26.05.2008, 07:30 Uhr

Grüne wollen Energiewende forcieren

Nach Ansicht der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen muss die Energiewende im Landkreis Berchtesgadener Land in den kommenden Jahren mit mehr Nachdruck betrieben werden als das in der Vergangenheit der Fall war. Wie Grünen-Kreistagsfraktionssprecher Dr. Bartl Wimmer auf der letzten Sitzung der Grünen-Kreistagsfraktion ausführte, zeigen die jüngsten Entwicklungen an den Ölmärkten, dass die Energiewende nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen dringend geboten sei.

Die fossilen Energieträger, vor allem Öl und Gas, wären endlich und würden auf absehbare Zeit der Menschheit nicht mehr zur Verfügung stehen. Was die Grünen seit Jahren vorausgesagt hätten, nämlich dass die Förderung von Öl schon bald ein Maximum erreicht haben werde, sähen jetzt auch den Grünen nicht unbedingt nahestehende Fachleute ähnlich. Da andererseits vor allem die Schwellenländer China und Indien die Nachfrage nach Öl in die Höhe trieben, lasse sich leicht abschätzen, dass die derzeitigen Rekordpreise auf den Ölmärkten noch längst nicht das Ende der Fahnenstange bedeuteten. In China und Indien betrage der Ölverbrauch pro Kopf der Bevölkerung derzeit gerade einmal ein Zehntel dessen was in den USA verbraucht werde. Öl werde also auch in den kommenden Jahren teuerer. Deshalb sei eine entschlossene Energiewende unabdingbar. Wimmer räumte ein, dass der Kreistag zwar im Jahr 2001 den Beschluss gefasst habe, bis zum Jahr 2030 eine Energieversorgung ausschließlich auf Basis regenerativer Energien anzustreben. In der Umsetzung dieses Zieles sehe er aber wenig Entschlossenheit. So planten die Befürworter eines Schwimmbadanbaus an der Rupertustherme in Bad Reichenhall eine Energieversorgung auf Basis einer gasbetriebenen Wärmepumpe. Da der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt sei, könne schon jetzt eine exorbitante Steigerung bei den Energiekosten für das Projekt ausgegangen werden. Außerdem sei Gas bekanntermaßen keine nachwachsende Energieform. Auch beim Thema Energiesparen vermisst Wimmer entschlossenes Handeln. Noch immer lägen keine Vorschläge auf dem Tisch, wie die Gebäude des Landkreises energetisch saniert werden könnten. Die Energiewende könne nur geschafft werden, wenn im Landkreis konsequent auf den Dreiklang Energiesparen, effizienter Nutzung von Energie und Ausbau der Erneuerbaren Energien gesetzt werde, so Wimmer abschließend.

Neben dem Thema Energie und Klimaschutz befasste sich die Grünen-Kreistagsfraktion auch mit dem Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft. Die stellvertretende Grünen-Kreistagsfraktionsvorsitzende Elisabeth Hagenauer begrüßte es, dass nunmehr von den Bauern selber die Initiative ergriffen worden sei, eine gentechnikfreie Anbauzone zu schaffen. Leider habe ja vor vier Jahren eine Mehrheit im Kreistag einen Antrag der Grünen abgelehnt, dass diese Initiative vom Landkreis ausgehen solle. Weiter äußerte sich Hagenauer positiv zur Initiative des CSU-Landtagsabgeordneten Anton Kern, der rechtliche Möglichkeiten zur Durchsetzung einer gentechnikfreien Landwirtschaft im Berchtesgadener Land prüfen lassen will. Diese Kehrtwende in der Haltung des Bauernverbandsbezirksobmannes sei überfällig. Die Frage sei allerdings, ob diese Initiative wirklich neuen Einsichten zum Thema oder doch eher dem nahenden Landtagswahlkampf im September geschuldet sei. Überzeugender wäre der Sinneswandel Kerns freilich, wenn dieser sich auch für ein Ende der Gentechnikfreiflächenversuche auf den Äckern und Feldern des Freistaates einsetzen würde. In Deutschland würden solche Versuche nur noch von den Landesregierungen Bayerns und Sachsens betrieben.

Von: eh
Kategorie: Kreisverband