zu 30 % und dem Bergerlebnis Berchtesgaden zu 20 % wäre ein denkbares Modell.
Der Kreistag hat die Zusammenarbeit mit dem Salzburger Verkehrsverbund SVV im Grundsatz bereits beschlossen, die konkreten Verträge müssen aber von der Verwaltung noch ausgearbeitet werden. Gleiches gilt für den Ausbau des On-Demand-Verkehrs. Für die Betreibergesellschaft fehlt noch ein Grundsatzbeschluss des Kreistags sowie die Ausgestaltung der vertraglichen Regelungen.
Wimmer betonte, dass es in Sachen ÖPNV 5 nach 12 ist. Der Rückzug der RVO ist ohne eine Kompensation durch den Landkreis, den Kommunen und dem Bergerlebnis Berchtesgaden eine Katastrophe. Nicht nur in wirtschaftlicher Sicht. Sondern auch, weil ein funktionierender ÖPNV für Menschen ohne Auto die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht, ein Zweitauto unnötig machen kann und Gästen des Berchtesgadener Landes einen Urlaub ohne eigenes Auto ermöglicht. Der ON-Demand-Verkehr bietet hier große Chancen.
Wimmer hält Beschlüsse in den kommunalen Gremien noch vor der Kommunalwahl 2026 für unbedingt notwendig und angesichts der bisher guten Zusammenarbeit im Kreistag auch für möglich. Die Grundstruktur des künftigen ÖPNV im Landkreis muss aber bis dahin stehen. Es pressiert.