18.04.2015, 07:31 Uhr

Grüne schlagen mehr Vielfalt im Angebot vor

Nach Ansicht von Bündnis 90/Die Grünen sollte die heimische Landwirtschaft vor allem durch mehr Vielfalt im Angebot den Herausforderungen der Zukunft begegnen.

Nach Ansicht von Bündnis 90/Die Grünen sollte die heimische Landwirtschaft vor allem durch mehr Vielfalt im Angebot den Herausforderungen der Zukunft begegnen. Das riet jedenfalls auf einer Kreisversammlung zum Thema Zukunft der Landwirtschaft in der Region Grünen-Kreisvorsitzender Dr. Bernhard Zimmer. Durch eine zu starke Verengung der Produktvielfalt gerieten die Bauern leicht in Abhängigkeit. Wenn dann bei einem einzelnen Produkt ein dramatischer kurzfristiger Preisverfall einsetze, kämen die auf dieses Produkt setzenden Bauern in eine wirtschaftliche Schieflage. Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl unterstützte die Position Zimmers. Die Biobäuerin verwies auf das Beispiel der Kartoffel. Während noch vor rund 40 Jahren in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land auf einer Fläche von rund 3.000 Hektar Kartoffeln angebaut worden wären, sei die Anbaufläche auf inzwischen nur mehr 30 Hektar zurückgegangen. „An der Kartoffel wird richtig Geld verdient“, so Sengl. Die Nachfrage nach Kartoffeln in der Region sei um ein Vielfaches höher als die Produktion. Aber auch Chancen durch die vielfältige Nutzung von Streuobstwiesen würden zum Teil nicht genutzt. Das Obst lasse sich zum Beispiel als regionales biologisches Streuobst vermarkten. Auch hier lasse sich gutes Geld verdienen. Aber auch zu Saft oder zu Marmelade könnten die Früchte verarbeitet werden. Auch im Bereich von Urlaub auf dem Bauernhof sehe sie noch viel Potential in der Region. Sie wolle die bäuerliche Struktur der heimischen Landwirtschaft erhalten. Eine Entwicklung hin zu einer „amerikanischen“ Landwirtschaft, bei der nur noch betriebswirtschaftliche Kriterien zählten, sei aus ihrer Sicht für die Region falsch. Gerade angesichts des Wegfalls der Milchquote halte sie eine Orientierung am Weltmarkt für verkehrt. Man müsse sich vielmehr von diesem abkoppeln und mit guter Qualität die heimischen Verbraucher überzeugen. Sie wolle keineswegs alle Bauern zu Biobauern „bekehren“. Allerdings gebe es in einigen Bereichen große Marktchancen für Bioprodukte. So liege der Selbstversorgungsgrad bei Biomilch in Bayern zur Zeit erst bei 68 Prozent, bei konventioneller Milch dagegen bei 178 Prozent. Mit den Betriebsgrößen in anderen Bundesländern könne die bayerische Landwirtschaft aber nie und nimmer mithalten. Deshalb sei ein sich besinnen auf die Stärken der bayerischen Betriebe ein viel sinnvollerer Weg, als der Versuch, mit den Großbetrieben im Rest Deutschlands mithalten zu wollen. Auch eine kürzlich veröffentlichte Studie von McKinsey komme zu dem Ergebnis, dass die Chancen der bayerischen Landwirtschaft in einer ökologischeren und kleinräumigen qualitativ hochwertigen Produktion für heimische regionale Märkte liege. Georg Planthaler, Landesvorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Bayern, der für die kurzfristig verhinderte AbL Bundesvorsitzende Gertraud Gafuß einsprang, setzte sich für eine Umstellung der Direktzahlungen in der Landwirtschaft ein. Das derzeitige System mit dem Hauptkriterium Fläche bevorzuge die Großbetriebe. Stattdessen müsse die Förderung auf den Faktor Arbeit umgestellt werden. Derzeit bekomme ein Betrieb mit 1000 Hektar Fläche eine Förderung von 300.000 Euro jährlich. Ein Betrieb mit 50 bis 60 Hektar bekomme aber nur 15.000 Euro Förderung. Und das, obwohl beide Betrieb mit 2 bis 3 Arbeitskräften betrieben werden könnten. Planthaler rechnete vor, dass Biobetriebe in aller Regel wesentlich bessere Umsatzrenditen erwirtschafteten als konventionelle Betriebe. Nach den amtlichen Buchführungsauswertungen liege die Umsatzrendite bei Biobetrieben bei 40 bis 45 Prozent, bei konventionellen Betrieben dagegen nur bei 20 Prozent. Planthaler forderte, wesentlich mehr Forschungsgelder in den Ökolandbau zu stecken. Der Löwenanteil der landwirtschaftlichen Forschungsgelder fließe immer noch in den Bereich Gentechnik in der Landwirtschaft. Auch die Ausbildung und Beratung im Bereich Ökolandbau müsse verbessert werden. Grünen-Kreisrat Albert Aschauer beleuchtete angesichts des Falls der Milchquote die Situation der Milchbauern. Er befürchte durch den Wegfall der Quote für den Zeitraum Juni bis August einen Preisverfall. Nach einer vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Auftrag gegebenen Studie müssten in Bayern und Baden-Württemberg 46,76 Cent pro Liter Milch netto erlöst werden, um die Produktionskosten zu decken. Der BDM habe seit Jahren auf die möglichen Auswirkungen des Wegfalls der Quote hingewiesen und Alternativvorschläge vorgelegt. Bislang leider vergeblich. Der Grünen-Kreisverband wird sich in diesem Jahr auch weiterhin schwerpunktmäßig mit verschiedenen Aspekten rund um das Thema Landwirtschaft beschäftigen. Am 21. Mai ist eine Veranstaltung über Landwirtschaft und Trinkwasserschutz vorgesehen. Im Oktober gibt es eine weitere Veranstaltung über die Zusammenhänge zwischen der Zunahme an Antibiotikaresistenzen und dem massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung.

Von: Edwin Hertlein