26.08.2013, 08:29 Uhr

Grüne wollen bäuerliche Betriebe stärken

Bündnis 90/Die Grünen im Berchtesgadener Land wollen die bäuerlichen Strukturen in der Landwirtschaft erhalten und stärken. Deshalb begrüssen die Kreis-Grünen die Vorschläge der Grünen-Landwirtschaftsminister zur nationalen Umsetzung zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolititik (GAP) in der Europäischen Union ab 2015.

Zusatzförderung:
30% aus der ersten Säule für kleinere Betriebe (<46ha)

In einem Gespräch mit der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Angerer Bäuerin Gertraud Gafus, hob Grünen-Kreistagsfraktionschef Dr. Bartl Wimmer hervor, dass die Reform der EU-Agrarpolitik endlich den Durchbruch zu einer Stärkung der bäuerlichen Betriebe bringen müsse. Derzeit profitierten vor allem die Agrarfabriken und teilweise sogar ausserlandwirtschaftliche Betriebe oder Einzelpersonen von den Agrarsubventionen. Das müsse anders werden. Zu begrüssen sei deshalb die Forderung der Grünen-Landwirtschaftsminister, 30 Prozent der Deutschland insgesamt zugewiesenen Direktzahlungssumme umfassend auf die ersten Hektare jedes Betriebes zu verlagern.

Bundeslandwirtschaftministerin Aigner wolle dagegen nur 5 Prozent verlagern.

An der Umverteilung der Direktzahlungssumme entscheide sich, wie ernst man das Bekenntnis zur bäuerlichen Landwirtschaft meine, so Wimmer weiter.

Daneben sei es gerade für die bäuerlichen Betriebe im Berchtesgadener Land wichtig, dass die sogenannte zweite Säule der Agrarförderung gestärkt und ausgebaut werde. Aus diesem Fördertopf würden vor allem Ausgleichszahlungen für die Bauern gezahlt, deren Flächen sich in „von der Natur benachteiligten“ Gebieten befänden. Unter diese Definition fielen praktisch alle landwirtschaftlichen Betrieb südlich der A 8, aber auch zahlreiche weitere Bauern im Landkreis. Es sei für ihn deshalb nicht nachvollziehbar, dass sich die CSU gegen eine Aufstockung der sogenannten zweiten Säule wende.

Wie Grünen-Kreisvorsitzender Prof. Dr. Bernhard Zimmer in dem Gespräch hervorhob, sollte die EU-Agrarreform zu einer umfassenden Neuausrichtung der Agrarpolitik genutzt werden. Nötig sei die Abschaffung der Exportsubventionen und ein Verbot der Spekulation mit Lebens- und Futtermitteln. Um den heimischen Milchbauern einen fairen Preis für ihre Produkte zu ermöglichen sei eine flexible Mengensteuerung nötig. Insgesamt brauche es eine Abkehr von der Weltmarktorientierung der Landwirtschaft und eine Ausrichtung der landwirtschaftlichen Produktion auf den Binnenmarkt.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende Gertraud Gafus begrüsste ebenfalls die Vorschläge der Grünen-Landwirtschaftsminister. Ihrer Meinung nach müsse die EU-Agrarpolitik auch sozial gerechter werden. Die derzeitigen Direktzahlungen führten zu einer einseitigen Bevorzugung von Grossbetrieben. Pro Arbeitstag könne ein durchrationalisierter Ackerbaubetrieb mehr als 800 € bekommen. Ein bäuerlicher Betrieb mit 20 Hektar Fläche und 25 Milchkühen bekomme dagegen nur 27 €. Die AbL wolle deshalb ein neues Verteilungsmodell, bei dem die derzeitige einheitliche Flächenprämie deutliche reduziert wird und das restliche Fördergeld unter Berücksichtigung des Arbeitsaufwandes verteilt wird. Auf diese Weise könne auch der Anreiz zur Landkonzentration und zum Einstieg ausserlandwirtschaftlicher Investoren in den Bodenmarkt gebremst werden.

Von: Bernhard Zimmer - Edwin Hertlein

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL, Bildmitte) im Gespräch mit Grünen-Kreistagsfraktionschef Dr. Bartl Wimmer (links im Bild) und Grünen-Kreisvorsitzender Prof. Dr. Bernhard Zimmer (rechts im Bild)

Kategorie: Kreisverband, Bernhard Zimmer, Umwelt, Nachhaltigkeit