28.10.2009, 10:25 Uhr

Kabarettreif: „Alle vier Jahre Olympiabewerbung“

Bartl Wimmer: Spiele keine Werbung für Tourismusregion – Grüne gegen Olympia 2018. „Unsere Olympia-Bewerbung alle vier Jahre ist schon tradtionell“, sagt Bartl Wimmer sarkastisch. Der Grünen-Kreisrat beklagt, dass Gelder aus dem Konjunktur-Paket II für die „Massensportart Bobfahren“ missbraucht werden. Dass Olympia sich positiv auf den Tourismus in den Orten der Sportstätten auswirkt, bestreitet Sepp Daxenberger. Für den Fraktionschef der Grünen im bayerischen Landtag hat die Berichterstattung im Fernsehen eher einen „abschreckenden Effekt“. Bei Ihrer öffentlichen Kreisversammlung waren sich die Grünen in der Ablehnung der Olympia-Bewerbung einig.

Drei Millionen aus dem Kreishaushalt sollen in den Ausbau der Bob- und Rodelbahn am Königssee fließen. „Das Ende nach oben ist offen“, sagt Bartl Wimmer, denn die ursprüngliche Gesamtkosten-Schätzung sei innerhalb weniger Monate von 22 auf über 30 Millionen Euro gestiegen. „Die Finanzierung steht schlich nicht fest“, behauptet der Kreisrat. Mehr noch: derzeit stünden gerade mal 1.100 Tribünenplätze zur Verfügung. Für Olympische Spiele müsste es ein Vielfaches dieser Zahl sein. Dazu brauchte es Grund, den die Anlieger nach Wimmers Informationen aber nicht abtreten wollen. Der Landrat habe hier schon mit Enteignung gedroht, sagt Wimmer. Damit nicht genug: für eine Anschiebe-Trainingsbahn gebe es oben beim Start ebenfalls keinen Platz. Mit einem Aufwand von drei bis vier Millionen Euro würde die jetzt bei der Eishalle gebaut.

Wimmer vergleicht: Bei der Finanzsituation der Kreiskliniken spreche man von maximal zehn Millionen, dabei gehe es aber – anders als im Bobsport – um hunderte Arbeitsplätze.

„Die internationalen Sportverbände machen ständig neue Regeln“, kritisiert der Grünen-Kreisrat. So auch hier bei den Anforderungen an die Königsseer Bahn; und die Politik habe sich danach zu richten. Letztlich entschieden die Verbände und das amerikanische Fernsehen, was erforderlich sei und beispielsweise wieviel Bergwald etwa in Garmisch für die Skiabfahrten gerodet werde.

Bartl Wimmer ist sicher: „Noch kein Ort hat von Olympischen Winterspielen nachhaltig profitiert“. Das Image sei eher negativ: teuer, verbaut und unattraktiv. Diese Meinung teilt auch Sepp Daxenberger: „Sportevents haben mit Tourismus-Werbung nichts zu tun. Das hat eher abschreckende Wirkung “ Die Situation der klassischen Tourismusregionen sei heute schon problematisch. „Unter den 100 meist-verschuldetsten Kommunen in Bayern sind 95 Touristenorte.“ Der Grünen-Fraktionschef gibt zu, dass es innerhalb der Fraktion unterschiedliche Sichtweisen gebe, die Münchner einer Bewerbung eher positiver gegenüber stünden. Allerdings verlange man ein anderes Konzept. Also nicht „München plus zwei“, sondern „München plus vier“. Man sollte vorhandene Sportstätten wie in Rudpolding nutzen. Den Inzellern mit ihrer neuen Eisschnelllauf-Halle dagegen macht Daxenberger keine Hoffnung. Weil: „Sonst hätte die Olympiastadt München gar nichts mehr.“ Daxenbergers Blick auf Inzell ist insgesamt sorgenvoll: „Diese hochverschuldete Gemeinde hat sich mit der Halle und dem zukünftigen Unterhalt vermutlich überhoben.“ Man dürfe bei solchen Entscheidungen nicht nach dem Motto handeln: „Wenn wir das Geld aus dem Konjunktur-Paket nicht nehmen, dann bekommen es andere.“

Auf die „Anderen“ schielt auch Pidings 3. Bürgermeister Bernhard Zimmer. „Was für diese Spiele 2018 geplant ist, passt hinten und vorne nicht und hat entgegen aller Beteuerungen mit Ökologie nichts zu tun.“ Geplant seien „temporäre Gebäude“, also Sportanlagen für gerade mal vier Wochen. Das sei „Zahlengymnastik“, sagt der Forstfachmann, hier werde „grün gerechnet.“ Und der Verweis der Befürworter, dass andernorts die Eingriffe in die Natur und die ökologischen Schäden noch schlimmer wären, sei als „Argument einfach blöd.“

Die Grünen-Landtagsfraktion hat dieses Bewerbungskonzept fast einstimmig abgelehnt. „Und ein anderes wird es nicht geben“, ist Sepp Daxenberger überzeugt. Bartl Wimmer bietet eine Wette an: „Dass man die Spiele auch diesmal wieder nicht bekommt“. Zum Zeitpunkt der Entscheidung freilich werden schon erhebliche öffentliche Mittel in die Bewerbung geflossen sein.

Von: höf

Drei gegen Olympia: Gegen Olympia in Bayern und im Berchtesgadener Land (von links): Sepp Daxenberger, Dr. Bartl Wimmer und Dr. Bernhard Zimmer.

Kategorie: Kreisverband, Berchtesgadener Tal, Transparenz, Nachhaltigkeit