Erstellt von Karin Kleinert | |   Teisendorf

Wanderung mit Landesvorsitzender Eva Lettenbauer - auch der BR war dabei

Zusammen wandern und sich dabei politisch miteinander austauschen – die einfachen Ideen sind oft die besten, vor allem wenn sie von kompetenten Akteuren umgesetzt werden. Und so fanden sich zu der vom Teisendorfer Ortsverband der Grünen organisierten „Poltischen Wanderung mit Eva Lettenbauer“ auch mehr als dreißig Interessierte aus dem gesamten Landkreis Berchtesgadener Land ein, darunter sogar ein Team des BR Fernsehens. Bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen kam es während des Spaziergangs rund um den Surspeicher zu angeregten Gesprächen mit der Landesvorsitzenden, aber auch untereinander schienen es die Teilnehmer sichtlich zu genießen, wieder einmal „analog“ zu diskutieren.

Die Begrüßung des prominenten Gastes übernahmen der Teisendorfer Ortsvorsitzende Wolfgang Ehrenlechner und Kreisrat Albert Aschauer, der die Idee zu dieser Wanderung hatte. Ehrenlechner sagte, dass er sich sehr freue, endlich wieder einmal so viele Grüne live zu sehen. Digitale Konferenzen gebe es in Corona-Zeiten viele, aber es gehe doch nichts über den persönlichen Austausch in der freien Natur. Bevor Ehrenlechner das Wort an Eva Lettenbauer übergab, stellte er die 27-Jährige kurz vor. Lettenbauer, eine studierte Wirtschaftsingenieurin, stammt aus dem Landkreis Donau-Ries. Seit 2018 ist sie Mitglied im bayerischen Landtag, in der Grünen Fraktion ist sie die Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik, Frauen und Jugend. Im Oktober 2019 wurde sie zur bayerischen Landesvorsitzenden gewählt.

Bei ihren Begrüßungsworten sagte Lettenbauer, dass sie das letzte Mal während ihrer Schulzeit im Berchtesgadener Land gewesen sei und zwar in Berchtesgaden. Teisendorf und die Gegend um den Surspeicher kenne sie noch nicht. Sie freue sich schon sehr auf den Spaziergang und auf gute Gespräche, zumal sich der Rundweg inmitten von ausgedehnten Wäldern befinde und das Thema Wald ihr sehr am Herzen liege. Sie berichtete, dass vor kurzem beim ersten digitalen Parteitag der bayerischen Grünen eine umfassende Waldschutzinitiative verabschiedet worden sei. In dem Beschluss „Wald mit Zukunft“ gehe es darum, wie die bayerischen Wälder gestärkt werden können und zum Rettungsanker für den Klimaschutz werden. Lettenbauer sagte, dass der deutsche Wald der Atmosphäre jährlich 62 Millionen Tonnen CO2 entzieht, eine Zahl, mit der der Laie im ersten Moment nicht viel anfangen könne. Wenn man aber bedenkt, dass diese 62 Millionen Tonnen CO2 sieben Prozent der gesamten deutschen Treibhausgas-Emissionen ausmachen, werde einem bewusst, welch hoher Stellenwert den Wäldern als „grüne Lunge unseres Planeten“  zukommt. Doch sie wolle, so Lettenbauer, auch weitere Themen grüner Politik ansprechen, zum Beispiel Infrastruktur- und Wirtschaftspolitik, aber auch soziale Aspekte, die im Zusammenhang mit dem Corona-Lockdown auftraten, ein Stichwort  sei in diesem Zusammenhang „Frauen in systemrelevanten Berufen“.

Bevor die Gruppe vom Parkplatz zwischen Wimmern und Gumperting aus startete, steuerte Albert Aschauer, Bio-Milchbauer aus Gumperting, noch ein paar allgemeine Informationen zum Surspeicher bei, der dem Freistaat Bayern gehört und an der Grenze zwischen den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein liegt. Gebaut wurde der Surspeicher von 1965 bis 1968, er dient dem Hochwasserschutz und der Stromerzeugung. Wie Aschauer zu berichten wusste, wurde für den Bau sogar ein kompletter Bauernhof umgesiedelt.

Während der rund zweistündigen Wanderung ging es dann freilich immer wieder um das Thema „Wald“. Hier stand Diplom Forstwirt Dr. Bernhard Zimmer, Sprecher des Kreisverbandes Berchtesgadener Land, als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung. Zimmer, der auch der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der bayerischen Grünen ist, und im Arbeitskreis Wald und Forstwirtschaft mitarbeitet, war an der Formulierung des „Wald-Antrages“ maßgeblich beteiligt. Bayern sei das Bundesland mit der größten Waldfläche in Deutschland, mehr als ein Drittel der Landesfläche (2,6 Millionen Hektar) ist bewaldet, so Zimmer. Die Wälder werden von etwa 700 000 Waldbesitzern gepflegt und bewirtschaftet, die damit eine wertvolle Aufgabe für die Gesellschaft übernehmen. Etwa 44 Prozent der bayerischen Waldfläche sind Staats- und Kommunalwald, also quasi Eigentum der Bürger des Freistaates. Für diese Flächen muss  laut Zimmer das Ziel sein, sie besonders vorbildlich zu bewirtschaften.

