Erstellt von Hans-Joachim Bittner | |   Kreisverband

Unbedarft Bayerisch Gmain Gutes tun

Er geht unbedarft, weil politisch unbelastet ins Rennen – und ist sich sicher, dass das sein großes Plus ist: Frank Jost möchte der erste „grüne“ Bürgermeister des Berchtesgadener Landes werden.

Gemeinsam mehr erreichen

Er kandidiert nach Hans Hawlitscheks vorzeitigem Rückzug für das höchste Amt in Bayerisch Gmain, und ist damit Kandidat Nummer vier, der am 17. Februar um die Gunst der rund 2200 Wahlberechtigten im kleinen Ort oberhalb Reichenhalls kämpft. Dabei wünscht sich Jost keineswegs ein erbittertes Duell gegen seine Kontrahenten um den künftig ehrenamtlichen Chefposten im Rathaus, sondern einen konstruktiven Dialog: „Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam für die Gemeinde kämpfen, nicht gegeneinander. Das sich erstmals in Bayerisch Gmain vier Bewerber gefunden haben, kommt der Gemeinde auf jeden Fall zugute. Wer am Ende gewählt wird, wird es gut machen, da bin ich mir sicher.“

Der 51-Jährige ergänzt: „Die Kandidaten sind alles gute Leute. Wir Grüne wollen uns diese Wahl aber nicht durch die Lappen gehen lassen und die Möglichkeit nutzen, in Bayerisch Gmain eine Alternative zu den etablierten Parteien zu bieten.“ Es sei schön, dass sich momentan so viele für diese Sache interessieren: „Hier ist eine regelrechte Bewegung im Sinne der Gemeindearbeit zu spüren“, so Jost.

Geboren in Bad Nauheim im hessischen Wetteraukreis ist das Berchtesgadener Land seit Anfang der 1970er-Jahre die neue Heimat des Bürgermeister-Anwärters. Sein bereits verstorbener Vater Walter hatte sich um eine Stelle in der Rehaklinik BFA bemüht. Frank Jost – einer seiner vier Brüder, Joachim, sitzt für die Grünen als 3. Bürgermeister im Gemeinderat –, ist heute vielen Bürgern durch sein Engagement als aktiver Spieler und später als Trainer bei diversen Fußball-Vereinen im Landkreis bekannt, in erster Linie beim WSC Bayerisch Gmain. Der A-Schein-Inhaber, er dürfte eine Regionalliga-Mannschaft coachen, kickte selbst höherklassig, vor gut zwei Jahrzehnten sogar einige Male in der damaligen dritthöchsten Klasse, der Hamburger Verbandsliga.

„Ich bin kein Fundamentalist“

Frank Jost ist ledig, hat eine 17-jährige Tochter und verfügt über ausreichend Berufserfahrung, unter anderem als ein vom Amtsgericht bestellter Betreuer. Aktuell ist der gelernte EDV-Kaufmann Angestellter einer heimischen Firma, und in seiner Freizeit professioneller Rafting-Guide, Taucher und Gleitschirmflieger. „Die Natur ist meine Welt, mit ihr bin ich stark verbunden. Darum sind die Grünen meine Partei“, sagt er im Gespräch mit der „Heimatzeitung“. Frank Jost ist intensiv zu Fuß oder mit dem Fahrrad und meist mit seinem Hund Spike, einem Alaskan Malamute, im Ort und seiner schönen Umgebung unterwegs. „Das Auto lasse ich stehen, wenn es geht. Früher waren die Grünen die Strickpulliträger“, sagt er. „Ich bin vielleicht nicht der typische Grüne von damals, sondern wäre eher ein Realo als ein Fundamentalist gewesen“. Er wisse: „Grün ist gut“. Aber man müsse stets Kompromisse eingehen, um alles andere zu berücksichtigen. „Gleichwohl ist es auf kommunaler Ebene egal, ob du Grüner, Schwarzer, Roter oder Gelber bist – die Persönlichkeit entscheidet so eine Bürgermeister-Wahl.“

