GRÜN bewegt Freilassing – Stadtspaziergang mit Blick auf Vergangenheit und Zukunft
Trotz anhaltenden Regens machte sich am Sonntag, 22. Februar 2026, eine engagierte Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam mit dem Dritten Bürgermeister und Kulturreferenten, Wolfgang Hartmann, und der Bürgermeisterkandidatin, Ulrike Schweiger, auf den Weg durch die Stadt. Unter dem Motto „GRÜN bewegt Freilassing“ führte der rund zweistündige Spaziergang zu zwölf Stationen – und spannte dabei den Bogen von historischen Entscheidungen bis zu aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung.
Erste Station war die Lokwelt Freilassing. 2002 hatte die Stadt das ehemalige Bahn-Betriebswerk mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden erworben – nach einem Bürgerentscheid zugunsten des Ankaufs. In Kooperation mit dem Deutschen Museum entstand dort ein Technikmuseum, das seit 2006 weit über die Region hinausstrahlt. Bis zum Sommer soll die große Montagehalle – wie im Stadtentwicklungskonzept von 2012 vorgesehen – zumindest saisonal als Veranstaltungsort genutzt werden; langfristig steht eine ganzjährige Nutzung im Raum.
An der Westend-Brücke richtete sich der Blick auf die Bahnstrecke Richtung Mühldorf. Der seit Jahren angekündigte Ausbau der ABS 38 ist weiterhin nicht umgesetzt. Im ersten Halbjahr 2027 soll die Strecke während der Totalsperre Freilassing–Rosenheim als Ausweichroute dienen – allerdings eingleisig und ohne Elektrifizierung.
Handlungsbedarf besteht nach Ansicht der Teilnehmenden auch am Rupertussteg. Neben der baulichen Sanierung wurde eine künstlerische Neugestaltung der Innenwände angeregt. Erste Gespräche mit Schulen, Stadt und dem Verein „urban sphere e.V.“ seien positiv verlaufen, berichtete der Kunst- und Kulturreferent. Nun liege der Ball bei der Stadtführung.
Am Bahnhof wurde zwar der barrierefreie Zugang von Süden zu allen acht Gleisen fertiggestellt, dennoch bleiben kritische Punkte: unterschiedliche Bahnsteighöhen, fehlende Fahrkartenautomaten auf den Gleisen 96/97 sowie die eingestellte durchgehende S-Bahn-Verbindung von Salzburg nach Bad Reichenhall. Auch die Bundespolizei ist weiterhin provisorisch am Vorplatz untergebracht. Der bestehende Busbahnhof gilt zudem schon heute als zu klein – insbesondere mit Blick auf den geplanten Schienenersatzverkehr 2027 wegen der Sanierung der Strecke Freilassing-Rosenheim.
Kritik gab es an der Rad- und Fußgängerunterführung, vor allem an den steilen Rampen auf der Nordseite. Vorgeschlagen wurde ein Parkhaus auf städtischem Grund nördlich der Bahn – mit Stellplätzen für Fahrräder und Autos, einem Lift für barrierefreien Zugang zumindest zur Unterführung, sowie Toiletten. Für die rund 15.000 Einwohner im nördlichen Stadtgebiet könnte dies den Zugang zur Bahn deutlich erleichtern.
Im Innenstadtbereich ging es um die Verbindung zwischen dem Bahnhof, dem geplanten Lindenplatz und der Fußgängerzone. Gefordert wurde die konsequente Umsetzung der beschlossenen Neugestaltung mit Elementen einer „Schwammstadt“ und höherer Aufenthaltsqualität. Eine Rückkehr des Autoverkehrs in die Fußgängerzone lehnten die Teilnehmenden entschieden ab. Auch eine mögliche Einbahnregelung in der Lindenstraße wurde mit Blick auf den Einzelhandel sehr kritisch bewertet.
Am Hermann-Ober-Platz folgte ein kurzer Exkurs zum Namensgeber und seinem Wirken in Freilassing. Zudem wurde auf den versetzten Augen-Brunnen hingewiesen, der der Stadt am Gründonnerstag übergeben wird.
Am Birkenweg informierte Hartmann über die Erweiterung der Grundschule. Der Neubau schafft Raum für Ganztagsbetreuung mit Mensa und setzt auf ein modernes pädagogisches Konzept. Neben dem Schulgebäude von 1909 sei eine architektonisch gelungene Lösung entstanden. Angesichts des derzeit siebenzügigen Betriebs könne langfristig dennoch ein zweiter Schulstandort erforderlich werden. Auch für den Georg-Wrede-Park wird nach dem Abbau der Container vor dem alten Schulgebäude eine Sanierung erwartet.
Der Skulpturenweg, entstanden im Zuge des Badylon-Neubaus nach dem Hochwasser 2013, war die letzte Station. Seit sechs Jahren werden dort an fünf Standorten Kunstwerke ausgestellt und jährlich ausgetauscht – ein sichtbares Zeichen für Kunst im öffentlichen Raum.
Seinen Ausklang fand der Spaziergang im Restaurant Badylon. Bei Gesprächen und Diskussionen wurde deutlich: In Freilassing ist vieles auf den Weg gebracht – doch zahlreiche Projekte verlangen weiterhin politischen Einsatz und einen langen Atem.