Erstellt von Hannes Höfer | |   Laufen

Das Geld ist billig, das Bauen teuer

Enorme Wohnungsnachfrage – Bündnis-Grüne informieren sich bei der Baugenossenschaft

Nach 2005 hat die Nachfrage deutlich angezogen. Allein bei der Baugenossenschaft Selbsthilfe Salzachkreis warten 180 Bewerber auf eine Drei- oder Vierzimmerwohnung, 150 suchen eine kleinere Wohnung. „Die Wartezeiten sind extrem“, bedauert Alexander Stockhammer, der seit 1996 Geschäftsführer der Genossenschaft ist. Laufens Bündnis-Grüne haben bei ihm angeklopft, um von einem erfahrenen und innovativen Praktiker zu erfahren, was „die Politik“ in Sachen Wohnungsbedarf tun könne.

Stockhammer steigt gleich mit einem Beispiel in die Gesprächsrunde ein: So hätte die Genossenschaft eine Neubauförderung bekommen – für eine Gasheizung. Nicht aber für die Versorgung durch die Kraft der Sonne. Dr. Bartl Wimmer sieht Wohnen als kommunale Pflichtaufgabe. Der Sprecher der Kreistagsfraktion und Landratskandidat der Grünen erwartet mehr Engagement von Städten und Gemeinden. Bevor Kommunen freilich eine „neue Verwaltung mit allem Drum und Dran“ installieren, wären Anteile am Wohnbauwerk des Landkreises die bessere Lösung. Wie berichtet, hat das Laufens Bürgermeister Hans Feil mit Verweis auf die heimische Baugenossenschaft bereits mehrfach abgelehnt. „Ihr macht eine Superarbeit“, lobt denn Grünen-Stadtrat Franz Eder den Geschäftsführer der Genossenschaft, „aber reicht das?“ Auslöser ist für Eder eine Stellungnahme von Landrat Georg Grabner, der den Kreisgemeinden angeboten hat, Gesellschafter des Wohnbauwerks zu werden und von staatlichen Zuschüssen in Höhe von 30 Prozent zu profitieren.

„Wir können nicht das liefern, was erforderlich ist“, gesteht Stockhammer und würdigt seinerseits das Wohnbauwerk als „sehr gutes Unternehmen.“ Wenn das zusätzliche Angebote schaffen würde, spreche aus seiner Sicht nichts gegen dessen Engagement in Laufen. „Wie kann die Kommune helfen?“, fragt Michael Spitzauer als Bürgermeisterkandidat der Laufener Grünen. „Uns beim Bebauungsplan unterstützen“, erwidert Stockhammer spontan. Wie mehrfach berichtet, plant die Genossenschaft ein neues Projekt auf dem Gelände des ehemaligen Feuerwehrhauses. Vorstandsmitglied Richard Puffer benennt hierbei gleich eine Bremse für den Wohnungsbau: „Es braucht 1,5 Parkplätze pro Wohnung.“ Die anfänglich geplanten 70 Wohnungen scheiterten an dieser Auflage. Dabei könnte eine Stadt das selbst festlegen; so liege die Maßgabe etwa in Burghausen bei lediglich 0,8 Stellplätzen je Wohnung. Für Bartl Wimmer ist ein Schlüssel von 1,5 nicht mehr zeitgemäß, denn die Mobilität würde sich künftig stark verändern. „Damit verhindert man wichtigen Wohnungsbau“, beklagt der Landratskandidat.

Aus seiner Sicht ist ein Hausbau im südlichen Landkreis für Einheimische nicht mehr bezahlbar. Der Bischofswiesener Gemeinderat habe sich deshalb auf Antrag der Grünen einstimmig dafür ausgesprochen, Baurecht nur zu schaffen, „wenn die Gemeinde den Fuß drin hat.“ Ein solches Vorgehen empfiehlt Wimmer jeder Gemeinde. Die Kosten sind auch für die Genossenschaft ein Faktor. „Die Anforderungen etwa beim Brandschutz werden höher“, weiß Stockhammer, „das Geld ist zwar derzeit billig, aber das Bauen teuer.“

Dennoch sind die Mietpreise der Genossenschaft unschlagbar günstig. Im Schnitt liegt die Kaltmiete bei 4,50 Euro pro Quadratmeter. Bei den innovativen Sonnenhäusern fallen kaum Nebenkosten an. In der Watzmannstraße bei den zwölf 100-Quadratmeter-Wohnungen beträgt die Miete 5,50 Euro, in der Lebenauer Straße 6,40 Euro je Quadratmeter. „Unser Eigenkapital ist unser Spielraum“, erklärt der Geschäftsführer. Was Grenzen setzt. So kann nicht zeitgleich mit Laufen ein Projekt in Tittmoning umgesetzt werden.

