Erstellt von Gisela Bechmann | |   Kreisverband

Keine Hilfe für Frauen in Not im Berchtesgadener Land

Im Berchtesgadener Land selbst gibt es keine einzige Zuflucht für Frauen in Not. „Es kann und darf nicht sein, dass eine Frau, die häuslicher Gewalt ausgesetzt ist, nach Rosenheim oder Burghausen fahren muss, um Schutz zu finden. Diese Situation ist unerträglich und unzumutbar.

„Jeden dritten Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch Partnergewalt“ sagt die Leiterin des Frauenhauses Burghausen, Silvia Maier, der Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Berchtesgadener Land, Gisela Bechmann, bei einem Informationsbesuch über die Lage der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen in Südost-Oberbayern.  Sie kommen aus allen Bevölkerungsschichten. Nahezu allen ist gemein, dass sie meist kein eigenes Konto haben und kein eigenes Geld, auch wenn sie selbst arbeiten: sie sind abhängig vom gewalttätigen Partner. Hinzu kommt oft eine jahrelange Isolierung der betroffenen Frauen durch den Täter, bevor diese dann schließlich den Mut finden mit ihren Kindern zu flüchten. Der Auslöser der Gewalt ist meist die fehlende Kontrolle der Impulse. Hintergründe für die Tat können Alkoholmissbrauch, aber auch psychische Erkrankungen oder eigene familiäre Erfahrungen aus der Kindheit sein. Selbst in den sogenannten sozial höheren Schichten ist das nicht anders. Die Dunkelziffer der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen ist hoch, da selten Strafanzeige gestellt wird. Der Grund ist, dass eine Aussage des Opfers zu den schrecklichen Erlebnissen gefordert wird, bei der alle Details genannt werden müssen, was der Täter der Frau angetan hat: dies bedeutet eine erneute Traumatisierung, denn das Opfer muss vor Gericht den genauen Verlauf, die körperlichen Spuren, wie Verbrennungen und Schläge, aber auch die psychische Gewalt, wie Demütigung und Erniedrigung nochmals beschreiben. „Wir sind der letzte Strohhalm“ sagt die Burghauserin Silvia Maier. Ein Frauenhaus bietet eine erste akute Schutzmaßnahme und die anschließende sichere Unterbringung. „Die Aufenthaltsdauer steigt seit Jahren, mittlerweile bleiben manche Frauen bis zu einem Jahr“ resümiert sie. Die durchschnittliche Verweildauer liegt in diesem Haus bei drei bis vier Monaten. Dort waren 2019 immer alle verfügbaren Plätze belegt, denn es gibt es nur fünf Plätze für Frauen und fünf für Kinder.

Auch in der Interventionsstelle in Traunstein ist die Situation dramatisch: „November und Dezember sind die schlimmsten Monate. In den meisten Fällen befinden sich die Frauen und ihre Kinder in akuter Gefahr. In 2019 waren es 60 Frauen“, so die Leiterin der Einrichtung in der Innenstadt, Sabine Weiß, beim Besuch von Gisela Bechmann in der Anlaufstelle. Die Mitarbeiterinnen der Interventionsstelle werden direkt von der Polizei informiert und setzen sich dann proaktiv mit der Frau in Verbindung.  Aber auch nach der Rettung aus der Notsituation bleibt es schwierig für die Frauen, denn eine wohnortnahe Aufnahme ist nicht möglich: In Traunstein gibt es nur eine Krisenwohnung, aber kein Frauenhaus. Das nächstgelegene Haus ist in Rosenheim, das, wie die Interventionsstelle in Traunstein, vom Sozialdienst kath. Frauen getragen wird. Dort kann acht Frauen und 16 Kindern Zuflucht geboten werden. Auch in Rosenheim stieg die Aufenthaltsdauer in den letzten Jahren auf über sechs Monate. Und doch, so die Leiterin des Frauenhauses in Rosenheim, Marita Koralewski, kann ein Frauenhaus immer nur eine vorübergehende Aufnahme bieten. Die Sicherheit der Frauen und ihrer Kinder hat aber immer oberste Priorität. Für die Frauen nach der Zeit im Frauenhaus eine eigene Wohnung zu finden, ist sehr schwierig, bedauert sie. Aber immer werden die Frauen rund um die Uhr beraten und, falls kein Platz im Frauenhaus Rosenheim-Traunstein ist, in ein anderes Frauenhaus weitervermittelt.

Im Berchtesgadener Land selbst gibt es keine einzige Zuflucht für Frauen in Not. „Es kann und darf nicht sein, dass eine Frau, die häuslicher Gewalt ausgesetzt ist, nach Rosenheim oder Burghausen fahren muss, um Schutz zu finden. Diese Situation ist unerträglich und unzumutbar. Eine erste Anlaufstelle finden die Frauen im Berchtesgadener Land zwar bei der Polizei, der Caritas, den Erziehungsberatungsstellen, den Jugendämtern oder Ärzten, aber das ist nicht ausreichend“, stellt die Kreissprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Berchtesgadener Land, Gisela Bechmann, fest. Sie fordert, die Interventionsstelle und die Beratungsangebote für von Gewalt betroffene Frauen auszubauen und ein Frauenhaus mit Schutzkonzept im Landkreis einzurichten.

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