Erstellt von Kaspar Müller |

Grüne erinnern an die Bücherverbrennung im Jahr 1933

Mit einer Lesung erinnerten die Grünen an die Bücherverbrennung im Jahre 1933 in Deutschland.

Dazu konnten sie den Schauspieler Werner Friedl aus Salzburg gewinnen.

Bei ihrer Begrüßung ging Stadträtin Edeltraud Rilling auf dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte kurz ein und bat darum, solche Ereignisse im Gedächtnis zu behalten.

Vor 85 Jahren, genau am 10.Mai 1933 fanden in vielen deutschen Universitätsstädten Bücherverbrennungen statt, veranstaltet von Studenten, Professoren, Bibliothekaren und SA-Leuten.

Die Initiative ging von der Deutschen Studentenschaft aus, in der bereits in der Weimarer Republik ein ausgesprochen reaktionärer und nationalistischer Geist herrschte. Da bedurfte es nicht viel, um die Propagandamaschine auf volle Touren zu bringen. Kaum Protest aus den Universitäten.

Traurige Berühmtheit erreichte dieses schaurige Spektakel auf dem Berliner Opernplatz, wo Propagandaminister Joseph Goebbels persönlich mit den Worten: „Und nun übergeben wir den Flammen die Werke von „ …und dann folgen die 131 Namen all jener Autoren, die den nationalistischen Machthabern als so gefährlich erschienen, dass ihre Werke öffentlich verbrannt werden mussten.

Werke von Bert Brecht, Anna Seghers, Franz Werfel, Arthur Schnitzler, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Oskar Maria Graf, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, aber auch viele Autoren, die völlig unbekannt waren, gerieten ins Visier. Durch diese „Säuberung“ entzog man den Autoren zum Teil ihre Lebensgrundlage, sie konnten ihre Werke nicht mehr veröffentlichen, wurden nicht mehr verkauft. Viele Autoren verließen das nationalistische Deutschland und gingen ins Exil, manche wählten den Freitod.

Wer hatte die Auswahl getroffen und eine Liste mit 131 Autoren mit beängstigen Eifer erstellt? Es war das Werk des Bibliothekars Wolfgang Hermann, Mitglied des Deutschvölkischen Jugendbundes, er arbeitete in der Städtischen Volksbibliothek in Breslau und beklagte sich über die „liberal und kommunistisch verseuchte“ Bibliothek. Er war Mitglied der NSDAP und erstellte diese sogenannte „schwarze Liste“ anhand derer Bücher und Manuskripte von jüdischen, marxistischen, pazifistischen Autoren aus den Bibliotheken und Büchereien entfernt wurden.

Aber nicht nur in Deutschland fanden Bücherverbrennungen statt. So wurden in unserer Nachbarstadt Salzburg 1938 auf dem Residenzplatz 1200 Bücher auf den Scheiterhaufen geworfen, organisiert vom nationalistischen Lehrerbund, unterstützt von HJ und BdM. Sogar in Thalgau gab es eine Bücherverbrennung. Sie fand am 21. Dezember 1938, dem Tag der Wintersonnenwende auf dem Schörghubbühel statt, organisiert von der SA.

Aufnahmen von der Bücherverbrennung auf dem Salzburger Residenzplatz waren auf der Leinwand auf der Bühne zu sehen, welche das Stadtarchiv Salzburg zur Verfügung gestellt hatte.

An Stellwänden präsentierte dazu Edmund Rilling Collagen zu diesem Thema.

„Aber Geist ist nicht zerstörbar. Und so können wir heute Texte lesen und kennenlernen, die man hoffte, unwiederbringlich auszulöschen“, leitete Edeltraud Rilling zur Lesung mit dem Schauspieler Werner Friedl über. Er begann mit einer Geschichte von Ephraim Kishon „Kein Weg nach Oslogrolls“.

Dann brachte er dem Publikum nachdenkliche und berührende Texte von Bertolt Brecht wie den Kanonensong aus der Dreigroschenoper, eindrucksvoll gesungen, „Das Lied von der Trommel“ , „Lasst Euch nicht verführen“, „Wer zuhause bleibt“ und noch etliche nachdenkliche Gedichte vor. Von Kurt

Tucholsky las Friedl „Schöner Herbst“, „Schall und Rauch“ und „Deutsch für Amerikaner“. Auch Oskar Maria Graf s „Verbrennt mich!“ durfte nicht fehlen.

Darauf folgten Erich Kästner, Leonhard Cohen, Anton Kuh mit dem „Anschluss“, Ernst Jandl „Heldenplatz“, Manfred Koch „Wo waren die Helden“ Friedrich Torberg „auf den Tod eines Fußballspielers“, Klaus Mann und noch viele mehr stimmten das Publikum nachdenklich. Am Ende verabschiedete sich Werner Friedl mit zwei heiteren Texten welche das zahlreich erschienene Publikum nach der doch etwas schweren Kost begeistert aufnahm.

Werner Friedl hat diesen Abend meisterhaft gestaltet, die Texte brillant rezitiert oder gekonnt gesungen. Die Zuhörer spendeten zahlreichen Applaus.

Mit der neuen Dokumentation über den Obersalzberg bedankte sich der Direktkandidat Dr. Bernhard Zimmer beim Vortragenden. Blumen gab es für Werner Friedl und Edeltraud Rilling von den Stadtratskollegen.

Mit den Wünschen für einen guten Heimweg und den Worten „Bleiben Sie wachsam“ beendete die Stadträtin den spannenden Abend.

Stadträtin Edeltraud Rilling, Schauspieler Werner Friedl, Stadtrat Willi Schneider und Direktkandidat der Grünen zur Landtagswahl Prof. Dr. Bernhard Zimmer, Foto: Michael Krieger

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