Erstellt von Hannes Höfer | |   Laufen

Die Grünen wollen mehr Europa

Gegen Grenzkontrollen – Frauenpower an der Salzach – Menschenkette über den Europasteg

„Mehr Europa, nicht weniger“. Katharina Schulze machte für die anstehende Europawahl am Europasteg eine klare Ansage. Die Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen sieht in einem einigen Europa den einzigen Weg, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern: Klima, Sicherheit, Terrorismus. Auch ihre Fraktionskollegin Gisela Sengl baut auf ein Europa ohne Grenzen – und ohne Grenzkontrollen. Die Grünen-Ortgruppen Salzachtal, Laufen und Oberndorf hatten gemeinsam zu diesem „grenzenlosen Europa“ eingeladen. Mit dabei auch Miriam Förg von „Fridays for Future“. Am Ende reichten sich weit über hundert Menschen von drent und herent quer über den langen Europasteg die Hände.

Heidi Reiter war Gemeinderätin, Landtagsabgeordnete in Salzburg und Bundesrätin in Wien. Sie selbst bezeichnet sich als „Polit-Pensionistin“, der es zustehe auf die Vergangenheit dieses Landstrichs zu verweisen. Eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte, der Napoleon und der Wiener Kongress mit der Grenzziehung ein Ende bereitet hatte. „Mozart hätte die Frage, ob er Deutscher oder Österreicher sei, gar nicht verstanden“, beschrieb es Reiter mit dem oft zitierten Bonmot. Der in Salzburg lebende Dichter Stefan Zweig habe seiner Autobiographie den Untertitel „Erinnerung eines Europäers“ gegeben. Auch mit dem Oberndorfer Leopold Kohr stehe man „auf großen Schultern“. Der Ökonom, Philosoph und Denker „vom richtigen Maß“ setzte auf ein geeintes Europa als Europa der Regionen. Reiter mahnte: „Ein Brexit darf nicht mehr passieren.“ Und sie warnte: „Nur mit Kooperation können wir den Großen und den Großkonzernen begegnen.“

Gisela Sengl blickte auf die ganz nahe Geschichte, auf die Gründung der EuRegio Salzburg, Traunstein und Berchtesgadener Land im Jahr 1995. „Fast eine Million Menschen wohnen hier, arbeiten, studieren, gehen in die Schulen, pendeln hin und her.“ Die Abgeordnete erinnerte an das Leitbild der EuRegio, wonach die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit einem „Abbau von Hemmnissen“ gefördert werden solle. „Das Gegenteil“ erkennt Sengl in den aktuell wieder verlängerten Grenzkontrollen, die nicht nur zeitraubend und lästig seien, sondern auch der Wirtschaft schadeten. Dabei setze sie auch auf den Druck der Bürgermeister bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr.

Die Europawahl steht bereits am 26. Mai an. Für Katharina Schulze eine „Richtungswahl“, die „rechte Netzwerke“ in ihre Richtung zu beeinflussen versuchten. Auch die Fraktionsvorsitzende ist überzeugt, dass Europa nur gemeinsam mit den „großen Playern“ mithalten könne. „Wir dürfen die Augen nicht verschließen vor internationalem Terrorismus. Für unsere Sicherheit braucht es gemeinsame Ermittlungsteams.“ Bildung, Infrastruktur, all das seien europäische Themen. Nicht zuletzt bei der „Bekämpfung der Klimakrise“ müsse man Europa stärker in die Pflicht nehmen. Eine CO2-Steuer solle ebenso zu einem „wahren Preis“ beitragen wie eine Kerosinsteuer beim Flugverkehr. Bayern müsse weg von der „unsinnigen Zehn-H-Regelung“, wonach Windräder mindestens das zehnfache ihrer Höhe von der nächsten Wohnbebauung entfernt sein müssen. Das Ergebnis des Artenschutz-Volksbegehren ist mit 18,3 Prozent für die Fraktionsvorsitzende ein „wahnsinniges Signal“, dessen Entwurf nun vom Landtag übernommen werde.

„Politik ist kein Hexenwerk“, meint Schulze, kluge Politik setze die richtigen Rahmenbedingungen. Anders die „GroKo“, die nur noch verharre. Eines war der quirligen 33-Jährigen dann noch wichtig: „Wir haben hundert Jahre Frauenwahlrecht.“ Doch dieser Weg sei noch lange nicht zu Ende, man blicke nur in die Parlamente. „Von 71 bayerischen Landräten sind gerade mal fünf weiblich.“ Schulze ist überzeugt: „Wir können die Dinge ändern.“ Begeistert zeigte sich Schulze von den protestierenden Schülern der „Fridays for Future“-Bewegung. Nicht ganz zutreffend aber war Schulzes Überleitung: „Mut geben statt Angst machen.“

Denn genau das fordert die Initiatorin Greta Thunberg. „Panik“ solle die Menschen erfassen angesichts der zu erwartenden Folgen dieser Klimakrise. Bei der 16-jährigen Schwedin bedankte sich Miriam Förg ausdrücklich. Die Ottinger Gymnasiastin ist aktiv in der regionalen Gruppe von „Fridays for Future“. Sie spielte in ihrem Poetry-Slam mit den gängigen Klischees über Salat und Feta essende, grün wählende Zeitgenossen, um dann einzuräumen: „Ich bin auch so eine, ein nicht perfekter Ökomensch.“ Der ganze „Bioquatsch“ hänge ihr inzwischen zum Hals heraus, gestand sie, denn: „Bio müsste das Normale sein.“ Für unseren Planeten gebe es keinen Neustart, warnte Förg, „die Erde hat keine Reset-Taste.“ Die Aktivistin forderte alle auf: „Das Aufgeben aufgeben, denn der Notfall ist da.“ Am Schluss dann doch das Mutmachende: „Aus vielen Wassertropfen können Wasserfälle werden.“

Und aus vielen Menschen eine Menschenkette. Deutlich über hundert kleine und große Teilnehmer reihten sich Hand in Hand vom Heiligen Rupert auf Laufener Seite über den Europasteg hinüber zum Oberndorfer Nepomuk. „Hallo Laufen, hallo Oberndorf, hallo Europa“, hatte Katharina Schulze die Gäste begrüßt. Die spendeten der Fraktionsvorsitzenden immer wieder Beifall.

Beifall gab es ebenfalls für die vier Musiker am Europasteg. Christine Rothacker, Gitti und Hagen Schiffer-Lustig sowie Kajetan Reiter hatten sich hier zusammengefunden. Gefragt nach ihrem Bandnamen, überlegten sie nur kurz, ehe Hagen antwortete: „Grenzenlose Dideltanten.“ Ihre Moritat von Mackie Messer entließ die lange ausharrenden und inzwischen frierenden Zuhörer freilich wenig aufmunternd in den Abend. Oder sollten die Zähne vom Haifisch zu polit-bissigem Engagement animieren? Dessen Zähne sieht man – im Gegensatz zu Mackies Messer.

Geballte Frauenpower am Europasteg (von links): Gisela Sengl, Miriam Förg, Katharina Schulze und Heidi Reiter.
Zusammen gewürfelt: „Die grenzenlosen Dideltanten“ mit Christine Rothacker, Korbinian Reiter, Gitti und Hagen Schiffler-Lustig.
Am Ende formiert sich eine Menschenkette von Laufen bis Oberndorf.

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