Auf die wertvollen Laubholzbestände in der Gegend, mit Bäumen, die zum Teil älter als 150 Jahre sind, verwies der Teisendorfer Gemeinderat und Demeter-Bauer Matthias Spiegelsperger  aus Wimmern. Der Verbiss durch Wildtiere sei hier kein großes Thema, die Naturverjüngung funktioniere. Auch der Borkenkäfer sei kein großes Problem, so Spiegelsperger. Der Biobauer weiß auch einiges über den Surspeicher zu erzählen, der ein sieben Hektar großes Gebiet umfasst, das als Hochwasserrückhaltebecken dient. Erreicht der Stausee seinen Höchststand, sind sechzig Hektar Land überflutet, die der Freistaat den Bauern einst abgekauft hat. Der Damm wurde aus Lehm und Granitblöcken errichtet und ist inzwischen von einer bunten Blumenwiese bewachsen, in der sich viele Schmetterlinge tummeln. Der im Zuge des Baus errichtete Rundweg biete laut Spiegelsperger zudem den Waldbauern eine gute Zufahrtsmöglichkeit.

Einige Teilnehmer sprachen das Thema  „Ökosystem  Wasser“ in Zusammenhang mit Wasserkraftwerken an. Während die Sur vor den wasserbaulichen Maßnahmen ein reißender, sehr fischreicher Wildbach war, seien nach dem Bau des Surspeichers im Laufe der Jahre viele Arten verschwunden. Die Verschlammung des nährstoffbelasteten Grundsees  ist einer der Gründe, denn Kleinstlebewesen und Fischbrut bräuchten lockeren Kies, um zu überleben. Gibt es den nicht mehr, ist der Kreislauf des Ökosystems gestört. „Der Hochwasserschutz ist das eine, aber der Verlust der Artenvielfalt ist die Kehrseite von solchen  Bauwerken“, brachte es  Max Ludwig, ehemaliger Gewässerwart der Surfischer, auf den Punkt.

Auf der Staumauer begann dann das BR-Team der Sendung „Kontrovers“ mit den Interviews von Eva Lettenbauer, Wolfgang Ehrenlechner und Kreisrat Bartl Wimmer, in denen es unter anderem um die Zukunft der Grünen ging, die Lettenbauer so beschreibt: „Nur eine breite Aufstellung bringt eine gute Zukunft: es gehört zur DNA der Grünen, Ökologie, Ökonomie und Soziales zusammen zu denken“.  Wer „Kontrovers“ (Sendetermin war der 22. 7.) und den darin enthaltenen fünfminütigen Beitrag über die „Politische Wanderung“ verpasst hat, kann sich die Sendung im Nachhinein in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks  anschauen.  

Nach dem „TV-Intermezzo“ wanderten die Teilnehmer auf dem herrlich gelegenen Rundweg, der nun einen wunderbaren Blick auf die Berge bot, weiter bis nach Wimmern und von dort zurück zum Ausgangspunkt in Gumperting. Bei Kaffee und Kuchen klang der sportliche Teil der „Politische Wanderung“ auf dem Gelände der Familie Aschauer aus. Angeregt diskutiert wurde freilich auch dort noch weiter, nicht nur von den Grünen, sondern auch von Vertretern des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), die sich ebenfalls zum politischen Austausch mit Eva Lettenbauer verabredet hatten.

Foto: Michael Wilhelmstötter
Matthias Spiegelsperger berichtet von der Geschichte des Surspeichers (Foto: Michael Wilhelmstötter)
Foto: Karin Kleinert
Eva Lettenbauer steht dem BR-Team der Sendung „Kontrovers“ Rede und Antwort; der Kameramann drehte vor 15 Jahren schon einmal in Teisendorf und zwar auf dem Waderer Hof in Wimmern für die Serie „Zwischen Stall und Stube“ (Foto: Karin Kleinert)
Foto: Karin Kleinert
Ein Teil der „Politischen Wanderer“ versammelte sich zum Gruppenfoto, wie üblich in Corona-Zeiten mit dem nötigen Abstand (Foto: Karin Kleinert)
Foto: Karin Kleinert
Genau in der Mitte des Staudamms verläuft die Landkreisgrenze zwischen dem Berchtesgadener Land und Traunstein, v. l.: Kreisrat Bernhard Zimmer, Ortsvorsitzender Wolfgang Ehrenlechner, MdL Eva Lettenbauer, Kreisrat Albert Aschauer (Foto: Karin Kleinert)

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