12.05.2009, 13:53 Uhr

Containerterminal als „Fata Morgana“?

Nach Ansicht des Teisendorfer Grünen-Marktgemeinderates Edwin Hertlein handelt es sich beim geplanten Containerterminal eher um eine „Fata Morgana“ als um ein „Leuchtturmprojekt“.

Diesen Vergleich bemühte der Grünen-Mandatar auf der letzten Ortsversammlung der Ökopartei. Bekanntlich hatte Bürgermeister Franz Schießl den Begriff „Leuchtturmprojekt“ im Zusammenhang mit der von ihm befürworteten Ansiedlung eines Containerterminals in Marktgemeinde in die Diskussion gebracht. Hertlein begründete seinen Vergleich mit der jüngsten Entwicklung in der Angelegenheit. Immer mehr kristallisiere sich heraus, dass die Argumente für einen Containerterminal in Teisendorf „auf Sand gebaut“ wären. So habe eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Toni Hofreiter ergeben, dass die DUSS, ein Unternehmen, das in Deutschland rund 40 Containerterminals betreibt und Interesse an der Errichtung eines Containerterminal in Nussdorf bei Traunstein gehabt habe, seine Pläne inzwischen beerdigt hätte. Der Grund sei aus Sicht der DUSS ein zu geringes Potential an Containertransporten in der Region gewesen. Des weiteren sei ein Containerterminal in Burghausen inzwischen raumordnerisch genehmigt. Dort säßen mit Firmen wie OMV, Borrealis, Linde und Wacker Weltfirmen mit einem erheblichen Containeraufkommen. Dieses Containeraufkommen stehe damit für einen Standort  Teisendorf auch nicht mehr zur Verfügung. Weiter bezweifelt Hertlein, dass die von den Befürwortern angeführten Beispiele, bei denen die Errichtung eines Containerterminals zur Ansiedlung von weiteren Firmen geführt habe, ohne weiteres auf die Marktgemeinde zu übertragen wäre. In Ulm hätten schon vor der Errichtung eines Containerterminals Firmen wie Ratiopharm, die Drogeriemarktkette Müller, Daimler, Deutz, Siemens und Gardena, um nur einige dieser Firmen zu nennen, ihren Firmensitz mit zum Teil erheblichen Containerpotential gehabt. Die Stadt Ulm habe außerdem zusammen mit Neu-Ulm eine Einwohnerzahl von rund 170.000 Einwohnern. Damit könne sich Teisendorf wohl nur schwer messen lassen. Auch in Straubing habe es schon vor der Errichtung des Containerterminals große Firmen mit hohem Containeraufkommen gegeben. So gebe es dort ein großes Logistikzentrum der Post, Logistikzentren der Firmen Continental, Lidl, Kühne und Nagel, Bayern größte Ölmühle, sowie einen Hafen, in dem zuletzt mehr als 400.000 Tonnen an Getreide, Raps und Dünger umgeschlagen worden wäre. Das Gewerbegebiet, in dem der Containerterminal in Straubing errichtet werde, umfasse eine Fläche von 220 Hektar. Auch dieses Beispiel sei, so Hertlein, nicht auch Teisendorf übertragbar. Er kenne bislang kein Beispiel, das der Ausgangslage in Teisendorf entsprechen würde. Also die Errichtung eines Containerterminal in einer Gemeinde, aus der, oder aus deren näherer Umgebung, praktisch kein Containerpotential komme. Bemerkenswert sei weiter, dass in allen Gemeinden des Berchtesgadener Landes, in denen bislang über die Errichtung eines Containerterminals diskutiert wurde, dem Projekt eine Absage erteilt worden sei. Wenn tatsächlich, wie die Befürworter annehmen, von einem solchen Projekt enorme Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ausgehen, sei die Frage zu stellen, weshalb sich die anderen Gemeinden dieses Potential durch die Lappen gehen lassen wollten. Unverständlich findet Hertlein, dass Projekt trotz des erklärten Widerstandes der Anwohner und vieler Grundbesitzer immer noch weiter verfolgt werde. Zuletzt sei bei einer Informationsveranstaltung über das geplante Terminal von der anwesenden Bevölkerung nur Ablehnung zu vermelden gewesen. Auch gebe es den erklärten Willen einiger Grundbesitzer, für das Projekt keinen Grund zur Verfügung zu stellen. „Will man die denn enteignen?“, fragte Hertlein. Bei der ersten Präsentation des Projektes im Marktgemeinderat sei immer wieder erklärt worden, dass man ein Containerterminal nicht gegen den Willen der Grundbesitzer durchdrücken wolle. Hertlein weiter: „Was ist diese Aussage eigentlich wert?“ Anscheinend wolle man mit einer Art Salamitaktik die Grundbesitzer mürbe machen. Verständnis zeigt Hertlein auch für die Fragen der Anwohner nach möglichen Betreibern und Investoren. Die Anwohner hätten das Recht zu erfahren, ob es sich bei möglichen Investoren und Betreibern um seriöse Firmen handle und ob sich diese Firmen an Auflagen und Versprechungen halten würden. Auch in der Markgemeinde habe man in dieser Hinsicht schon negative Erfahrungen gemacht. Alles in allem, so Hertlein zum Schluß seiner Ausführungen, habe er den Eindruck, dass hier ein Projekt realisiert werden solle, das für Teisendorf um einige Nummern zu groß sei und auch nicht in die Marktgemeinde passe. Im Markgemeinderat gebe es zuweilen eine Stimmung, die man mit „think big“ beschreiben könne. Zuletzt habe sich diese Stimmung beim geplanten Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße von Kirchsteg nach Mehring bemerkbar gemacht. Ursprünglich hatte der Marktgemeinderat gegen die Stimmen der Grünen und eines weiteren Kollegen den Ausbau dieser völlig bedeutungslosen Straße für 290.000 Euro beschlossen. Später sei gar eine Summe von 400.000 Euro genannt worden. Nachdem ein Anlieger aber keinen Grund für diesen Straßenausbau hergeben wollte, sei schließlich eine bescheidenere Lösung mit 50.000 Euro Kosten beschlossen worden. Es sei zu hoffen, dass auch beim geplanten Containerterminal die Grundbesitzer den Gemeinderat zur Vernunft bringen. 

Von: eh
Kategorie: Kreisverband, Teisendorf, Infrastruktur