In Bayerisch Gmain wurde mit 8:7 Stimmen entschieden, dass das oberste Amt im Ort künftig ehrenamtlich ausgeführt wird. „Über diese Entscheidung war ich unglücklich, weil die Belange des Ortes besser mit und von einem hauptamtlichen Bürgermeister erledigt werden können. Aber meine Verärgerung reicht nicht, wenn ich dann selbst nichts mache.“ Frank Jost wurde aktiv und wollte zunächst lediglich die beiden Grünen-Gemeinderäte Andreas Burkhardt und Joachim Jost unterstützen. Nach zwei Treffen regte der neue Kandidat die Gründung eines Grünen-Ortsverbandes an. Es dauerte schließlich nicht lange, bis er gefragt wurde, ob er als Bürgermeister kandidieren wolle.

„Es gilt, den Flow, den die Grünen derzeit bundesweit und auf kommunaler Ebene erleben, aufrecht zu erhalten. Das geht auch in Bayerisch Gmain nur mit einem eigenen Bürgermeister-Kandidaten. Darum habe ich mich dazu entschlossen, zu kandidieren,“ so Jost. Seine Überlegung: „Ich bin überzeugt, dass das die richtige Entscheidung ist. Ich gehe unvorbelastet an die Aufgabe, die mich sehr reizt, und bin vielleicht noch nicht so ,geformt‘ wie die anderen Kandidaten, die ja alle bereits mehr oder weniger lange im Gemeinderat sitzen. Ich befinde mich zudem in keinerlei Stimmungskanälen, in denen der wichtige Blick zur Seite oft fehlt“. Schließlich konnte Frank Jost bislang noch nicht für etwas sein, das in der Gemeinde nicht so gern gesehen würde: „Ich bin noch niemanden auf die Füße getreten“, lacht er und schiebt nach: „Sicher kein Nachteil.“

Wo hakt es in Bayerisch Gmain?

Den wichtigsten Punkt, den Jost am liebsten neben dem Erhalt der Grünflächen sofort anpacken würde, ist laut eigenen Worten „ganz ungrün“: Die Besteuerung des Zweitwohnsitzes, die es in Bayerisch Gmain im Gegensatz zu den meisten anderen Gemeinden im Landkreis nicht gibt, müsse kommen: „Hier entgehen uns geschätzt 150.000 Euro. Ich kann mich nicht hinstellen und ein Einheimischen-Projekt durchführen, für das sich ohnehin jeder bewerben darf, und dann auf dieses Geld verzichten. Schließlich genießen die Bewohner auch alle Annehmlichkeiten der Gemeinde.“ Ein weiteres Anliegen des neuen Kandidaten sei ein Generationenhaus: „Dieses Projekt würde ich gern umsetzen, um etwas zu bewegen.“ Selbst das Rathaus solle „bewegt“ werden: „Ich würde den ganzen Komplex im Zuge des angedachten Neubaus drehen, also von der Straße abwenden. Dahinter könnte ein richtiger Kurgarten entstehen, in dem man dann wirklich gerne Zeit verbringen möchte.“

Frank Jost wäre – „selbst wenn es abgedroschen klingt“ – ein Bürgermeister für alle, sagt er, weil er niemanden im Rücken habe, der ihm irgendetwas vorgebe. Gleichwohl würde er sich, fiele die Wahl tatsächlich auf ihn, sofort intensiv in die komplexen Abläufe einer Gemeinde reinarbeiten. Er wisse viele gute Freunde auf seiner Seite, die er mit den entsprechenden Fragen „anzapfen“ könne, bis er alles verstehe. Ein Ziel sei es, verstärkt junge Leute anzusprechen, um sie zum Mitgestalten anzuregen. Sollte es am Ende nicht für das Bürgermeisteramt reichen, möchte sich Frank Jost 2020 der Wahl zum Gemeinderat stellen, um auf jeden Fall etwas für „seinen“ Ort zu bewegen.

 

Frank Jost will das Miteinander stärken - Bürgerbeteiligung ist im wichtig. (Bild: Hans-Joachim Bittner)
Frank Jost ist ein Naturmensch und will, dass alle auch ein wenig stolz auf ihre Gemeinde sind. (Bild: Hans-Joachim Bittner)