18.07.2011, 15:29 Uhr

Energiewende im Berchtesgadener Land

Bereits im Jahr 2001 hat der Kreistag den Beschluß gefasst die Energieversorgung im Landkreis auf 100% regenerative Energieträger umzustellen. Im letzten Jahr hat ein Zwischenbericht im Kreistag aufgezeigt, dass die bislang erzielten Erfolge primär auf das bürgerschaftliche Engagement (Agenda 21) und private Initiativen zurückzuführen ist. Soll das Ziel erreicht werden, müssen erhebliche Anstrengungen unternommen werden.

Das Ziel von Bündnis90 / Die Grünen im Berchtesgadener Land ist es, zuerst regionale Einsparungs- wie Erzeugungspotenziale zu nutzen, um die Wertschöpfung des Energiesektors in den ländlichen Raum zurückzuholen.

Aus diesem Grund wurde vom KV BGL auch das in Freilassing geplante Biomassekraftwerk, welches bei sehr hoher Energieausnutzung im Verbund mit den Salzburgern betrieben werden sollte unterstützt. Das Projekt ist an einem Bürgerentscheid in Freilassing leider gescheitert.

Die Diskussion rund um die Biomassenutzung, aber auch die nun begonnene Diskussion um die Nutzung der Wasserkraft an der Salzach zeigen die Schwächen im Berchtesgadener Land deutlich auf: es fehlt eine landkreisweite Analyse der Erzeugungs- und Rohstoffpotenziale auf Basis derer man unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger Projekte entwickeln und dann auch umsetzen kann.

Die Schaffung der Grundlagen, eine Analyse der Rohstoffpotenziale sowie die Aufstellung einer fortschreibbaren CO2-Bilanz unter breiter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger muss Priorität vor der Diskussion von Einzelmaßnahmen haben. Deshalb unterstützen die Grünen Aktivitäten des Landkreises, wie beispielsweise die Erarbeitung eines Klimaschutzkonzeptes für den Landkreis oder die aktive Beteiligung an einem Projektantrag im Rahmen des Programmes „Intelligent Energy Europe (IEE)“ und hoffen, dass beide Projekte von den Förderstellen bewilligt werden.

In beiden Projekten, die aufeinander aufbauen, ist die Bürgerbeteiligung ein wesentliches Element.

Die derzeitige Diskussion um die Wasserkraftnutzung an der Salzach sehen die Grünen sehr kritisch, da hier nach altem Muster verfahren wird. Die Grundlagenermittlung und Risikoabschätzung sowie deren Kosten soll die öffentliche Hand tragen und die Umsetzung kann dann wieder ohne Bürgerbeteiligung erfolgen. Viele wesentliche Fragen sind noch offen, die geklärt werden müssten.

Nachhaltige regionale Energieerzeugung braucht eine objektive Betrachtung und Abwägung aller Effekte und keinen Aktionismus.

Wer nun, wie die CSU, nach jahrzehntelangem Gesundbeten der Kernkraftnutzung in Bayern und einer rasanten Kehrtwende um 180 Grad nun wieder vor allem Großanlagen fördern möchte und den hemmungslosen Ausbau z.B. der Wasserkraft vorschlägt, hat die Chance einer nachhaltigen regionalen Wirtschaftsentwicklung mit Bürgerbeteiligung offensichlich nicht durchdrungen.

Von: bz

Mit den MdL Anne Franke und Ludwig Hartmann (energiepolitischer Sprecher) an der Salzach in Triebenbach

Kategorie: Kreisverband, Energie, Nachhaltigkeit, Umwelt