16.08.2012, 20:51 Uhr

Grüne wollen an Energiewende konstruktiv mitarbeiten

»Für die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist die Energiewende das wichtigste und anspruchsvollste Projekt, das je im Landkreis Berchtesgadener Land zur Umsetzung vorgesehen war.« Dieser Satz war die zentrale Botschaft von Grünen-Kreistagsfraktionschef Dr. Bartl Wimmer anlässlich der letzten Sitzung der Grünen-Kreistagsfraktion.

»Die Grünen-Kreistagsfraktion werde dieses Projekt nach Kräften unterstützen und konstruktiv in dem gesamten Prozess mitarbeiten«, so Wimmer weiter. Dabei sei nach der Auftaktveranstaltung zur Erarbeitung eines Klimaschutzkonzeptes für den Landkreis völlig klar, dass in vielen Bereichen noch erhebliche Anstrengungen unternommen werden müssten, um das Ziel, die Energieversorgung im Landkreis bis zum Jahr 2030 ausschliesslich aus Erneuerbaren Energien umzustellen, erreichen zu können. Nach derzeitigem Sachstand sei man im Bereich der Mobilität noch am weitesten von diesem Ziel entfernt. Deshalb müssten hier die grössten Anstrengungen unternommen werden. Aus seiner Sicht gehe es hierbei vor allem darum, über eine kluge Orts- und Raumplanung möglichst viel Verkehr zu vermeiden. Die Errichtung von Einzelhandelsgroßprojekten auf der grünen Wiese sei in diesem Zusammenhang völlig kontraproduktiv. An zweiter Stelle stehe der massive Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Hier gebe es mit dem geplanten Projekt einer Regional Stadtbahn für den Raum Berchtesgadener Land, Traunstein und Salzburg einen viel versprechenden Ansatz. Von einer konkreten Realisierung sei man allerdings im Moment noch meilenweit entfernt. Klar sei, dass ein solches Projekte enorme finanzielle Mittel verschlingen werde. Finanzielle Mittel, die an anderer Stelle eingespart werden müssten. Aus Sicht Wimmers sollten deshalb vor allem die im Landkreis derzeit geplanten Straßenbauprojekte wie der sechsspurige Ausbau der A 8 oder der Kirchholztunnel auf den Prüfstand. Es müsse versucht werden, finanzielle Mittel, die beim Verzicht auf diese seiner Meinung nach überdimensionierten und verzichtbaren Projekte frei würden, in die Finanzierung des Regional Stadtbahn Projektes umzuleiten. Und schliesslich gehe es beim Verkehr darum, den Individualverkehr zumindest zu einem großen Teil auf Elektromobilität umzustellen. Nach den derzeitigen Prognosen werde bis zum Jahr 2030 allerdings nur ein kleiner Teil der Fahrzeugflotte in der Bundesrepublik auf einen elektrischen Antrieb umgestellt sein. Es werde also darum gehen, ob man diesen Prozess im Berchtesgadener Land nicht beschleunigen kann. Im Bereich Wärme sei nach derzeitigem Stand nicht unbedingt damit zu rechnen, dass bis zum Jahr 2030 ein Komplettumstieg auf Erneuerbare Energien gelingen werde. Um hier voranzukommen könne er sich ein ambitionierteres Vorgehen bei den Wärmedämmvorschriften in der Bauleitplanung bei Neubauprojekten vorstellen. Am meisten Handlungsbedarf sieht Dr. Wimmer aber beim Gebäudebestand. Er begrüsse es daher, dass der Landkreis bei der Sanierung des Karlsgymnasiums mit gutem Beispiel vorangehe und erhebliche Summen in die Wärmedämmung investiere. Auch bei anderen kommunalen Gebäuden, etwa bei den Wohnungen des Wohnbauwerkes, sollte entschlossen in die Wärmedämmung investiert werden. Bei der Wärmeerzeugung biete sich vor allem die Nutzung von Sonnenkollektoren an. Aber auch Holz sei in einer waldreichen Region wie dem Berchtesgadener Land ein sinnvoller Rohstoff zur Wärmeerzeugung. Biogasanlagen mit Kraft/Wärmekoppelung zur Entsorgung von landwirtschaftlichen Reststoffen wären eine weitere Alternative. Am nächsten dran an der Erreichung des Ziels zur Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien sei der Landkreis wohl im Bereich der Stromerzeugung. Allerdings nur dann, wenn alle derzeit angedachten Projekte auch wirklich umgesetzt werden könnten. Am meisten Handlungsbedarf hat Dr. Wimmer dabei bei der Nutzung der Windenergie ausgemacht. Hier sei der Landkreis Berchtesgadener Land noch absolutes Schlusslicht in Bayern. Dass durchaus auch in unserer Region genügend Windpotential vorhanden sei, belege der Nachbarlandkreis Traunstein. Dort drehten sich immerhin schon fünf große Windkraftanlagen. Auch in anderen Regionen Bayerns gebe es diesbezüglich im Moment erhebliche Aktivitäten. So sei unter anderem in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Starnberg, Dachau und Ebersberg die Errichtung von Windkraftanlagen geplant. Zum Teil würden diese Projekte auch von den Kommunen selbst vorangetrieben, etwa durch die Gemeinde Berg am Starnberger See.

Von: eh
Kategorie: Kreisverband, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Energie