08.12.2010, 09:16 Uhr

Grüne setzen auf Verbraucher: Atomausstieg durch Stromanbieterwechsel

Die Grünen im Berchtesgadener Land setzen in Sachen Ausstieg aus der Atomenergie derzeit vor allem auf die Stromverbraucher. Wie Kreisvorsitzender Franz Eder auf der letzten Grünen-Kreisversammlung erläuterte, könnten die Stromverbraucher die von der schwarz-gelben Bundesregierung gegen die Mehrheit der Bevölkerung durchgesetzte Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke unterlaufen. Dazu müssten sie nur von einem Stromanbieter, der auf Atomstrom setze, zu einem Anbieter mit einem möglichst hohen Anteil an regenerativen Energien wechseln.

Dieser Wechselvorgang sei heutzutage sehr einfach zu bewerkstelligen. Eder berichtete der Versammlung von einer gemeinsamen Stadtratssitzung der Nachbarstädte Laufen und Oberndorf. Bei dieser Sitzung hätten sogar ÖVP-Mandatare aus Oberndorf ihr Unverständnis darüber geäussert, dass in Deutschland die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert werde. In Österreich verstehe das niemand. Auch er könne angesichts dieser rückwärtsgewandten Politik der Bundesregierung nur den Kopf schütteln. Angesichts der weiter ungelösten Atommüllfrage sei es unverantwortlich, durch die Laufzeitverlängerung über den bisher vereinbarten Atomkonsens hinaus weiteren Atommüll zu produzieren. Eder erinnerte an den Atommüllskandal im Salzstock Asse in Niedersachsen. Das dort eingelagerte Material müsse wieder heruasgeholt werden, weil der Salzstock „absaufe“. Das werde den Steuerzahler etliche Milliarden Euro kosten. Ob Gorleben je seine Eignung „unter Beweis stellen könne“, sei mehr als zweifelhaft. Neben der ungelösten Endlagerfrage sei aber auch das Risiko eines Atomunfalls ein Argument gegen eine Laufzeitverlängerung und für ein möglichst rasches Abschalten der Atomkraftwerke. Es sei doch bemerkenswert, dass kein Versicherungskonzern der Welt bereit sei, die Risiken eines atomaren Unfalls in einem Atomkraftwerk zu versichern. Letztlich träfen auch diese Kosten den Steuerzahler. Aber auch im „Normalbetrieb“ wären Atomkraftwerke keineswegs harmlos. So gebe es in der Nähe von Atomkraftwerken eine signifikante Erhöhung von Leukämie. Und schliesslich „bremse“ eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke die Entwicklungmöglichkeiten für Erneuerbare Energien aus. Wegen ihrer geringen Regelungsfähigkeit müssten Atomkraftwerke möglichst rund um die Uhr laufen. Damit behindere die Laufzeitverlängerung auch die Beschäftigungschancen durch die Erneuerbaren Energien. Immerhin arbeiteten inzwischen rund 340.000 Menschen in Deutschland im Bereich der Erneuerbaren Energien. Die Beschäftigungszahlen in der Atomwirtschaft lägen bei rund 30.000 Menschen. Nach den Ausführungen Eder´s erläuterte der stellvertretende Grünen-Kreisvorsitzende Dr. Bernhard Zimmer wie das Stromwechseln geht. Man könne zum Beispiel im Internet unter der Internet-Adresse www.atomausstieg-selber-machen.de unter einer ganzen Reihe von Stromanbieter aussuchen das Unternehmen aussuchen, das einem am geeignetsten erscheine. In aller Regel reiche es aus, dem Unternehmen der Wahl einige wenige Daten zu kommen zu lassen. Die Umsetzung werde dann vom künftigen neuen Stromanbieter unternommen. Im Haus selber müsse überhaupt keine Änderung vorgenommen werden. Zimmer bot den Grünen-Ortsverbänden an, bei Bedarf sogenannte „Stromwechselparties“ durchzuführen. Dabei könnten die einzelnen Schritte erläutert werden.    

Kategorie: Kreisverband, Nachhaltigkeit, Energie