07.12.2008, 13:48 Uhr

Wertschöpfung im Landkreis halten

„Wirtschaftschance in BGL: Sonnenenergie“ war wieder einmal Topthema der Kreisgrünen auf ihrer jüngsten Kreisversammlung in Piding. Paul Goldbrunner, Energie- und Umweltschutzberater der HWK und Bezirkskaminkehrermeister referierte mit fachlich fundiertem Wissen und viel Herzblut.

Im Landkreis Berchtesgadener Land mit seinen 102000 Einwohnern gebe es ca. 21000 Wohngebäude mit knapp 50000 Wohnungen. Die jährlichen Energiekosten der Wohngebäude beliefen sich auf ca. 155 Millionen Euro, dies entspreche Energiekosten für einen Haushalt von durchschnittlich 3200 Euro. Dieses Geld fließe zu 90 Prozent an die großen Energiekonzerne oder ins Ausland. Was liege also näher als der Versuch einen größeren Teil des Geldes in der Region zu halten? fragte der Kaminkehrermeister.

Goldbrunner, selbst einer der Aktivisten des Bündnisses „Sonnenenergie Berchtesgadener Land“ berichtete von den zahllosen Aktivitäten des Solarbündnisses in den letzten Jahren, die in Zusammenarbeit mit Handwerkern, Umweltschützern und Unterstützung eines Vertreters des Landratsamts eine Investitionslawine von über 60 Millionen Euro ausgelöst hätten. Jetzt gelte es das Angefangene professionell weiterzuführen.

Goldbrunner berichtete, dass das innovative Installateurhandwerk mit dem Einbau von Pellets- und Solaranlagen erfolgreich wirtschaftlich arbeite und neue Mitarbeiter habe einstellen können. Er berichtete aber auch davon, dass es immer noch weniger fortschrittliche Gemeinden in unserem Landkreis gebe, in denen auf Veranlassung der Gemeinde leicht aufgeständerte Solarthermieanlagen zurückgebaut werden müssen.

Eine interessante Prognose besage, dass in weniger als 10 Jahren der Strom vom eigenen Dach günstiger sein werde als der Strom aus der Steckdose.

Paul Goldbrunner stellte auch Vorzeigeprojekte vor: So zeigte er in seiner Präsentation ein 16-Familien-Haus in der Schweiz, das mit einem 70 Kubikmeter Pufferspeicher ausschließlich mit Solarenergie versorgt wird. Dazu konnte Grünen-Kreisvorsitzender Franz Eder berichten, dass in seiner Heimatstadt Laufen die Baugenossenschaft „Selbsthilfe Salzachkreis“ kürzlich ein ähnliches Projekt dem Bauausschuss vorgestellt habe. Eder lobte die Genossenschaft, die die Zeichen der Zeit verstanden habe und effektiv umsetze. Die wirtschaftlich günstige Bauweise werde den künftigen Mietern bezahlbare Mieten bescheren. 

Die Teilnehmer der Kreisversammlung zeigten sich einig in der Forderung, dass die wirtschaftlichen Chancen der Solarenergie im Landkreis noch stärker genutzt werden sollten. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Kreisgrünen Elisabeth Hagenauer aus Freilassing erinnerte an den von den Grünen angestoßenen Beschluss des Kreistags aus dem Jahr 2001, den Landkreis bis zum Jahr 2030 zu hundert Prozent mit eigener Energie zu versorgen. „Dies sollte natürlich nicht nur beschlossen, das muss auch mit größter Konsequenz verfolgt werden“, forderte sie.

Fraktionsvorsitzender Dr. Bartl Wimmer erneuerte seine Forderung nach einer Neudiskussion über die strategische Ausrichtung der Wirtschaftspolitik im Landkreis. Was liege näher als diese gewaltigen wirtschaftlichen Potenziale zur Chefaufgabe zu machen. Deshalb habe seine Fraktion an den Kreistag den Antrag gestellt, die Initiative zur Fortführung der „Sonnenenergie Berchtesgadener Land“ zu übernehmen sowie die Förderung der Solarenergie zu einer Hauptaufgabe der Wirtschaftsfördergesellschaft zu machen. Eine effektivere und nachhaltigere Möglichkeit der Wirtschaftsförderung zum Wohle des Handwerks und der Bürger gebe es nicht.

Kategorie: Kreisverband, Nachhaltigkeit