30.05.2013, 16:31 Uhr

Künast informiert sich über Kuhstall

Als sie als Verbraucherschutz und Landwirtschaftsministerin in das Kabinett von Kanzler Schröder berufen wurde, lautete ein Vorwurf gegen Renate Künast, sie hätte noch nie einen Kuhstall von innen gesehen. Das kann jetzt nicht mehr behauptet werden.

Erst kürzlich stand sie mit ihrem Rat wieder einem Bauern bei, der durch die EU Bestimmungen für die Rinderhaltung in den Zugzwang geraten ist einen neuen Stall zu bauen.  Bei den Milchpreisen, die gegenwärtig an Bauern gezahlt werden und eine ungewisse Zukunft ohne Milchmarktregelung eine existenzbedrohliche Situation.
Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen war zu einer Abendveranstaltung und einem Gespräch mit dem Geschäftsführer einer Genossenschaftsmolkerei, zusammen mit ihrem Äquivalent im bayerischen Landtag, Margarete Bause, in das Berchtesgadener Land gekommen und nahm dabei, zusammen mit dem Bundestagskandidaten Dr. Bernhard Zimmer, die Gelegenheit wahr Bauer Josef Mayer und seiner Frau Maria einen Besuch abzustatten.  Mayer darf als Beispiel dafür angesehen werden, welche Auswirkungen eigentlich gute und begrüßenswerte EU Regelungen auf die kleinstrukturierte Landwirtschaft haben können.  Zusammen mit seiner Frau Maria und der Hilfe von Tante und erwachsenen Kindern bewirtschaftet Mayer in Ottmaning, in der Gemeinde Ainring, einen Hof mit 25 Kühen.  Wie in der Gegend üblich, waren die Kühe bisher, wenn sie nicht auf der Weide sind, im Stall angebunden.  EU Regeln schreiben aber vor von der Anbindehaltung wegzukommen und die Kühe in einem Laufstall unterzubringen.  Insbesondere gilt diese Regelung für eine sogenannte „Artgerechte“ Haltung natürlich für einen wie Bio-Bauer Mayer.  Der Bau dieses Laufstalls bedeutet allerdings auch eine schier unerschwingliche und überwältigende Investition für den Bauern.  Mayer sagt, er sei grundsätzlich mit der Regelung einverstanden, obwohl er meint, den Kühen ginge es auch gut wenn sie angebunden seien.
Renate Künast sagte sie verstünde sehr wohl die missliche Situation Mayers, es führe aber leider kein Weg an der Regelung vorbei.  Eine Lösung für Fälle wie diesen sei, wie von den Grünen vorgeschlagen, die zweite Säule der Agrarsubventionen zu stärken.  Die dadurch zu verteilenden Gelder wären nicht an die bewirtschaftete Fläche gebunden, sondern würden nach Richtlinien bezüglich des Arbeitsbedarfes und nach Umweltauflagen verteilt.  Es sei auch wichtig, diese Gelder als Zuschüsse und nicht als Darlehen zu deklarieren, sagte Künast.
Natürlich würden die Vorschläge des BDM, hinsichtlich einer flexiblen Milchmarktregulierung ebenfalls helfen, denn diese gäben Bauern wie Mayer eine sicherere und vorhersehbarere Basis für ihre Investitionen, betonte Künast.  Leider stünden dagegen aber formidable Kräfte und Interessen, die sich vom bisherigen Schema des „Wachsens oder Weiches“, das der Bauernverband und die gängige Politik propagieren, nicht abbringen lassen wollen.  Für die kleinstrukturierte Landwirtschaft, wie sie in den Voralpenkreisen noch existiert, bedeutet dies jedoch unausweichlich über kurz oder lang den Todesstoß.  
Trotz dieser misslichen Umstände wird Mayer sich den Gegebenheiten beugen und einen Laufstall bauen.  Wie er sagt, wolle er einfach weitermachen so lange es geht, denn er weiß sich auf dem richtigen Weg und meint, diese Form der Landwirtschaft sei die bessere für Mensch, Tier und Natur im Verhältnis zu den Agrarfabriken und der industriellen Landwirtschaft.  Künast pflichtete Mayer bei und sagte sie wolle sich dafür einsetzen, dass Stallbauten an bestimmte Kriterien gebunden werden, die verhindern sollen dass nicht, wie bisher, vor allem Agrarfabriken von den Zuschüssen profitieren.  Auch in ihrem Referat am Abend im Poststall Teisendorf wiederholte Künast diese Forderung.  Sie ging dort in einer Diskussion auch auf die Frage der Mengensteuerung für Milch ein, die der stellvertretende Kreisvorsitzende des BDM im BGL, Albert Aschauer gestellt hatte und meinte diese müsse in einer europäischen Lösung beschlossen werden.  Dabei gelte es sich mit anderen Ländern zu alliieren um eine Gesamtlösung zu erreichen.  Leider seien unter der Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner von deutscher Seite bisher keine Anstrengungen in diese Richtung unternommen worden.

    #. Bio-Bauer Josef Mayer beschrieb seine missliche Lage wegen eines von der EU verordneten Stallbaues für die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast.
                                        Fotos: Alois Albrecht

Von: Alois Albrecht

Bauer Josef Mayer und seine Frau Maria (r.) begrüßten Renate Künast und den Bundestagskandidaten der Grünen, Dr. Bernhard Zimmer (l.) auf ihrem Bio-Hof in Ottmaning.

Kategorie: Kreisverband, Bundestagswahl, Bernhard Zimmer, Wirtschaft