05.08.2013, 10:34 Uhr

Psychiatrie in Freilassing eine »Erfolgsgeschichte«

Elisabeth Hagenauer, Grünen-Stadträtin und stellvertretende Grünen-Kreistagsfraktionsvorsitzende, brachte es auf den Punkt: „Die Stimmung hat sich gedreht.“ Hagenauer spielte mit ihrer Bemerkung anlässlich eines Informationsbesuches einer Gruppe von Kommunalpolitikern von Bündnis 90/Die Grünen auf die Kritik von Teilen der Freilassinger Bevölkerung vor der Eröffnung der dezentralen stationären Psychiatrie in Freilassing an.

Ebenso auf den Umstand, dass am Anfang des Umstrukturierungsprozesses am Freilassinger Krankenhaus auch die Freilassinger Kommunalpolitiker noch nicht einhellig hinter der Einrichtung einer psychiatrischen Abteilung am Freilassinger Krankenhaus standen. Doch inzwischen, das konnte man auch den Ausführungen des Chefarztes der Psychiatrie, Dr. Rupert Müller, entnehmen, ist die Freilassinger Psychiatrie „eine Erfolgsgeschichte“. Die Psychiatrie sei eine Bereicherung für Freilassing, so der Mediziner, der von der Fachklinik Hirtenstein bei Bolsterlang nahe Oberstdorf nach Freilassing gekommen ist. Die 80 stationären Betten und die 15 teilstationären Therapieplätze sind bestens ausgelastet. Die Patienten kommen zu einem Drittel wegen Alkoholproblemen und zu einem weiteren Drittel wegen Depressionen in die Klinik. Das restliche Drittel verteilt sich auf eine ganze Reihe sonstiger Diagnosen. Insgesamt 100 Mitarbeiter betreuen die Patienten, die mittlere Verweildauer beträgt 22 Tage. Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Aerzten und mit dem sozialpsychiatrischen Dienst ist nach den Worten Müllers sehr gut. Kritisch sieht der Chefarzt die Arbeitsbelastung für das Personal. Die habe erheblich zugenommen. Deshalb würde er sich in nahezu allen Bereichen mehr Personal wünschen. Auch das Raumangebot könnte noch besser sein. Müller wünscht sich unter anderem mehr Gruppenräume für die therapeutische Arbeit. Die Fraktionsvorsitzende der Bezirkstagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Martina Neubauer, hob die positive Wirkung der Dezentralisierung der Psychiatrie auf das Ansehen der psychiatrischen Kliniken und deren Patienten hervor. Vor allem die gemeinsame räumliche Unterbringung mit somatischen Abteilungen helfe, die Stigmatisierung der Psychiatrie abzubauen. Neubauer befürchtet, dass mit der Einführung des neuen Entgeltsystems in der Psychiatrie auch dort sich der Konkurrenzkampf zwischen den Kliniken verschärfen werde. Vor allem sei möglicherweise mit einer Patientenverschiebung von Schwerstkranken hin zu den öffentlichen Häusern zu rechnen. In diese Kerbe schlug auch Grünen-Kreistagsfraktionschef Dr. Bartl Wimmer. Er halte die Einführung von Fallpauschalen in der Psychiatrie für einen Fehler. Nach der ausführlichen Diskussionsrunde zu Beginn des Informationsbesuches konnte sich die Grünen-Delegation unter Führung von Dr. Müller und des Verwaltungsleiters Stefan Bierwirth einen umfassenden Eindruck über das therapeutische Angebot und die Behandlungsmöglichkeiten der Psychiatrie Freilassing verschaffen.

Von: eh

Informierten sich über die Arbeit der Psychiatrischen Klinik Freilassing: Grünen-Stadträtin und -Kreisrätin Elisabeth Hagenauer, Grünen-Bezirkstagsfraktionsvorsitzende Martina Neubauer, Bezirkstagsdirektkandidatin Ilse Englmaier, Grünen-Kreisvorsitzender Prof. Dr. Bernhard Zimmer, Chefarzt Dr. Rupert Müller, Grünen-Kreistagsfraktionsvorsitzender Dr. Bartl Wimmer, Verwaltungsleiter Stefan Bierwirth.

Kategorie: Bartl Wimmer, Kreisverband, Bernhard Zimmer, Infrastruktur, Freilassing, Ortsverbände