04.10.2016, 15:40 Uhr

Grausamkeiten in idyllischer Landschaft erdacht und beschlossen

Rechtspopulismus fördert und verstärkt den Rechtsruck auch in Deutschand. Ausgrenzung und Homogenisierung stehen der Toleranz und der Vielfalt entgegen. Ein Besuch der Grünen am Obersalzberg sollte daran erinnern, was passiert, wenn eine Gesellschaft den "einfachen Botschaften" der Ausgrenzung folgt.

Dokumentationsstelle am Obersalzberg:

Besuch von MdB Beate Walter-Rosenheimer und MdL Gisela Sengl


„In unvergleichlich idyllischer Lage sind damals unvorstellbare Grausamkeiten erdacht und entschieden worden, der Obersalzberg im Berchtesgadener Land war einer der wesentlichen Täterstandorte des Nationalsozialismus.“ Für Dr. Axel Drecoll, Leiter der Dokumentation Obersalzberg vom Institut für Zeitgeschichte ist das einer der wesentlichen Punkte der Ausstellung, der nun in der Erweiterung den BesucherInnen noch deutlicher vor Augen geführt werden soll. An zwei gut gewählten Beispielen erläuterte Dr. Drecoll der Besuchergruppe von Bündnis90/Die Grünen das didaktische Konzept der Ausstellung. Die Bundestagsabgeordnete Beate Walter Rosenheimer war beeindruckt und beunruhigt zugleich. „Die Methoden, die Bilder, die Botschaften mit der die Bevölkerung damals mitgenommen und mobilisiert wurde, sind denen der Rechtspopulisten von heute erschreckend ähnlich“ stellte sie fest  und machte deutlich wie wichtig gerade diese Ausstellung am Obersalzberg sei. Es müsse immer wieder aufgezeigt werden wohin vermeintlich einfache Lösungen, die aber auf der Ausgrenzung von Menschen beruhen, hinführen können.
Kaum zu glauben und auch heute noch schwer zu ertragen sind die Bilder der am Obersalzberg geplanten Massenvernichtung. Viele derer, die dem Heilsversprechen zu Beginn geglaubt haben, aber gar nicht dem Idealtypus entsprachen, weil sie krank waren oder sozialen Randgruppe angehörten, wurden später selbst Opfer der bestialischen Vernichtungswelle“ zeigte Dr. Drecoll anhand von Dokumenten. Für Kreisrätin Elisabeth Hagenauer ist immer wieder besonders erschreckend, dass es so viele Täter gegeben hat. Die dokumentierten Massenerschießungen zeigen ja, dass die Täter ihren wehrlosen Opfer, Frauen und Kindern letztlich persönlich gegenüberstanden.
MdL Gisela Sengl sieht die Erweiterung der Dokumentation als wesentliche gesellschaftliche Aufgabe, denn die persönliche Erinnerung wird immer schwerer, weil die Zeitzeugen immer weniger werden und die Information eben, wissenschaftlich aufgearbeitet, vermittelt werden müsse. „Dem Vergessen muss man aktiv entgegentreten und ständig steigende Besucherzahlen zeigen ja, dass es einen großen Bedarf gibt“ so MdL Sengl. Sie würde sich wünschen, dass die Dokumentationstelle am Obersalzberg hinsichtlich der Förderung von Schülergruppen den Gedenkstätten gleichgestellt würde. Natürlich wurde auch die Diskussion um die Kosten der geplanten Erweiterung kurz geführt, aber alle waren sich einig, dass die hier investierten Gelder sehr sinnvoll angelegt sind. „Dass die Bunkeranlagen bei so vielen zu erwartenden Besuchern besonderen sicherheitstechnischen Anforderungen, wie dem Brandschutz genügen müssen spiegelt sich halt auch in den Baukosten wider“ gibt Dr. Bernhard Zimmer, Sprecher der Grünen im Berchtesgadener Land zu bedenken. Er kann die jüngste Kritik des Bundes der Steuerzahler nicht nachvollziehen, der am Obersalzberg von Steuerverschwendung spricht. Das Berchtesgadener Land kann sich glücklich schätzen, dass es gelungen ist, sich der Geschichte zu stellen und diese in dieser Qualität aufzuarbeiten.

Von: Bernhard Zimmer

Kategorie: Kreisverband