29.07.2015, 18:07 Uhr

Grüne setzen sich weiter für „Doppik“ ein

Die Grünen-Kreistagsfraktion bekräftigte ihre bereits im Jahr 2012 geäusserte Überzeugung, dass das bisherige Rechnungswesen im Landkreis möglichst zügig auf die sogenannte „Doppik“ umgestellt werden sollte. Im Oktober 2015 fällt nun endlich die Entscheidung!

In der letzten Kreistagssitzung wurde unter anderem der aktuelle Stand in Sachen Einführung der Doppik für den Kreishaushalt vorgestellt. Demnach soll in der Oktobersitzung eine grundsätzliche Entscheidung für oder gegen eine Einführung getroffen werden. Die konkrete Umsetzung ist dann für das Jahr 2020 geplant.

Grund genug für die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, sich ein weiteres Mal mit diesem Thema zu befassen. Die Grünen-Kreistagsfraktion bekräftigte ihre bereits im Jahr 2012 geäusserte Überzeugung, dass das bisherige Rechnungswesen im Landkreis möglichst zügig auf die sogenannte „Doppik“ umgestellt werden sollte. Wie Grünen-Kreistagsfraktions-Chef Dr. Bartl Wimmer auf der letzten Fraktionssitzung erläuterte, basiere das derzeit in den allermeisten Kommunen in Bayern angewandte Rechnungswesen, die „Kameralistik“, auf Methoden, die seit dem 17-ten Jahrhundert Anwendung fänden. Im „kameralistischen Rechnungswesen“ würden zahlungswirksame Vorgänge innerhalb eines laufenden Haushaltsjahres dokumentiert. Damit solle ein Abgleich zwischen Planung und Ausführung ermöglicht werden. Der entscheidende Nachteil dieser Methode sei, dass nur die Einnahmen und Ausgaben eines jeweiligen Haushaltsjahres abgebildet würden. Zukünftige Ausgaben wie Pensionsrückstellungen, Abschreibungen oder der Werteverzehr würden in diesem Verfahren aber nicht berücksichtigt. Deshalb sei schon im Jahr 2003 von der deutschen Innenministerkonferenz beschlossen worden, die „Kameralistik“ durch die sogenannte „Doppik“ zu ersetzen. Unter „Doppik“ sei die sogenannte doppelte Buchführung in jeweils eigenen Konten für Soll und Haben zu verstehen, erklärte Wimmer weiter. Dieses Verfahren sei jedem Wirtschaftsbetrieb in Deutschland geläufig. Der Vorteil dieses Verfahrens liege darin, dass man einen genauen Überblick über die Geld- und Sachvermögen, die Schuldenlast und den Wert der kommunalen Dienstleistungen einer Kommune erhalte. Wimmer räumte ein, dass die Umstellung auf die Doppik für den Landkreis viel Arbeit bedeute. Besonders die „Eröffnungsbilanz“, bei der sämtliche gemeindlichen Grundstücke und Gebäude samt Inventar erfasst und abschreibungsmässig bewertet werden müssten, sei mit erheblichem Aufwand verbunden. Nach der Umstellung bekomme der Landkreis aber ein viel realistischeres Bild über seinen wirtschaftlichen Status quo. Wimmer machte den Unterschied an einem Beispiel deutlich. Wenn ein Landkreis-Gebäude oder eine Kreisstraße fertig gebaut sei, tauche dieses Gebäude oder diese Straße in der „Kameralistik“ haushaltstechnisch normalerweise nicht mehr auf. In der „Doppik“ dagegen werde der jährliche Wertverlust eines Gebäudes oder einer Straße systematisch erfasst. So könnten Rücklagen über mögliche Neubau- oder Sanierungsmaßnahmen gebildet werden. Die „Doppik“ ermögliche so einen ständigen und transparenten Vergleich zwischen dem Schuldenstand und dem Realvermögen einer Kommune. Das ergebe mehr Planungssicherheit. Ausserdem lasse sich so besser dokumentieren, ob sich die Leistungsfähigkeit einer Kommune verbessert oder verschlechtert habe.

Grünen-Kreisrat Edwin Hertlein berichtete über die Erfahrungen der Marktgemeinde Teisendorf mit der Umstellung auf die Doppik. Seiner Ansicht nach sei der Haushalt durch die Umstellung viel leichter zu „lesen“. Die einzelnen Haushaltsposten würde viel transparenter dargestellt als in der Kameralistik. Man habe als Mandatar einen viel besseren Einblick darüber, wo die Gemeinde finanziell stehe. Deshalb hätten alle Redner aus der Marktgemeinde, die sich bei der Kreistagsdebatte über die Doppik zu Wort gemeldet hätten, sich positiv geäussert. Er könne nur hoffen, so Hertlein abschließend dass der Kreistag in der Oktobersitzung sich für die Einführung der „Doppik“ ausspricht. Immerhin hätten schon 30 Landkreise in Bayern ihren Haushalt auf „Doppik“ umgestellt

Von: Edwin Hertlein

Kategorie: Kreisverband