05.12.2008, 10:32 Uhr

Leuchtturm oder alter Hut?

Der geplante Containerterminal bei Hörafing in der Marktgemeinde Teisendorf sorgt weiter für Diskussionsstoff. Vertreter der Interessensgemeinschaft gegen ein Containerterminal in Hörafing, des Bund Naturschutz in Teisendorf und der Teisendorfer Grünen trafen sich am vergangenen Sonntag in Ufering zu einem Meinungsaustausch über das Thema. Klaus Richter, Sprecher der Interessensgemeinschaft, verdeutlichte in seinem Eingangsreferat noch einmal die grundsätzliche Bedeutung des Themas. Es gehe nicht allein um die Ansiedlung eines Containerterminals.

Mit der Ansiedlung des Terminals wäre eine  komplette Veränderung der Gemeindestruktur verbunden. Die Befürworter eines Containerterminals wollten im Umfeld des Terminals weitere Industriebetriebe ansiedeln. Und diese Industrieansiedlungen zögen weitere Projekte, zum Beispiel zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur eine weitere Autobahnausfahrt in Freidling und deren Anbindung an die B 304, nach sich. Die Folgen für Natur und Umwelt, das Landschaftsbild, die Lebensqualität und viele andere Lebensbereiche wären gewaltig. Richter monierte, dass es zu all diesen Auswirkungen keine konkreten Aussagen gäbe. Zum Terminal selber rechnete Richter vor, dass für einen wirtschaftlichen Betrieb rund 100.000 Container pro Jahr nötig wären. Das bedeute zwischen 150.000 und 170.000 LKW-Fahrten pro Jahr oder täglich rund 700 LKW-Fahrten. Richter wies auf die Lärmbelästigungen für die Anwohner durch das Aufnehmen und Absetzen der Container, sowie durch das An- und Abfahren der LKW´s hin. Dazu komme ein optische Belastung durch die „Containerberge“, weil nicht jeder ankommende Container sofort abgeholt und zugestellt werden könne. In der Nacht werde der Terminal voll ausgeleuchtet, sodass dieser weithin sichtbar sei. Eine Gefahrenquelle wären sicher auch Gefahrguttransporte. Unterm Strich werde der Containerterminal zu einer enormen Verkehrssteigerung im Gemeindegebiet und in den Nachbargemeinden führen. Vor allem Oberteisendorf, aber auch Straß und Adelstetten würden darunter zu leiden haben. Für völlig untragbar hält es Richter, dass die Verantwortlichen sich nach wie vor weigern, den oder die Investoren für den geplanten Containerterminal zu nennen. Dieses Vorgehen nähre den Verdacht, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehe. Für weit überzogen hält Richter die Hoffnungen auf die Zahl neuer Arbeitsplätze, die mit der Ansiedlung des Containerterminal in Verbindung gebracht werden. Ein Terminal mit einem Jahresumschlag von 100.000 Containern benötige 15 Arbeitskräfte. Ob angesichts der derzeitigen Krise sich weitere Industrie ansiedeln ließe, stehe völlig in den Sternen. Nach Ansicht Richters ist der Ansatz, über Großprojekte Wirtschaftsförderung zu betreiben, der falsche Ansatz. Die Marktgemeinde habe selber mit dem Gesundheitshaus vorgemacht, wie es anders gehe. Dort wären, bei einem wesentlich kleineren Flächenverbrauch und ohne nennenswerte Belästigungen für die Anwohner, immerhin 16 Arbeitsplätze entstanden. Deshalb sollte sich die Marktgemeinde weiter um die Ansiedlung von Klein- und Mittelbetrieben bemühen. Das sei die für Teisendorf passende Art der Wirtschaftsförderung. Robert Strauß vom Bund Naturschutz hieb in die gleiche Kerbe. Auch er sieht mit dem geplanten Containerterminal die Grundstruktur der Marktgemeinde „auf den Kopf gestellt“. Natur und Umwelt wären das wichtigste Kapital der Marktgemeinde. Dieses würde durch die Art von Entwicklung, die hinter dem Konzept Containerterminal und Industrieansiedlung stehe, zerstört. Teisendorf sei geprägt von der Landwirtschaft und kleinen Betrieben aus Handel, Handwerk und Gewerbe. Mit dem Containerterminal gehe ein enormer Landverbrauch einher. Dazu kämen enorme Belastungen durch den Verkehr. Weitere Straßenbaumaßnahmen wären unvermeidlich. Sicherlich mache