20.03.2011, 18:31 Uhr

Grüne für schnellen Atomausstieg

Ganz im Zeichen der aktuellen Ereignisse in Japan stand die letzte Sitzung des Kreisvorstandes von Bündnis 90/Die Grünen. Kreisvorstandssprecher Franz Eder drückte eingangs der Sitzung den Opfern des Erdbebens und des anschliessenden Tsunamis das Mitgefühl aller Grünen im Landkreis aus. Angesichts der Wucht dieser dramatischen Katastrophe zeige sich wieder einmal, wie verletzlich die menschliche Existenz sei.

Die Ereignisse in Japan machten deutlich, wo die Grenzen menschlichen Tuns lägen. In Bezug auf die aktuell laufende Diskussion um die Zukunft der Atomenergie machte Eder deutlich, dass sich zum wiederholten Male zeige, dass es keine von Menschen ersonnene und umgesetzte Technik geben könne, die fehlerfrei funktioniere. Ein ernsthafter Atomunfall, wie etwa das Beispiel Tschernobyl zeige, habe mit seinen mutmasslich Hundertausenden von Toten und auf viele Jahrhunderte unbewohnbaren Landstrichen ein solch gigantisches Ausmass, dass man von einer solchen Technologie Abschied nehmen sollte. Eine solche Haltung habe nichts mit Technikfeindlichkeit zu tun. Vielmehr handle es sich bei den von den Grünen favorisierten Alternativen im Bereich der Erneuerbaren Energien auch um Produkte hochkomplexer Technik. Auch die Stromerzeugung aus Windkraft oder Photovoltaik benötige Hochtechnologie. Allerdings seien diese Hochtechnologien wesentlich „schadensfreundlicher“ als die Atomtechnologie. Neben der Unfallgefahr müsse aber auch das ungelöste Problem der Endlagerung des Atommülls in Erwägung gezogen werden. Weltweit gebe es bis heute kein plausibles Konzept zur Lagerung des Atommülls. Diese Frage sei immer noch völlig offen. Eder bezweifelte, dass die Atomenergie wirklich so „billig“ sei wie von Befürwortern immer behauptet werde. Werder ein Atomunfall noch die Endlagerkosten würden heute „korrekt“ in die Stromgestehungskosten bei der Atomenergie „eingepreist“. Schliesslich könne niemand auch nur annähernd sagen, wie teuer letztlich ein Atomunfall komme und wie hoch die Kosten für eine Endlagerung des Atommülls ausfallen werden. Eder hob hervor, dass ein kurzfristiger Atomausstieg in Deutschland bereits heute ohne Engpässe bei der Energieversorgung und auch ohne Wohlfahrtsverluste möglich sei. Schon im Jahr 2017 könnte das letzte Atomkraftwerk in Deutschland stillgelegt werden. Die sieben ältesten Atomkraftwerke könnten sogar sofort endgültig abgeschaltet werden, ohne dass es eine Deckungslücke beim Stromverbrauch gebe. Aktuell liege der Stromverbrauch in Deutschland bei 80 Gigawatt pro Jahr. Die Leistung aller Deutschen Kraftwerke liege bei 96,3 Gigawatt. Schalte man die sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke mit ihrer Leistung von 8,4 Gigawatt ab, so verbleibe immer noch eine Leistung von 87,9 Gigawatt und damit eine Reserve von 7,9 Gigawatt. Der stellvertretende Grünen-Kreisvorsitzende Dr. Bernhard Zimmer forderte, dass der notwendige Umstieg auf Erneuerbare Energien beschleunigt werden müsse. In Bayern gebe es vor allem in Bereich der Windenergie noch erhebliche Defizite. Er könne die Kritik an der „Verschandelung der Landschaft“ durch Windkraftanlage durchaus nachvollziehen. Diese „optische Beeinträchtigung“ habe aber eine völlig andere Dimension als die Folgen eines Atomunfalls oder die ungelöste Frage der Atommüllendlagerung. Auch im Bereich der Energieeinsparung wären noch längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft. Zimmer regte aber auch an, sich über das derzeit gültige Wohlstandsmodell Gedanken zu machen, das Wohlstand lediglich über materiellen Wohlstand definiere. Materieller Verzicht könne durchaus gesellschaftlichen Gewinn bedeuten. Der Verzicht auf den Bau von Atomkraftwerken sei so ein Beispiel. Dr. Zimmer kündigte an, dass der Grünen-Kreisverband Berchtesgadener Land in den nächsten Wochen sich weiter intensiv um die Themen Atomenergie und Energiewende kümmern werde. Die „hektische Wende“ von Union und FDP in Sachen Atomenergie sei aus seiner Sicht nicht glaubwürdig und eher den aktuellen Wahlterminen als einer wirklichen inhaltlichen Umkehr geschuldet.

Von: eh
Kategorie: Kreisverband, Energie, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Transparenz, Umwelt