Erstellt von Dr. Bernhard Zimmer | |   Piding

Quo vadis und Cui bono?

Veränderungen in der Organisationsstruktur der BGLT und des Tourismus im Berchtesgadener Land - Wo führt die Reise hin?

 

„Auch Piding wendet sich ab“, so titelt der Bericht zu den Beschlüssen des Pidinger Gemeinderates im Reichenhaller Tagblatt zu den Veränderungen in der Organisationsstruktur der BGLT bzw. des Tourismus im Berchtesgadener Land. Selten ist sich der Gemeinderat in Piding so einig, wie in diesem Fall, aber wieso Abwendung und von was?

 

Was verändert sich gerade? Bislang hat eine Gesellschaft (BGLT GmbH) mit zwei Geschäftsführer*innen versucht zwei Marken zu entwickeln und zu vermarkten. Und in Zukunft? Zwei Gesellschaften werden mit je einer Geschäftsführer*in jeweils eine Marke weiterentwickeln und versuchen diese erfolgreich auf dem Tourismusmarkt zu etablieren. Alles, die gesamte Diskussion, dreht sich um die touristischen Marken „Berchtesgaden“ und „Bad Reichenhall“ und eine Strukturanpassung, weil man dem Umstand Rechnung tragen muss, dass der bislang gewählte Ansatz – aus organisatorischer Sicht - nicht erfolgreich war.

 

Piding hat sich entschieden: man will künftig weiterhin unter der touristisch erfolgreichen Marke „Berchtesgaden“ nach außen auftreten und wird deshalb eine Zusammenarbeit mit der TRBK, einem Zweckverband, verhandeln. Mit dem alpinistisch interessanten Pidinger Klettersteig und einem herrlichen (Rad-) Wandergebiet am Högl kann Piding einen wesentlichen Beitrag in punkto Bergerlebnis beitragen.

 

Eine „Abwendung“ von der BGLT GmbH, die, so der Wunsch der Stadt Bad Reichenhall künftig rein die Marke „Bad Reichenhall“ vermarkten wird, war also zwingend, weil Piding ja derzeit über seine Mitgliedschaft in dem Verein „Erlebnisregion Berchtesgadener Land eV“ sowohl als Gesellschafter als auch über den Betrauungsakt wirtschaftlich gebunden ist. Deshalb waren die Beschlüsse zum Widerruf des Betrauungsaktes sowie zu der Ermächtigung für den Bürgermeister im Verein die entsprechenden, jetzt notwendigen Beschlüsse fassen zu können nur mehr als logisch. Im Ergebnis setzt Piding auch weiterhin auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Sinne des touristischen Marketings und noch viel wichtiger der Gästebetreuung vor Ort. Pragmatisch und zukunftsorientiert, wie im Übrigen auch die Gemeinde Anger.

 

Ganz anders stellt sich derzeit die Situation in Teisendorf dar, die zwar Ihre Zusammenarbeit mit der BGLT GmbH offensichtlich auch beenden werden, aber bis dato keine Entscheidung über die Zukunft der touristischen Zusammenarbeit gefällt haben.

 

In Laufen sind die Würfel gefallen, da will man künftig alleine eine eigene Marke „Laufen“ aufbauen oder liebäugelt mit dem Nachbarlandkreis in Traunstein. Verwunderlich ist das nicht, denn beim Bürgermeister der Stadt Laufen löst „Berchtesgaden“ seit jeher einen hohen Puls und Blutdruck aus – offensichtlich immer noch das 1972er-Syndrom. Dort fühlt man sich traditionell benachteiligt, spricht gerne von gemeinsam und miteinander, um dann bei jeder Gelegenheit auszuscheren. Schon während des Markenkernprozesses, dem Ringen um eine gemeinsame Markenstrategie im Landkreis, war es die Initiative des Laufener Bürgermeisters sich besonders stark für die Einführung der alten Kfz-Kennzeichen einzusetzen. Schon am ersten möglichen Tag wurde an allen städtischen Fahrzeugen die verhassten „BGL-Kennzeichen“ durch das Altkennzeichen „LF“ ersetzt. Während man also über die Zukunft des touristischen Markenkerns nachdenkt, handelt man rückwärtsgerichtet und setzt man erst einmal öffentlich ein Zeichen in die Vergangenheit – Separatismus statt Kooperation. Die Stammtische waren und sind alle sehr zufrieden, übrigens auch die im Süden und der Großen Kreisstadt.

 

„Der Wurm, der Köder, muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“ lautet ein kluges Sprichwort, aber statt im Kielwasser oder Windschatten (wir sind ja nicht am Meer) einer starken Marke erfolgreich zu fahren, hat man von Beginn an die politischen Befindlichkeiten in den Vordergrund gestellt. Die Experten hatten dringend und sehr gut begründet zu einer Ein-Marken-Strategie geraten. Aber nein, die Stadt Bad Reichenhall hat auf der Marke „Bad Reichenhall“ bestanden. Der Prozess wurde verzögert und das Ziel zunehmend verwässert. Es entstand, auch hier war der Bürgermeister der Stadt Laufen besonders aktiv, die „Submarke Rupertiwinkel“ und ein schon in der Vergangenheit fragwürdig inaktiver Verein, die „Erlebnisregion Berchtesgadener Land eV“ musste Gesellschafter der GmbH werden. Man wollte mitreden, mitgestalten, man wollte endlich nicht mehr „benachteiligt“ sein. Vorstände im Verein sind die Bürgermeister von Teisendorf und der Stadt Laufen. Was hat der Verein die letzten beiden Jahre geleistet? Gute Frage, ich weiß es nicht, denn in den Protokollen der wenigen Versammlungen findet sich nichts und veröffentlicht wurde gar nichts.

 

Und die Zukunft? 

 

Anger und Piding gehen es pragmatisch an, der Tourismus spielt in den beiden Gemeinden eine wirtschaftlich untergeordnete Rolle, die Unterstützung durch einen starken Partner mit professionellen Strukturen sichert den Bestand und erschließt zukünftige Entwicklung.

 

Ainring war noch nie dabei, Teisendorf und Freilassing diskutieren noch, man darf gespannt sein.

 

Die Stadt Laufen hat sich politisch entschieden: in Zukunft alleine oder doch mit dem Chiemgau? Die Stadt Laufen ist aber auch noch Mitglied im Verein „Erlebnisregion Berchtesgadener Land eV“, den alle Bürgermeister unbedingt erhalten wollen, weil man zusammenhalten muss und man „mitanand“ besser aufgestellt ist – wer soll das noch verstehen?

 

Unsere Vermieter haben Glück, denn den Gast kümmert’s doch eher weniger. Der macht Urlaub einfach in „Berchtesgaden“, wohnt in seiner Ferienwohnung am Högl und freut sich über die abendliche Sonne und den herrlichen Blick zum Untersberg oder an diesem vorbei zum Watzmann oder den Dachstein.

 

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