Ein "Ja" zum Tourismus – aber nicht zu jedem Preis
Veranstaltung zum Thema verantwortungsvoller Tourismus sowie Vorstellung der grünen Kandidatinnen und Kandidaten für die Schönau
Im voll besetzten Nebenraum des Gasthauses Unterstein fand die Wahlveranstaltung des Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen Schönau am Königssee statt. Im Mittelpunkt standen die Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten für den Gemeinderat sowie ein Gastbeitrag von Bartl Wimmer, Landratskandidat für das Berchtesgadener Land, zum Thema nachhaltiger Tourismus.
Die Ortsvorsitzende und Bürgermeisterkandidatin Iris Edenhofer begrüßte die Anwesenden und dankte dem Organisations-Team des Ortsverbandes für die gelungene Veranstaltung. Ebenso herzlich begrüßt wurden Gastredner Bartl Wimmer und Bürgermeister Hannes Rasp.
Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich vor
Im Rahmen der Veranstaltung stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten des Grünen Ortsverbands vor. Nicht vor Ort waren Leon Kruis und Manfred Doetsch.
- Anne Egger setzt sich für Transparenz in der Kommunalpolitik, bezahlbaren Wohnraum, ein ausgewogenes Verhältnis von Miet- und Ferienwohnungen sowie eine nachhaltige Entwicklung öffentlicher Flächen in Schönau ein.
- Dr. Gertraud Rieger engagiert sich für eine ausgewogene touristische Entwicklung zum Schutz von Ort und Landschaftsbild, bezahlbaren Wohnraum und Umwelt- und Naturschutz.
- Katja Vierling-Burger steht für einen respektvollen, faktenbasierten politischen Diskurs auf kommunaler Ebene.
- Jörn Herdecke legt seinen Schwerpunkt auf Kinder und Familie, gute Kinderbetreuung, nachhaltige Ortsentwicklung sowie faires und transparentes kommunalpolitisches Handeln.
- Leo Guscelli möchte junge Menschen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv in politische Prozesse einzubringen.
- Johanna Plenk kandidiert, um die kommunalpolitische Arbeit im Sinne eines konstruktiven Miteinanders in der Gemeinde zu unterstützen.
- Martin Schlereth setzt auf respektvollen Austausch und möchte angesichts gesellschaftlicher Spannungen vor Ort Verantwortung übernehmen.
- Irene Eder unterstützt die kommunalpolitische Arbeit aktiv und bringt ihre langjährige Verbundenheit mit Schönau ein.
- Christian Eder engagiert sich für eine konsequente grüne Politik und möchte an widerstandsfähigen Gemeinderäten mitarbeiten.
- Katja Springl setzt sich für den Schutz von Natur und Landschaft ein, um die hohe Lebensqualität der Gemeinde dauerhaft zu sichern.
- Priska Prechtl möchte Demokratie aktiv mitgestalten, Umwelt- und Klimaschutz fördern, nachhaltigen Tourismus stärken und die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf verbessern.
- Anna Stangassinger setzt sich für die Belange junger Menschen, Räume für Kreativität und Kultur sowie einen nachhaltigen Tourismus ein, der Umwelt, Bevölkerung, Tierschutz und regionale Landwirtschaft gleichermaßen berücksichtigt.
- Manfred Prechtl engagiert sich für Umwelt- und Gesundheitsschutz und die langfristige Reduzierung von Plastik und Umweltbelastungen.
Gastbeitrag Bartl Wimmer: Nachhaltiger Tourismus
Bartl Wimmer, Landratskandidat und Vorsitzender des Zweckverbandes Bergerlebnis Berchtesgaden, fand in seinem Gastbeitrag klare Worte zur Zukunft des Tourismus im Berchtesgadener Land.
„Tourismus ja, aber nicht zu jedem Preis“, erklärte Wimmer. Ziel sei von Beginn an gewesen, die Übernachtungszahlen auf dem Niveau von 2019 vor der Pandemie zu stabilisieren – weder weiter zu steigern noch absinken zu lassen. Entscheidend sei nicht die Menge der Gäste, sondern was für die Region und die Menschen hier tatsächlich hängen bleibe. Aufenthaltsqualität und Wertschöpfung müssten Vorrang vor bloßem Wachstum haben.
Gerade der Tagestourismus werde von vielen Einheimischen als besonders belastend wahrgenommen, trage jedoch gleichzeitig mit rund 80 bis 90 Millionen Euro jährlich erheblich zur regionalen Wertschöpfung bei. Umso wichtiger sei es, auch hier auf gezielte Steuerung statt auf weiteres Wachstum zu setzen.
Deutlich wurde Wimmer beim Thema Akzeptanz: „Ein Tourismus, der von der eigenen Bevölkerung nicht mehr getragen wird, ist gescheitert.“ Zustände wie in Mallorca oder Hallstatt seien für das Berchtesgadener Land keine Option. Maßnahmen wie die Begrenzung der Besucherzahlen am Kehlstein zeigten, dass weniger Belastung zu mehr Qualität führen könne – für Gäste ebenso wie für Betriebe.
Besonderes Augenmerk lege man auf kleine und mittlere Betriebe. Rund 50 Prozent der touristischen Unterkünfte seien derzeit noch nicht online buchbar. „Wenn wir diese Betriebe nicht sichtbar machen und qualitativ beraten, verschwinden sie“, so Wimmer. Investitionen in Qualität, Sichtbarkeit und nachhaltige Infrastruktur seien entscheidend, um die Kapazitäten langfristig zu sichern.
Auch die Situation junger Menschen, die häufig selbst im Tourismus tätig sind, müsse stärker berücksichtigt werden. Viele sähen zwar den Nutzen für die Allgemeinheit, spürten jedoch persönlich Nachteile – insbesondere durch fehlenden bezahlbaren Wohnraum und eingeschränkte Mobilität. Wimmer machte deutlich: „Projekte ohne echte Wertschöpfung für Einheimische sind nicht verantwortbar – auch dann nicht, wenn sie höhere Übernachtungszahlen versprechen. Letztendlich kommen wir immer wieder darauf zurück: Entscheidend ist das richtige Maß.“
Zum Umgang mit Film- und Medienprojekten in der Region betonte Wimmer, dass Produktionen nur dann befürwortet würden, wenn sie zur Region passten, diese stärkten und nicht zusätzlich belasteten.
Abschließend zog Wimmer ein zuversichtliches Fazit: „Verglichen mit anderen Regionen stehen wir gut da, weil wir auf Exzesse verzichtet haben. Wir haben die Gäste verjüngt, die Wertschöpfung gestärkt und die Natur geschützt. Ich bin überzeugt: Tourismus und Lebensqualität lassen sich verbinden – ein Hallstatt 2.0 brauchen wir definitiv nicht. Dafür werde ich mich weiter engagieren.“
In der anschließenden Diskussion wurden Aspekte wie der Vergleich von Tourismus mit Handwerk und Industrie, Digitalisierung und Bezahlsysteme, Film- und Medienproduktionen sowie die aktuelle Situation am Jenner behandelt. Dabei wurde deutlich: Tourismus soll verantwortungsvoll gestaltet werden, mit Fokus auf Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung, breite Freizeitangebote und die Balance zwischen Tourismus und Lebensqualität für die Bevölkerung.