Klimaschutz durch Energiewende: Kommunen müssen Vorreiterrolle übernehmen

„Jeder spricht heute von Klimawandel und Klimaschutz, aber nur wenige Menschen tun wirklich etwas Konkretes.“ Mit dieser Aussage startete Prof. Dr. Bernhard Zimmer, der Fachbereichsleiter für Holztechnologie & Ökologie an der Fachhochschule Salzburg ist, seinen Vortrag zu Klimaschutz und Energiewende. Er erläuterte zunächst den Unterschied zwischen dem natürlichen und dem anthropogenen, dem vom Mensch verursachten, Treibhauseffekt.

Wissenschaftlich unbestritten ist inzwischen, dass sich das Klima verändert, diskutiert wird eigentlich nur noch über das Ausmaß der Veränderungen. Vor allem die mittleren Temperaturen und die Niederschlagsmengen werden sich auch im Berchtesgadener Land verändern. Die Zahlen klingen für den Laien zunächst eher gering, aber das ist genau das Gefährliche an der Betrachtung der Mittelwerte, erläuterte Zimmer. Die Verteilung der Niederschläge über das Jahr, also innerhalb der Vegetationsperiode ist beispielsweise entscheidend für die Pflanzen und ist damit auch entscheidend für die Land- und die Forstwirtschaft.

Extremereignisse, wie besonders trockene und heiße Sommer (2003) oder besonders starke Stürme und Orkane (2007 Kyrill) sind die eigentlichen Gefährdungen und die Häufigkeit der Extremereignisse nimmt dramatisch zu. Die Folgen für die Forst- aber auch die Landwirtschaft sind derzeit kaum abzuschätzen. Sicher ist beispielsweise, dass unsere Hauptbaumart, die Fichte, in Bayern die größten Probleme bekommen wird. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Baumart, wäre allein das schon Grund genug zum Handeln.

Was ist zu tun? Maßgeblich beteiligt am Treibhauseffekt ist die Nutzung von fossilen Energieträgern und diese setzen wir nicht nur im Verkehrsbereich, sondern auch in großer Menge zum Heizen unserer Häuser und zur Aufbereitung von Warmwasser ein. Wir setzen sie auch ein zur Stromgewinnung und damit mittelbar auch zum Betrieb unserer vielen elektrischen und elektronischen Geräte. Genau an diesem Punkt kann aber jeder Einzelne ansetzen und durch Einsparung nicht nur die Umwelt sondern auch seinen Geldbeutel schonen. Wärmedämmung in den Gebäuden ist das Gebot der Stunde und wird derzeit gefördert wie noch nie. Auch im Bereich der Energieerzeugung müssen alle Register gezogen werden. Die Kraft der Sonne gilt es ebenso konsequent zu nutzen wie alle Möglichkeiten der Holz und Biomassenutzung. Aber „die Ökobilanz muss stimmen“ so fordert Zimmer, denn derzeit werden unter dem Deckmantel des Klimaschutzes Dinge propagiert, die ökologisch keinen Sinn machen. Wer ganz im Sinne von Rio de Janeiro „global denkt und lokal handelt“, der darf kein Palmöl oder ähnliches einsetzen, der kann auch nicht plötzlich die Atomkraft fordern, weil diese angeblich keine CO2-Emissionen hätte.

Der Landkreis hat längst den Beschluss gefasst bis zum Jahr 2030 in der Energieversorgung unabhängig von fossilen Energieträgern zu sein.

Aber wann beginnen wir zu handeln?

Die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises sind da weiter, die Kommunen hinken deutlich hinterher. Es fehlen umfassende Energiekonzepte, es fehlen häufig Maßnahmen zur Energieeinsparung in den kommunalen Gebäuden, es fehlt meist eine Vision in den Kommunen, dass wir gezwungenermaßen auch die Chance haben uns ein Stück weit unabhängig zu machen, regionale Wertschöpfungsketten zu aktivieren und mehr kommunale Autonomie zu erlangen.