25.02.2013, 11:25 Uhr

Warum brauchen wir Fairtrade-Towns?

Entwicklungshilfe durch fair gehandelte Produkte. MdB Uwe Kekeritz stellt Fair Trade-Projekte bei Grünen-Kreisversammlung vor. „Als Verbraucherinnen und Verbraucher machen wir Politik mit dem Einkaufswagen und entscheiden täglich, welche Produkte wir unterstützen wollen und welche nicht“, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz.

Im Rahmen einer Grünen-Kreisversammlung in Aufham stellte der Vorsitzende des Bundestags-Unterausschusses für Gesundheit in Entwicklungsländern die Themen „Fair Trade“ und „Faire Kommune“ vor. Kritisch setzte sich der Referent mit Entwicklungspolitik und Entwicklungshilfe auseinander, die seiner Meinung nach immer noch Missstände wie Kinderarbeit und Landvernichtung fördern.
„Obwohl seit 1962 Billionen von Euro an Entwicklungsländer geflossen sind, hat sich nichts Durchgreifendes verändert oder verbessert“, kritisierte Uwe Kekeritz und nannte als Hauptgrund: „Entwicklungspolitik ist immer noch gewinnorientierte Industriepolitik“. Der Korruption sei dabei Tür und Tor geöffnet. Ausbeutung von Arbeitskräften und Kinderarbeit gehörten nach wie vor zur tragischen Realität. Das Übertragen unserer Systeme und unserer Wirtschafts-Logik könne unter den ökonomischen und sozialen Bedingungen in den Entwicklungsländern nicht oder nur bedingt funktionieren. „In den Anfangszeiten der Entwicklungshilfe gab es kein Empfängerland, das sich nicht selbst ernähren konnte, heute sind dies nur noch 48 Nationen“, stellte Uwe Kekeritz die Sinnhaftigkeit der lange Zeit praktizierten Entwicklungspolitik und des damit verbundenen Ressourcenverbrauchs in Frage.
Als Meilenstein bezeichnete der Referent die Millenniumserklärung, die am 9. September 2000 von 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen unterzeichnet wurde. Erstmals konnten sich hier arme und reiche Länder auf die gemeinsamen Ziele „Armutsbekämpfung, Friedenserhaltung und Umweltschutz“ einigen. Zunehmende Globalisierung und weltweiter Handel hätten diese guten Ansätze aber teilweise konterkariert. So hätten viele Unternehmen ihre Produktion in Billiglohn-Länder ausgelagert. „Die Arbeitsbedingungen dort sind oft menschenunwürdig und das Einkommen reicht kaum zum Überleben“, kritisierte Uwe Kekeritz, der sich auf seinen Reisen selbst immer wieder ein Bild von der Situation macht.
„Welchen Beitrag können wir als Einzelne, aber auch als Gemeinschaft leisten, um die Not der Menschen in den Entwicklungsländern zu lindern und ihre Situation zu verbessern?“, leitete der Referent zum Thema „Fairer Handel“ über. Die Fair Trade-Bewegung, deren Anfänge bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts zurückreichen, helfe Bauern in Afrika, Lateinamerika und Asien ihre Dörfer und Familien aus eigener Kraft zu stärken und ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. War der faire Handel in den Anfängen vor allem auf Kaffee, Bananen oder Kunsthandwerk beschränkt, so können die Konsumenten in Deutschland heute aus rund 1.000 fair-trade gesiegelten Produkten wählen, die bundesweit in 30.000 Geschäften und Läden, sowie in über 15.000 gastronomischen Betrieben erhältlich sind. Dass die Fair Trade-Idee inzwischen bei breiten Bevölkerungsschichten angekommen ist, belegte Uwe Kekeritz mit Zahlen: „Allein im Jahr 2011 haben die Verbraucher in Deutschland 477 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte ausgegeben,  wovon rund 500 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern profitieren können.“  Bei Zuwachsraten von jährlich rund 16 Prozent verlasse Fair Trade langsam sein Nischendasein, blickte der Referent optimistisch in die Zukunft, wies aber auch auf Marktlücken hin: „Im Textilbereich besteht noch erheblicher Aufholbedarf.“
Nicht nur der einzelne Konsument, sondern auch die öffentliche Hand könne einen großen Beitrag zum fairen Handel leisten, so Uwe Kekeritz weiter. „Die Kommunen in Deutschland kaufen jährlich für 180 Milliarden Euro ein, wobei ökologische und faire Aspekte leider noch kaum eine Rolle spielen.“ Seit 2009 können sich auch in Deutschland Städte, Gemeinden und Landkreise um den Titel „Fairtrade-Town“ bewerben. Der geschützte Titel werde vom Verein TransFair für zwei Jahre vergeben und ist an bestimmte Kriterien gebunden. Am Anfang des Verfahrens stehe ein Beschluss der politischen Gremien, im eigenen Bereich Fairtrade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus fairem Handel zu verwenden und den Titel „Fairtrade-Gemeinde“ anzustreben. Einer Steuerungsgruppe obliege die Aufgabe, die lokalen Aktionen zu koordinieren. In den örtlichen Geschäften und in der Gastronomie sollten Fair Trade-Produkte angeboten werden. Ein wichtiger Faktor sei die Öffentlichkeitsarbeit über Presse und regelmäßige Veranstaltungen.  „Über 130 Fairtrade-Towns gibt es mittlerweile in Deutschland, darunter Großstädte wie Dortmund und Saarbrücken“, so Uwe Kekeritz. Zum Schluss seiner Ausführungen wies der Referent auf die enge Verknüpfung von fairem Handel und regionaler Vermarktung hin: „Neben der Qualität, die wir mit den heimischen Lebensmitteln einkaufen, erhalten und stärken wir auch  regionale Strukturen und unsere biologische Landwirtschaft.“

Von: Norbert Höhn
Kategorie: Kreisverband, Nachhaltigkeit, Wirtschaft