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Mithilfe ist die Basis der SoLaWi

Erstellt von Karin Kleinert | Saaldorf-Surheim

Saaldorf-Surheimer OV informiert sich in Tettenberg bei Waging über die Solidarische Landwirtschaft Chiemgau

Der Ortsverband der Grünen Saaldorf-Surheim hatte kürzlich einen Ausflug nach Tettenberg in der Nähe von Waging unternommen. Ziel war der Demeter-zertifizierte Acker der solidarischen Landwirtschaft Chiemgau, der zum deutschlandweiten Netzwerk „Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau“ gehört. Die Gründerin und Leiterin der „SoLaWi Chiemgau“ Kristine Rühl informierte umfassend über das Konzept dieser gemeinschaftlich getragenen Wirtschaftsform. Zudem durfte die Gruppe das neue Projekt „Bildungswoche Biolandwirtschaft“ kennenlernen. Die Grünen, vom Engagement und Ideenreichtum der Initiative sichtlich beeindruckt, genossen den schönen, abwechslungsreichen Nachmittag. 

Kristine Rühl hieß die Teilnehmer mit einer leckeren Brotzeit willkommen. Sie und einige Mitstreiter hätten Hunger gehabt und daher gebe es die Köstlichkeiten vom Acker schon vor der Führung und nicht danach, meinte sie in ihrer sympathischen und unkomplizierten Art. Das selbst gemachte Pesto aus Rucola, Barbarkresse, Winterpostolein, Zwiebeln, Schnittlauch und Olivenöl schmeckte auf dem frisch gebackenen Brot, das eine junge Familie mitgebracht hatte, herrlich. Schnell entwickelten sich angeregte Gespräche rund um ökologische Landwirtschaft, Nachhaltigkeit, Bodengesundheit, mehrjähriges Gemüse, Artenvielfalt und viele spannende Themen mehr.

Nach der Brotzeit und den ersten gewonnenen Eindrücken ging es für die Gruppe zum „Acker“, wie Kristine Rühl ihr 1,3 Hektar großes Grundstück nennt. Dort baut sie mehr als 50 verschiedene Gemüse- und Obstkulturen sowie Kräuter an. Die Betriebsleiterin berichtete, wie sie auf die solidarische Landwirtschaft gekommen sei, warum sie deren Konzept überzeugt hat und was für ein Prinzip dahinter steht. Das Grundstück, zu dem auch zwei Tagwerk Wald gehören, habe sie 2013 kaufen können und im Jahr darauf begonnen, einen landwirtschaftlichen Gartenbaubetrieb aufzubauen, so die Quereinsteigerin, die früher im Bereich Graphik und Marketing arbeitete. Sie habe den Acker, kleine Foliengewächshäuser und einen Bauwagen für die Gartengeräte, ein festes Gebäude gebe es nicht. Die Maschinen dürfe sie bei einem Nachbarn einstellen.

Rühl erzählte, sie habe die „SoLaWi Chiemgau“ 2018 gegründet. Seitdem betreibe sie sie im Vollerwerb. Die solidarische Landwirtschaft beruhe auf dem Prinzip, dass Verbraucher dem Landwirt oder Gärtner ganzjährig die Abnahme eines monatlichen Ernteteils zu einem festen Betrag garantieren. Damit tragen die sogenannten Ernteteiler einen Teil des Bewirtschaftungsrisikos mit und der Landwirt hat eine gewisse Planungssicherheit. Sie habe etwa 60 bis 70 Ernteteiler, darunter Privatleute und Einrichtungen wie den Campus St. Michael in Traunstein. Die Ernteteiler würden pro Jahr 600 € zahlen und sich dafür von März bis Dezember pro Woche zu festen Terminen eine Erntekiste an vier Stellen in Traunstein, Nußdorf, Siegsdorf und Waging/Otting abholen können. Außerdem bringen sich einige Abnehmer auf unterschiedliche Weise aktiv ein. Wer dazu keine Zeit oder nicht in der Lage ist, bezahlt einen gewissen Ausgleichsbetrag.

Während des Rundgangs über die Beete berichtete Kristine Rühl über die Abläufe des Gartenbaubetriebs und beantwortete auch viele Fragen der Besuchergruppe etwa nach der  Jungpflanzenaufzucht. Diese aufwendige und logistisch herausfordernde Arbeit übernehme sie bei sich daheim. Das Pflanzen, Düngen, Jäten, Ernten und Packen der Erntekisten erfolge unter ihrer Federführung mit etwa 8 bis 10 Leuten, die regelmäßig helfen. Es werde viel mit der Hand gearbeitet, es kämen aber auch Maschinen zum Einsatz. Gedüngt werde mit einer speziellen Mischung aus Gründüngung und Mist von Kühen eines Demeter-Bauern  aus der Umgebung. Auf die Frage, wie die ganze Arbeit zu bewältigen sei, sagte Rühl, dass es ohne Idealismus und die freiwilligen Helfer nicht gehen würde. „Mithilfe ist die Basis der SoLaWi“.

Neben den mehr als 100 Dauerbeeten, die alle dieselbe Länge und Breite haben, gab es auch viele Beerensträucher, Obstbäume, Hecken und Blühstreifen zu bewundern. Kristine Rühl erklärte, dass sie nur auf 40 Prozent der Fläche anbaue, die anderen 60 Prozent würden der Biodiversität dienen. „Artenvielfalt wird in unserem Anbausystem von Haus aus mitgedacht und durch zusätzliche Maßnahmen flankiert“, betonte sie. 

Auch über ihr zusätzliches Standbein, die vielfältige Bildungsarbeit mit Führungen, Aktionstagen und anderen Veranstaltungen, berichtete Rühl.  Vergangenes Jahr etwa habe sie ein Pilotprojekt mit dem Titel „Öko-Landwirtschaft erleben und begreifen“ begonnen und sei dabei von der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) Laufen und der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel unterstützt und gefördert worden. 

Dieses Umweltbildungsprojekt richte sich in den Sommerferien an Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein. 40 Kinder dürfen unter Anleitung von geschulten Betreuern jeweils fünf ganze Tage die Öko-Landwirtschaft erleben. Heuer würde sie gerne drei Wochen anbieten. Um dies zu realisieren, habe sie ein Crowdfunding, also eine Spendenkampagne, gestartet. So bleibe die Teilnahmegebühr moderat und auch Familien mit kleinem Geldbeutel könnten sich eine Woche leisten (Infos unter www.solawi-chiemgau.de/aktuelles).  

Am Ende der Führung bedankten sich die Ortsvorsitzenden Karin Kleinert und Barbara Nicolai bei Kristine Rühl für den interessanten Nachmittag und die herzliche Aufnahme bei der „SoLaWi Chiemgau“.

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