Für Franz Eder steht außer Frage, dass das System Einfamilienhaus mit seinem enormen Flächenverbrauch nicht weiterlaufen kann. Michael Spitzauer überlegt mit Verweis auf die 37 Bauparzellen am Leobendorfer Dammhausacker, ob nicht auch im Dorf andere Wohnbauformen anzustreben seien.  

„Wohnen und arbeiten gemeinsam“, empfiehlt Wimmer mit einem Beispiel aus seinem eigenen Umfeld, denn das sei bislang nicht vorgesehen und auch damit ließe sich der Flächenverbrauch verringern. Der Landratskandidat warnt vor dem „enormen sozialen Sprengstoff“ beim Thema Wohnungsnot. Alexander Stockhammer und seine Mitarbeiter erfahren das beinahe täglich. „Wir haben so viele Menschen mit geringem Einkommen. Ein Großteil der Rentner kommt mit einem Bescheid zur Grundsicherung zu uns.“ Daneben fördere der „moderne Sklavenhandel“ – so nennt Stockhammer Leiharbeit – die Altersarmut.

Von einer Förderung aus dem Wohnungspakt Bayern profitieren laut Stockhammer und Wimmer weder die Genossenschaft noch das Wohnbauwerk. Stockhammer würdigt jedoch die Förderung durch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) als gute Lösung. Als schlechtesten Partner bei Kostenfragen benennt Stockhammer offen das Jobcenter. Auch Bartl Wimmer kennt Fälle, wo eine Heizkostenhilfe über lange Zeit nicht genehmigt worden war. „Die Menschen sitzen wochenlang in ihrer kalten Wohnung. Da braucht man sich über das Gerede ‚Ausländer kriegen alles‘ nicht wundern.“  

Bürgermeisterkandidat Michael Spitzauer erinnert abschließend an die Bayerische Verfassung und ihren Artikel 106, worin es heißt: „Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung“. Und weiter: „Die Förderung des Baues billiger Volkswohnungen ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden.“


Zwei Sonnenhäuser und 415 Wohnungen

Im Jahr 2022 feiert die Baugenossenschaft Selbsthilfe Salzachkreis ihr 75-jähriges Bestehen. Entstanden ist sie aus der Wohnungsnot der Nachkriegszeit, denn Vertriebene und Flüchtlinge brauchten dringend ein Dach über dem Kopf. Heute betreibt sie 415 Wohnungen in 69 Gebäuden; in Laufen, Teisendorf, Waging, Kirschanschöring und Tittmoning. 30 davon sind noch nicht modernisiert. 157 sind zentral mit Öl beheizt, fünf mit Gas. 223 erhalten ihre Wärme durch Hackschnitzel, Pellets und Solaranlagen. Zwischen 30 und 50 Wohnungswechsel sind alljährlich abzuwickeln. Die Mietpreise sind im Vergleich gerade zu den in jüngster Zeit entstandenen Wohnungen in Laufen äußerst günstig, die Anmeldungen und Wartezeiten entsprechend. So mancher meldet schon seine Kinder als Wohnungsinteressenten an. Laut Vorstandsmitglied Hannes Peschl bewerben sich zunehmend Österreicher um solch günstigen Wohnraum. Die Genossenschaft ersetzt sukzessive ihre alten Gebäude. So entstand nach dem Neubau an der Watzmannstraße an der Lebenauer Straße das zweite „Sonnenhaus“ als Ersatzbau. Hier wird Wasser mit Hilfe der Sonne und großflächigen Solarpaneelen erwärmt und in riesigen Tanks im Hausinneren gespeichert. Antreiber dieser innovativen Projekte ist Alexander Stockhammer. Er ist seit 1996 Geschäftsführers und hat die Genossenschaft wieder in sicheres Fahrwasser geführt, nachdem sie Ende der 1980er Jahre pleite gewesen war. 

 

In der Sonne vor dem zweiten Sonnenhaus (von links): Stadtrat Franz Eder, Vorstandsmitglied Hannes Peschl, Geschäftsführer Alexander Stockhammer, Bürgermeisterkandidat Michael Spitzauer und Landratskandidat Dr. Bartl Wimmer. Am linken Bildrand ist noch eines der älteren Genossenschaftshäusern zu sehen. Foto: Hannes Höfer
Die zwei Speichertanks im Gebäudeinneren werden auf die Bodenplatte gestellt, das Haus dann drumherum gebaut. Foto: Archiv Höfer

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