12.04.2015, 07:06 Uhr

Freilassing - Einzelhandel kann wieder hoffen

Fraktionssprecher Wolfgang Hartmann begrüßt den von Salzburgs Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler eingeschlagenen Kurs, die Expansion von Verkaufsflächen für den Handel einzudämmen. Somit können Orts- und Stadtkerne wieder mit Leben gefüllt werden. Verbraucher aber auch Kommunen profitieren von dieser Entscheidung und bestehende Arbeitsplätze werden gesichert.

Jahrzehntelang rüsteten die Gemeinden gegeneinander auf und überboten sich mit Ausweisungen für Verkaufsflächen auf der grünen Wiese. "Kannibalisierungseffekte" waren die Folgen. Vor allem Groß- und Fachmärkte zählen zu den Gewinnern. Kleinere Geschäfte müssen aufgeben, Ortskerne bluten auf beiden Seiten der Grenze aus.  Hohe kommunale Investitionen zugunsten attraktiverer Innenstädte waren vergeblich. „Verantwortlich für diese Entwicklung war und ist auch heute immer noch die Politik“, sagte Stadtrat Hartmann auf der Ortsversammlung der Grünen/Bürgerliste. Als Gewerbetreibender und ehemaliger Vorsitzender des Freilassinger Gewerbevereins kennt er die wichtigen CIMA Untersuchungen und Studien zu der Problematik. Vor der heutigen Entwicklung und vor Allem vor den negativen Auswirkungen für die Handeltreibenden und Bürger wurde seit Jahren deutlich gewarnt. Bei uns hat ein Bürgerbegehren so manche Fehlentwicklung verhindert, die von den Entscheidungsträgern herbeigeführt worden wäre.

„Wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen für unser Ziel, die lebendigen Ortskerne und eine vielseitige Handelsstruktur erhalten zu wollen. Dazu ist es notwendig, bei der Widmung von neuen Handelsflächen ganz genau hinzusehen, was solche Ausweisung bewirken können“, so Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler im Gespräch mit den bayrischen Nachbarn. Die Raumordnung in Bayern habe die Zersiedelung bisher viel besser hintangehalten als in Salzburg, beim Thema Einkaufszentren brauche es gemeinsame Anstrengungen über die Grenze hinweg, um Fehlentwicklungen korrigieren zu können.

 „Endlich stellt jemand die ungebremste Flächenentwicklung in Frage“, freut sich Hartmann über die Vorgangsweise in Salzburg. Profitieren werden dadurch die kleineren Geschäfte, die kleineren Gemeinden mit ihren Infrastrukturen und vor allem die Käufer auf beiden Seiten der Grenze. Wohnortnahes Einkaufen hat vor allem für eine alternde Gesellschaft hohe Priorität, ist sich Hartmann sicher.

 „Astrid Rössler hat Courage und beweist Mut“, zeigt sich auch der Ortsvorsitzende Kaspar Müller zuversichtlich für die weitere Entwicklung beiderseits der Grenze. Denn verschiedene Studien belegen, dass der klein strukturierte Handel auf derselben Fläche mindestens doppelt so viele ArbeitnehmerInnen beschäftigt wie großflächige Handelsbetriebsformen. Entsprechend folgenreich ist das Wachstum der „Großen“ auf Kosten der „Kleinen“ für deren Mitarbeiter. „Jeder Wegfall eines Einzelhandelsfachgeschäftes führt zu einem mehr als doppelt so großen Beschäftigungsverlust auf gleicher Fläche, wie durch die großflächigen Anbieter neu geschaffen würde,“ zeigt eine Studie der CIMA. 

„Es kann auch nicht unser vorrangiges Ziel sein, möglichst alles im Großmarkt auf der grünen Wies möglichst billig kaufen zu können. Damit würden wir uns aus der Verantwortung verabschieden, die ein jeder von uns für ein faires und gerechtes Miteinander trägt. Wenn wir wollen, dass unsere Ortszentren lebendig bleiben, dann müssen wir darauf bestehen, dass diese gewachsenen Strukturen durch entsprechende politische Rahmenbedingungen und administrative Maßnahmen wie z.B. ein effektives Leerstandsmanagement unterstützt werden, so Müller.“ Es gehe vielmehr um verantwortungsvolles Wirtschaften, jenseits der „Geiz-ist-geil“-Mentalität.

Zudem ermöglicht der Verzicht auf ständigen Flächenfraß ein Bewahren auch der landschaftlichen Strukturen mit ihrer für die Ökologie so wichtigen Vielfalt, sowie Naherholungsmöglichkeiten und die Ortschaften behalten ihr Erscheinungsbild.

Von: Kaspar Müller

Eine Abordnung der Freilassinger Grünen/Bürgerliste traf sich mit der Salzburger Landeshauptmannstellvertreterin zu einem Gedankenaustausch für eine Raumplanung die den Menschen auf beiden Seiten der Grenze dient. (von links nach rechts (o.T.): Kaspar Müller, Willi Schneider, Astrid Rössler, Elisabeth Hagenauer und Wolfgang Hartmann.

Kategorie: Kreisverband