03.10.2010, 14:42 Uhr

Kreis-Grüne mobilisieren gegen Atomkraft

Der Kreisverband Berchtesgadener Land von Bündnis 90 /Die Grünen beteiligt sich an der Anti-Atom-Demo am 9. Oktober in München. Wie Grünen-Kreisvorsitzender Franz Eder auf der letzten Kreisvorstandssitzung erläuterte, wird der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam mit dem Zug, Abfahrt 10:24 Uhr ab Freilassing, nach München fahren.

Selbstverständlich sei jede engagierte Bürgerin und jeder engagierte Bürger herzlich zur Mitfahrt eingeladen. Weitere Infos gebe es auf der Homepage der Grünen unter www.gruene-bgl.de. Hauptziel der Anti-Atomdemonstration in München ist es, gegen die von der schwarz-gelben Bundesregierung geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke mobil zu machen. Für Eder ist die geplante Laufzeitverlängerung ein „Anschlag auf die Bürgerinnen und Bürger im Land“. Die Atomenergie sei teuer und schädlich. Weltweit gebe es bis heute kein sicheres Endlager für den „strahlenden Müll“. Das „Testlager Asse“ habe gerade einmal 20 Jahre gehalten. Der Atommüll strahle aber bis zu einer Million Jahre. So lange müsste dann ein Atommüllendlager auch sicher sein. Diese Fakten belegten das „Märchen“ vom billigen Atomstrom. In den Kosten der Atomstromproduktion wären nämlich die Kosten für Endlagerung des Atommülls gar nicht enthalten. Schließlich könne niemand heute wissen, welche Kosten in einigen zehntausend Jahren entstünden. Mit insgesamt 164 Milliarden Euro sei die Atomkraft bis heute vom Steuerzahler subventioniert worden. Außerdem gebe es weltweit keine Versicherung, die gegen Atomunfälle versichern würde. Zu gigantisch wären die möglichen Schäden eines Atomunfalls. Müssten ein Atomkraftwerk voll gegen einen möglichen Unfall versichert werden, stiegen die Kosten für eine Kilowattstunde Atomstrom auf einen Euro. Ökostrom kostet im Vergleich dazu im Schnitt 20 Cent. Aber auch die gesundheitlichen Schäden der Atomenergie „im Normalbetrieb“ würden immer wieder heruntergespielt. So steige das Krebsrisiko von Kindern, die in der Nähe eines Atomkraftwerkes leben würden, um 60 Prozent. Immer noch wütend werde er, so Eder weiter, wenn er an die Folgen des Reaktorunfalles in Tschernobyl denke. Es sei auffällig, dass gerade im Berchtesgadener Land in den vergangenen Jahren die Zahl der Krebstodesfälle sehr hoch sei. Das Berchtesgadener Land sei die Region in Deutschland gewesen, die am meisten vom radioaktiven Fallout von Tschernobyl abbekommen habe. Gerade erst habe der damalige Umweltminister Friedrich Zimmermann zugegeben, dass er in Bezug auf Tschernobyl von der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung unter Druck gesetzt worden sei. „Nach Tschernobyl haben Kohl und Schäuble täglich bei mir angerufen und verlangt: herunterspielen und Gemüse essen“, habe Zimmermann in diesem Jahr in einem Interview im Bayerischen Rundfunk erklärt. Der stellvertretende Kreisvorsitzende Prof. Dr. Bernhard Zimmer wies darauf hin, dass eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke den Umstieg auf Erneuerbare Energien behindern werde. Das von der Bundesregierung favorisierte Energiekonzept sei eine „Kriegserklärung“ gegen die Hersteller und Betreiber von Anlagen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Lediglich Offshore-Windparks spielten in diesem Konzept einer Rolle. Das habe wohl den Hintergrund, dass solche Anlagen nur von finanzkräftigen Großkonzernen betrieben werden könnten. Hintergrund dieses „Generalangriffes“ sei ein exorbitantes Strom-Überangebot, das durch die geplante Laufzeitverlängerung zu erwarten sei. Die Erneuerbaren Energien sollten nach dem Wunsch der schwarz-gelben Bundesregierung nicht mehr wachsen, damit die großen Energiekonzerne weiterhin ihren überflüssigen Atom- und Kohlestrom absetzen könnten. Das sei keine rationale und ideologiefreie Energiepolitik, sondern reinste Klientelpolitk.

Kategorie: Kreisverband, Berchtesgadener Tal, Energie, Nachhaltigkeit