23.01.2016, 07:14 Uhr

Kreis-Grüne und Merkel einig:

Antibiotikaresistenzen wichtiges Menschheitsthema - stand auf der Agenda des G7-Gipfels - Missbrauch gefährdet auch Ihre Gesundheit !

Bereits am Anfang 2015 sich der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen mit dem Thema Antibiotikaresistenzen auseinandergesetzt. Nachdem dieses Thema es dann sogar auf die Agenda des G-7-Gipfels in Elmau geschafft hatte, wollten die Kreis-Grünen in einer weiteren Veranstaltung dieses Themas Bilanz ziehen und bewerten, was zur Bewältigung dieses Problems in diesem Jahr tatsächlich umgesetzt worden ist.

Grünen-Kreisvorstandsmitglied Edwin Hertlein wies in seiner Einleitung darauf hin, dass nach einer Studie der britischen Regierung derzeit rund 700.000 Menschen weltweit jedes Jahr an Antibiotikaresistenzen versterben. Für das Jahr 2050 rechne diese Studie mit rund zehn Millionen jährlichen Todesfällen weltweit, wenn die Resistenzentwicklung so weitergehe wie bisher. Diese Zahlen hätten sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel beunruhigt. Sie habe daraufhin vor der Weltgesundheitsversammlung 2015 geäussert: „Ich glaube, dies ist ein Thema, das von ausschlaggebender Bedeutung für die Menschheit insgesamt ist.“ Er sehe das, so Hertlein weiter, genauso. Allerdings seien dieser Erkenntnis bislang noch keine ausreichenden Taten gefolgt, um die dramatische Zunahme der Antibiotikaresistenzen nachdrücklich zu begegnen.

Dem pflichtete der Tierarzt Dr. med. vet. Maximilian Steinmaßl in seinem Referat zum Thema bei. Ein Grund dafür sei der massenhafte Einsatz von Antibiotika bei der Tiermast. In Tonnen gemessen habe der Einsatz von Antibiotika zwar leicht abgenommen. Bedenklich sei jedoch die Zunahme des Einsatzes sogenannter Reserveantibiotika. Diese würden dringend in der Humanmedizin benötigt, um bei zunehmender Antibiotika-Resistenz überhaupt Antibiotika zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen einsetzen zu können. Immer häufiger würden auch resistente Keime aus Fleischproben von Schwein, Pute und vor allem Hähnchen nachgewiesen werden. Nach Ansicht von Steinmaßl müssten endlich Maßnahmen zur Verringerung der Antibiotikamenge in der Tiermast umgesetzt werden. Neben einem Verbot für Reserveantibiotika in der Tiermast wäre etwa die Verwendung von robusteren Rassen und eine Verkleinerung der Gruppengrößen anzustreben, sowie eine Tierhaltung abhängig von der Größe der landwirtschaftlichen Fläche. Enttäuscht zeigte sich Steinmaßl vom bisherigen „Erfolg“ des Melderegisters zum Einsatz von Antibiotika in der Tiermast. Weil nicht alle Tierhalter die Menge der verwendeten Antibiotika meldeten, entstehe ein verfälschter Mittelwert. Jene Tierhalter, die keine Daten lieferten, würden als „Nichtanwender“ geführt. Dagegen drohe jenen Betrieben, die ihre Zahlen meldeten, behördliche Maßnahmen, weil sie statistisch plötzlich als „Großverbraucher“ geführt würden. Anstatt nun aber die Grundlagen für das Register zu verändern, habe Bundeslandwirtschaftsminister Schmid den Bundesländern untersagt, Parlamentsabgeordnete und Journalisten über Daten zum Antibiotikaeinsatz zu informieren. Der Internist Dr. med. Andreas Neubauer wies darauf hin, daß auch in der Humanmedizin zu viel Antibiotika verwendet würden. Bei Erkältungskrankheiten könne meist auf die Gabe von Antibiotika verzichtet werden, weil Antibiotika nur bei bakteriellen Infekten wirkten. Vielfach sähen sich die Ärzte in einer Art Zwickmühle, weil viele Patienten nach einem Arztbesuch auch ein Rezept erwarteten. Neubauer zeigte auf, dass in Deutschland in der Tiermast fast doppelt so viel Antibiotika eingesetzt werde wie in der Humanmedizin. Es gebe einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Art der Tierhaltung und der Häufigkeit von resistenten Keimen. In der Schweinemast könnten in Ställen mit mehr als 5.000 Tieren in mehr als 70 Prozent der Herden Antibiotika resistente Keime nachgewiesen werden. Dagegen wären bei ökologischer Tierhaltung nur in 13 Prozent der Herden Antibiotika resistente Keime nachzuweisen. Wie der Biobauer und Teisendorfer Grünen-Marktgemeinderat Matthias Spiegelsperger erläuterte, gelten in der biologischen Landwirtschaft für den Einsatz von Antibiotika viel strengere Richtlinien als bei der konventionellen Landwirtschaft. Im Krankheitsfall werde das kranke Tier isoliert und getrennt von der restlichen Herde behandelt. Zudem dürfe ein mit Antibiotika behandeltes Tier erst nach einer doppelt so langen Wartezeit geschlachtet werden wie in der konventionellen Landwirtschaft.

Von: Bernhard Zimmer

Kategorie: Kreisverband