20.02.2011, 16:41 Uhr

Der globalen Waldvernichtung Einhalt gebieten

Die Vereinten Nationen haben 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder erklärt, um einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Wälder weltweit zu leisten. In Deutschland soll während der nächsten Monate mit vielen Veranstaltungen und Aktionen die Aufmerksamkeit wieder mehr auf die Bedeutung des Waldes gelenkt werden. Auch die Grünen nahmen sich bei ihrer kürzlichen Kreisversammlung (wir berichteten) des Themas an und hatten dazu als fachkundigen Referenten den Forstwissenschaftler Dr. Bernhard Zimmer eingeladen.

In seinem Vortrag, der mit eindrucksvollen, von ihm selbst aufgenommenen Bildern untermalt wurde, beschäftigte sich Dr. Zimmer zunächst mit einer globalen Bestandsaufnahme der Wälder. 3,9 Milliarden Hektar Waldfläche gibt es demnach derzeit weltweit, was neunundzwanzig Prozent der Festlandfläche entspricht. Die Hälfte dieser Wälder verteilt sich allerdings auf nur fünf Länder, nämlich die Russische Föderation, Kanada, USA, Brasilien und China. Urwälder im eigentlichen Sinne gibt es nicht mehr, da Immissions-Einträge aus der Luft alle Wälder verändern. Laut Dr. Zimmer unterscheidet man zwischen Naturwald, Wirtschaftswald und Plantagen. Fünf Prozent der globalen Waldfläche bestehen heute schon aus Plantagen, vorwiegend mit geklonten Kiefern- und Eukalyptusbeständen. „Es lässt keinerlei Artenvielfalt zu und ist hochgefährlich, wenn auf Tausenden von Hektar nur ein genetischer Klon gepflanzt wird“, so Bernhard Zimmer. Bis zu 20 Millionen Hektar Wald werden weltweit jährlich vernichtet, was der zweifachen Waldfläche Deutschlands entspricht.

„Der Wald als nachwachsender Rohstoff ist selbstverständlich ein Wirtschaftsfaktor und hat eine vielfältige Produktionsfunktion, und dies nicht nur als Bau- oder Brennholz.“  Als „anfassbares“ Beispiel ließ Dr. Zimmer einen Schal im Publikum herumgehen, dessen Rohmaterial aus dem Zellstoff von Buchen stammt. „Obwohl die Vielfalt von Holzprodukten riesengroß ist, hat der Wald auch noch andere wichtige Funktionen, die sich nicht immer in wirtschaftlichen Kategorien messen lassen“, so Dr. Zimmer weiter. Als Beispiele nannte er Bodenschutz, Wasserschutz, Lawinenschutz, Erholungs- und Lebensraum. Hier setzte Bernhard Zimmer mit seiner Kritik an der Forstreform an: „Wenn man zu einem Staatsforstbetrieb sagt, du musst jetzt Geld verdienen und als Einnahmequelle nur der Holzverkauf dient, dann können die anderen Aufgaben nicht hinreichend erfüllt werden.“

Abschließend ging Bernhard Zimmer auf die entscheidende Rolle des Waldes beim Klimaschutz ein. Holz bestehe zu fünfzig Prozent aus Kohlenstoff (CO2), was bedeutet, dass unsere Wälder und sonstigen Holzvorräte einen riesigen Energiespeicher darstellen. Durch die Waldvernichtung und die Art der Waldbewirtschaftung werden jährlich drei Gigatonnen CO2 „in die Luft geblasen“, was einem Drittel der jährlichen CO2-Emissionen weltweit entspricht. Wesentlich leichter ließe sich allerdings der CO2 -Eintrag, nach Auffassung von Dr. Zimmer, auf eine andere Weise erreichen: „Wenn wir die Lebensdauer unserer Holzprodukte, um nur ein Jahr verlängern würden, wären die Klimaziele schon erreicht.“

 Kreisvorsitzender Franz Eder bedankte sich für den informativen Vortrag und stellte in Aussicht, dass die Kreis-Grünen das Internationale Jahr der Wälder mit weiteren Veranstaltungen und Exkursionen begleiten wollen.

Von: Norbert Höhn
Kategorie: Kreisverband, Nachhaltigkeit, Transparenz, Energie, Bernhard Zimmer, Umwelt, Piding