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Bedenken gegen Großhotel-Projekte

Grüne wollen Nonner Oberland als gewachsene Kulturlandschaft erhalten

Es ist Hans Schamberger, der als Besucher einer Veranstaltung

im Berggasthof Schroffen zu den geplanten großen Hotelneubauten in Bad Reichenhall betont: „Wir weisen alle darauf hin, schützt unser Nonner Oberland. Lesen sie bei Canetti nach, der in seinem Buch ‚Die gerettete Zunge’ eine Hommage an Nonn geschaffen hat.“ Elias Canetti, der spätere Literaturnobelpreisträger, war als Heranwachsender in Bad Reichenhall und hat in seiner Autobiographie Jahrzehnte später festgehalten, wie tief beeindruckt ihn die schöne Nonner Landschaft hat. Dieses Gefühl teilen offenbar die vielen Besucher, die der Einladung zur Information und Diskussion gefolgt sind. Die meisten stört es, dass zwei Großhotels mit zusammen 600 Betten und einem Landverbrauch von etlichen Hektar im Nonner Oberland entstehen sollen. Initiiert hat die Versammlung im voll besetzten Schroffen-Saal der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen.

Gastgeber und Diskussionsleiter Bruno Rettelbach erinnert eingangs daran, dass es seit 2003 ein „Bündnis gegen unmäßigen Flächenverbrauch“ zwischen der Bayerischen Staatsregierung, den Verbänden und Kommunen gibt. Der heutige Ministerpräsident Günther Beckstein forderte damals als Innenminister alle Städte und Gemeinden in Bayern auf, die „ausufernde Bodenversiegelung“ einzudämmen. Im Januar 2008 beklagte Umweltminister Otmar Bernhard den weiterhin steigenden Flächenverbrauch. Stadtrat und Umweltreferent Rettelbach zitiert Landrat Georg Grabner, der in einem Heft zur Kreistagswahl „Landschaft, Natur und Umwelt als unser größtes Kapital“ bezeichnet. Die Bad Reichenhaller CSU wiederum wirbt für eine „Kombination aus unverwechselbarer Landschaft, bayerischer Tradition und kultureller Vielfalt“. Das Foto auf der Vorderseite dieses Infoblattes zeigt das Nonner Oberland. Rettelbach beklagt nun, dass genau dort zwei Hotelbauten geplant sind. Der frühere Fußballstar Paul Breitner war jüngst in der Kurstadt, um die Pläne weiterzutreiben, auf dem Gelände des geschlossenen Alpenhotels Fuchs ein neues Haus mit rund 300 Betten zu errichten. Nicht weit davon, am Fellnerhof, soll auf etwa 42.000 Quadratmetern ebenfalls eine Hotelanlage nahezu identischer Kapazität entstehen. Christine Spitzy ist Anliegerin: „Ich wohne direkt neben dem Fellnerhof und habe viel recherchiert. Es gibt einen bayerischen Fördertopf mit 600 Millionen Euro, deshalb wollen so viele Investoren Hotels am Alpenrand bauen. Mir gehört die Padinger Alm. Hans Riess wollte das Objekt kaufen, auf die Padinger Wiese sollte jenes Riesenhotel gesetzt werden, das nun auf dem benachbarten Fellnergrund geplant ist.“ Sollten die beiden Großhotels in Nonn errichtet werden, sagt Christine Spitzy voraus: „Das ruiniert die Landschaft.“ Der Ansicht ist auch der parteilose Spitzenkandidat auf der Grünen-Liste zur Stadtratswahl, Michael Nürbauer. Er plädiert für kleinere Beherbergungsbetriebe: „Die Leute wollen doch keine großen Hotelkästen mehr. Ohne schlüssige Konzeption für Bad Reichenhall sind die gegenwärtigen Planungen im Nonner Oberland nicht zielführend.“ Michael Drummer aus Berchtesgaden referiert über die „zukunftsfähige Ausrichtung des Tourismus im Berchtesgadener Land“. Der Marketingfachmann listet „Sünden“ im BGL-Tourismus auf. Es fehlen, so Drummer, „klare Zuständigkeiten für Entwicklung und Umsetzung“, ein Verkehrs- und Wegemanagement, ein Kommunikationskonzept für nachhaltigen Tourismus“. Prägnant umreißt Stadtentwickler Christian Klotz die aktuelle Lage: „Wir haben eine furchtbar kritische Situation. Früher hatten wir in Reichenhall in der Spitze 1,9 Millionen Übernachtungen, jetzt sind es mit Bayerisch Gmain 900.000. Das Werbebudget erreichte früher über eine Million, jetzt sind es unter 300.000 Euro. Bad Reichenhall hat die Entwicklung verschlafen, die Schiene Kur ist ein für allemal vorbei.“ Klotz empfiehlt durchaus neue Hotels im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich, doch sollten diese nach Schweizer oder Südtiroler Vorbild 70 bis 140 Betten haben. Ihm und vielen Diskutanten wäre es recht, wenn Investoren für bestehende Häuser oder Neubauten in der Innenstadt gewonnen werden könnten. Landschaftsarchitekt und Gemeinderat Andreas Burkhardt aus Bayerisch Gmain sagt: „Wir haben auch so ein lästiges Hotelprojekt. Da passt nicht hierher.“ Auf einer drei Hektar großen Grünfläche soll eine Anlage mit rund 200 Betten entstehen. Im Landkreis gibt es in der Schönau, Bischofswiesen und Berchtesgaden weitere Großvorhaben. Die Grünen wollen gemeinsam mit Bürgern im Nonner Oberland für den Erhalt „des Kulturguts Landschaft“ kämpfen und eine „nachhaltige Beschädigung verhindern“, wie Rettelbach sagt.

Zukunft Energie: viel positives, aber auch großer Handlungsbedarf. Von links: Prof. Bernhard Zimmer, Paul Goldbrunner und Sepp Daxenberger. (Foto: Höfer)
Der Marketingfachmann Michael Drummer aus Berchtesgaden referierte über die zukünftige touristische Ausrichtung im Berchtesgadener Land. Neben ihm Landschaftsarchitekt Andreas Burkhardt. Foto: Landeck

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