24.05.2011, 14:25 Uhr

Grüne für Windenergie im Berchtesgadener Land

Der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen setzt sich für die Nutzung der Windenergie im Berchtesgadener Land ein. Wie der neugewählte Kreisvorsitzende Dr. Bernhard Zimmer auf ersten Kreisvorstandssitzung nach den Neuwahlen erläuterte, habe die Windenergie von allen Erneuerbaren Energien in Bayern die größten Ausbaupotentiale. Das sähen sowohl der Vorsitzende des Bayerischen Klimarates, Prof. Hartmut Graßl, als auch Bayerns Umweltminister Markus Söder so. Er teile deren Einschätzung voll und ganz. Wie Zimmer weiter ausführte, sei die Windenergie in Bayern bislang stiefmütterlich behandelt worden.

In Rheinland-Pfalz betrage die installierte Windenergieleistung 1421 Megawatt. In Bayern gerade einmal 521 Megawatt. Und das, obwohl der Freistaat mehr als dreimal so groß sei wie Rheinland-Pfalz. Dabei gebe es bei den durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten keine nennenswerten Unterschiede. Nach Ansicht Zimmers beruht diese unterschiedliche Nutzung der Windenergie in den beiden Bundesländern auf der bislang unterschiedlichen Einstellung zur Atomenergie. Während in Rheinland-Pfalz seit der Stilllegung des Atomkraftwerkes Mühlheim-Kärlich kein AKW mehr am Netz sei, lieferten in Bayern vier Atomkraftwerke Strom. Interessant an der Stilllegung des Atomkraftwerkes Mühlheim-Kärlich sei, so Zimmer mit Verweis auf den aktuellen Atomunfall in Japan, dass das AKW Mühlheim-Kärlich von einem Gericht stillgelegt wurde, weil das AKW auf einer Erdbebenspalte gebaut worden war. Dass die Windenergie dem Atomstrom „im Wege stehe“, liegt nach Meinung Zimmers daran, dass die Windenergie inzwischen von allen Formen der Erneuerbaren Energien am wirtschaftlichsten sei. Moderne Windräder lieferten heute den Strom preiswerte als neugebaute Atomkraftwerke. Dabei seien in diesem Preisvergleich die bislang gar nicht genau zu beziffernden Kosten der Endlagerung des Atommülls und der Kosten für einen atomaren Supergau gar nicht berücksichtigt. Für Kreisvorstandsmitglied und Grünen-Kreisrat Franz Eder ist es im Zusammenhang mit dem mittlerweile von allen Parteien angestrebten Atomausstieg unabdingbar, dass sich auch im Landkreis Berchtesgadener Land auf absehbare Zeit Windräder drehten. Das könnten sowohl kleine Anlagen mit zwei oder drei Kilowattstunden Leistung „im eigenen Garten“ als auch große Windräder der Megawattklasse sein. Sicherlich seien große Windräder nicht ganz ohne negative Auswirkungen, zum Beispiel in Bezug auf das Landschaftsbild. Diese Nachteile wären aber im Vergleich zu den Nachteilen und Gefahren der Atomenergie von nachrangiger Natur. Eder verwies darauf, dass im aktuellen Windatlas Bayern große Teile des Landkreises Berchtesgadener Land mit für die Nutzung durch Windkraftanlagen ausreichenden Windgeschwindigkeiten angegeben wären. Diese Daten sollten Anlaß dafür sein, das Thema im Landkreis intensiv anzugehen. Der Laufener zweite Bürgermeister kündigte an, dass die Grünen-Kreistagsfraktion in diese Sache aktiv werden wolle. Er könne sich zum Beispiel gut vorstellen, dass sich der Landkreis, ähnlich wie das bereits im Landkreis Starnberg geschehe, aktiv als „Motor“ zur Ausweisung von gemeindeübergreifenden Windvorrangflächen betätige. Auf diese Weise könne über die Gemeindegrenzen hinweg ausgelotet werden, an welchen Standort der Bau großer Windkraftanlagen Sinn mache. Auch die Erstellung eines Windgutachtens könne hilfreich sein.

Von: eh
Kategorie: Kreisverband, Berchtesgadener Tal, Umwelt