ein Verlagern des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene Sinn. Man solle aber einen Containerterminal dort ansiedeln, wo der Güterverkehr entstehe. Er wüsste nicht, dass ein nennenswerter Anteil der für den Containerterminal geplanten Containermengen in Teisendorf entstehe. Auch Strauß bemängelte die intransparente Informationspolitik seitens der Containerbefürworter. Seinem Demokratieverständnis entspreche es nicht, wenn wichtige Fragen, wie etwa die Identität eines vermeintlichen Investors, geheimgehalten würden. Marktgemeinderat Edwin Hertlein hielt den Containerterminalbefürwortern in weiten Teilen eine unredliche Argumentation vor. So sei es wenig überzeugend, wenn ausgerechnet diejenigen, welche in der Vergangenheit eine positive Entwicklung im Landkreis zum Teil jahrelang blockiert hätten, nun den Gegnern des Containerterminals vorhielten, sie wären die Verhinderer einer positiven Entwicklung im Landkreis. Hertlein erinnerte als Beispiel an die Entwicklung der Kreiskliniken. Die Grünen hätten bereits seit Anfang der 90er Jahre eine Kooperation und Spezialisierung der Kreiskliniken gefordert. Entsprechende Anträge wären im Kreistag aber abgelehnt worden. Ein weiteres Beispiel sei der Tourismusmagnet der letzten Jahre, die Dokumentationsstelle am Obersalzberg. Von den Grünen vehement gefordert habe beispielsweise Landrat Grabner dieses Projekt noch in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter als „Wahnsinn“ bezeichnet. Ein drittes Beispiel sei die Gründung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG), deren Wirken Hertlein, trotz Kritik in einzelnen Punkten, im Großen und Ganzen als sehr hilfreich bezeichnete. Der damalige Landrat Martin Seidl habe die Umsetzung eines einstimmigen Kreistagsbeschlusses zur Einrichtung der WFG zwei Jahre lang ausgesessen. Und die CSU-Mehrheitsfraktion im Kreistag habe tatenlos zugesehen. Es sei schon bemerkenswert, wenn diejenigen, die für die derzeitige Situation im Bereich der Wirtschaftskraft des Landkreises verantwortlich sind, nun ihre Verantwortung auf andere abwälzten. Auch Hertlein übte vehemente Kritik an der Geheimhaltungspolitik in Sachen Investor. Es sei in seiner bisher nun fast 13-jährigen Amtszeit als Marktgemeinderat noch kein einziges Mal vorgekommen, dass nicht wenigstens im Marktgemeinderat ein möglicher Investor für eine Gewerbeansiedlung bekannt gewesen wäre. Dass der Bürgermeister sich weigere, in Sachen Containerterminal Roß und Reiter zu nennen, sei also ein einmalige Vorgang und keineswegs normal. Wer nichts zu verbergen habe, brauche das Licht der Öffentlichkeit nicht zu scheuen. Für Hertlein ist der geplante Containerterminal auch kein „Leuchtturmprojekt“, sondern ein alter Hut. Die Technologie des Containers sei schon vor vielen Jahrzehnten entwickelt worden. „Leuchtturmprojekte“ wären für ihn Projekte im Bereich des Klimaschutzes oder der Datenverarbeitung. Gerade beim „schnellen Datennetz“ sei der Landkreis aber regelrecht „Diaspora“. Dass die Verantwortlichen bei diesem Thema die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt hätten, habe sich vor zwei Jahren bei der Debatte um das Wirtschaftsleitbild des Landkreises gezeigt. Der Begriff der „Datenautobahn“ sei erst auf Anregung der Grünen in das Leitbild gekommen. Auch heute noch gebe es in diesem Bereich viel zu tun.  Große Teile der Marktgemeinde wären komplett von der „Datenautobahn“ abgeschnitten.         Viel dringlicher als ein weiterer Autobahnanschluß in der Marktgemeinde sei ein möglichst flächendeckender Anschluß an die „Datenautobahn“. Abschließend bedankte sich Hertlein bei den zahlreichen Gästen für deren Kommen und wünschte sich von den Bürgerinnen und Bürgern aus Hörafing und Umgebung weiteres Engagement in Sachen Containerterminal.                           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kategorie: Kreisverband, Teisendorf