Erstellt von Kaspar Müller | |   Freilassing

Freilassing energieeffizient und klimafit

Wie kann Kommunalpolitik zur Optimierung des Energieverbrauchs und der Einsparung von Ressourcen beitragen? Ein Spaziergang mit Experten zum Thema Energie.

 

Gleich zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Bürgermeisterkandidat Markus Hiebl, den die Grünen/Bürgerliste zusammen mit dem Energiewissenschaftler und Elektroingenieur Simon Köppl eingeladen hatten, vor Ort an der Energiezentrale, was in den letzten Jahren die Stadt – großteils unter seiner eigenen Mitwirkung als verantwortlichem Leiter des Bauamtes – erreicht habe. Der Energieverbund der Schulen und Sportstätten sei zunächst nur für stadteigene Gebäude mit einem kleinen Nahwärmenetz ausgelegt. 

 

Die Energiezentrale, das Herzstück dieses Netzes, nutzt verschiedene Energieträger (u.a. Sonne/Gas/Holz), um Wärme und Strom zu erzeugen. Ein Industrie-Hackschnitzelkessel sorge zusammen mit zwei KWK-Anlagen (Anm. KWK: Kraft-Wärme-Koppelung), die mit Klärgas und Erdgas betrieben werden könnten, für die Erzeugung von Wärme. Strom werde mittels der KWK-Anlagen der Kläranlage und der Heizzentrale und den Photovoltaikanlagen auf den Dächern der eingebundenen Gebäude erzeugt. „Durch die Kopplung der Stromerzeugung und der Wärmeversorgung können regenerative Energien optimal genutzt werden und CO2-Emissionen reduziert werden. Die Nutzung von regionalen Hackschnitzeln reduziert auch den Transportbedarf für den Energieträger.“ so Simon Köppl.

 

Die „Energiewanderer“ waren sich einig: es sei wünschenswert, dass in Zukunft Entscheidungen nicht nur aufgrund der Kosteneffizienz getroffen würden, sondern dass in diese auch ökologische Ziele, wie hier das Einsparen von COmit einfließen sollten.

 

Angekommen im Zugangsbereich des Badylon fielen die E-Tankstellen ins Auge.  Der Ortsvorsitzende Kaspar Müller forderte eine auch nach Gesichtspunkten der Energieeinsparung ausgerichtete Verkehrsplanung in der Kommune. Dies betreffe nicht nur die Frage welche Energieträger genutzt würden. Vor allem sei es wichtig, hinsichtlich der Wahl des Fortbewegungsmittels Mobilität vollkommen neu zu denken: „Gerade Freilassing hat im Vergleich mit anderen Kommunen im Landkreis ein sehr großes Potential, öffentlichen Verkehr in Verbindung mit sanften und umweltfreundlichen Varianten der Mobilität wie dem Radl oder Sharing-Konzepten zu nutzen.“ Simon Köppl ergänzte, dass eine zukunftsfähige Mobilitätsplanung nicht das Auto in den Mittelpunkt stellen dürfe, sondern die Bedürfnisse der Bürger*innen: ein attraktiver ÖPNV sei dabei das Rückgrat, Rad- und Fußverkehr könnten innerstädtisch viel abdecken und für den restlichen Individualverkehr gebe es mit Elektro- und Wasserstofffahrzeugen klimafreundliche Optionen.

 

Im Wredepark führte Markus Hiebl mit Blick auf das alte Schulgebäude und Freilassinger Wahrzeichen aus, es sei wichtig alte, identitätsstiftende Gebäude zu erhalten und falls möglich die vorhandene Nutzung zu belassen. Aus seiner Sicht sei eine Verdichtung der Schulgebäude und damit ein deutlicher Zuwachs an Nutzflächen auf dem bestehenden Gelände denkbar. Eine Konzentration aller Grundschüler sei jedoch auch in Bezug auf das extreme Verkehrsaufkommen zu überdenken. Im Sinne einer „Stadt der kurzen Wege“ wäre einer Umsetzung mit einem zweiten Schulstandort der Vorzug zu geben.

 

Die Mittelschule wiederum wurde mit dem deutschlandweit ausgelobten Energiepreis 2012 als Leuchtturmprojekt für Sanierungen in der öffentlichen Hand ausgezeichnet: Das Gebäude aus den 70er-Jahren sei mit einer neuen, hochwärmegedämmten und luftdichten Hülle versehen. Die Passivhaus Standard-Schule benötige im Mittel nur 15 KWh Heizwärme/m². In Zukunft würde er jedoch auf ein alleiniges Heizsystem über die Lüftung verzichten, betonte der unabhängige Bürgermeisterkandidat.  

 

Abschließend diskutierten die Experten, was aus energetischer Sicht im Bereich Bauen, insbesondere bei der Erschließung von neuen Bauflächen das Ziel sein müsse. Aus der Sicht des Architekten Kaspar Müller sei mit dem Vorentwurf und Entwurf zum Bebauungsplan schon ein hohes Einsparpotential gegeben. Die Lage, Ausrichtung, Ausformung der Baukörper, die Abstände zwischen Bauten aber auch zwischen Bepflanzung und Baukörpern, dies alles könne, ein Potential von 30-40% Einsparung bringen. Über zusätzliche Verträge könne fallweise auch auf die Frage der energetischen Standards (Wärmedämmung) und der Beheizung Einfluss genommen werden. 

 

Hierzu ergänzte Markus Hiebl, eine Unterstützung der kommunalen Bauämter durch Vorgaben / Leitlinien auf Kreisebene, wie in anderen oberbayerischen Landkreisen durch das Klimaschutzmanagement und das staatliche Bauamt bereits seit vielen Jahren vorhanden, wäre hierbei sehr wünschenswert: „kreisweit formulierte Leitlinien und Zielvorgaben würden eine Rückenstärkung darstellen.“ 

 

Bei einem warmen Getränk in der Stadtbücherei wärmten sich die Teilnehmer auf und diskutierten die neu gewonnen Eindrücke mit den Referenten: Großes Potential für die Senkung von CO2 und Ressourceneinsparung sei gegeben, wenn man die kommunale Politik entsprechend ausrichte, waren sich alle einig.

 

Vor der neuen Energiezentrale (von links): Die Stadtratskandidat*innen der GRÜNEN/Bürgerliste, Wolfgang Hartmann, Kaspar Müller, der unabhängige Bürgermeisterkandidat Markus Hiebl, der Energieexperte und Kreistagskandidat Simon Köppl, einer der Besucher, Ferdinand von Tüllenburg (zweiter von rechts) und Stefanie Riehl

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