09.02.2015, 17:09 Uhr

Innovativ, produktiv, der Umwelt verpflichtet

Der Berchtesgadener Talkessel hat nicht nur den Watzmann zu bieten, sondern auch eine ganze Reihe von innovativen und leistungsfähigen Unternehmen, deren Produkte in aller Welt zu Hause sind. Unter anderem die "psm protech". Bei einem Ortsbesuch erläuterte die geschäftsführende Gesellschafterin Irene Wagner der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die jüngere Geschichte des Vorzeigeunternehmens aus Marktschellenberg.

Hinter dem Namen "psm protech", unter dem sich die meisten Einheimischen wahrscheinlich nichts Konkretes vorstellen können, verbirgt sich ein Feinmechanikunternehmen, das als Zulieferer wichtige Bauteile für die Automobilindustrie herstellt.

Bei einem Ortsbesuch erläuterte die geschäftsführende Gesellschafterin Irene Wagner der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die jüngere Geschichte des Vorzeigeunternehmens aus Marktschellenberg. 2010 hat die umtriebige Geschäftsfrau zusammen mit ihrem Mann, der dann einige Monate später leider verstarb, die insolvente Thielen Feinmechanik übernommen. Und hat das Unternehmen unter neuem Namen schnell in die Erfolgsspur gebracht. Kein Wunder: Als ehemalige General Managerin von Fiat Deutschland hat sie ihr Handwerk von keinem geringeren als von einem der erfolgreichsten Manager der Gegenwart gelernt: Sergio Marcionne.

In kürzester Zeit konnte die Zahl der Beschäftigten von 145 auf 230 an den beiden Produktionsstandorten Marktschellenberg und Zalaegerszeg in Ungarn erhöht werden. Der Auftragsbestand hat sich in den letzten Jahren nahezu verdreifacht. Wichtige Schlüsselkunden sind unter anderem die Firmen Bosch und Continental. Gefertigt werden hochkomplexe und äusserst präzise Stanz- und Kunststoffspritzteile, Hybridteile aus Metall und Kunststoff, sowie ganze Baugruppen. Zum Einsatz kommen die Bauteile beispielsweise in Abgasrückführungssystemen von Otto- und Dieselmotoren, oder in elektrischen Lenksystemen.

Grossen Wert wird auf die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelegt. „Das ist unser wichtigstes Kapital“, ist Wagner überzeugt. Deshalb wurde ein eigenes Schulungszentrum am Hauptsitz in Marktschellenberg gebaut. Außerdem engagiert sich Wagner im Beirat des Schülerforschungszentrums, das sie für „einen echten Leuchtturm“ hält. Daneben wird ständig an der Optimierung der Produktionsprozesse gearbeitet, um die Wertschöpfung der Produktion zu erhöhen.Gleichzeitig wurde die letzten Jahre auch ständig der Materialverbrauch und damit die Umweltbelastung reduziert.

Nach der Vorstellung ihres Unternehmens hatte Irene Wagner, die seit letztem Jahr auch Vorsitzende der IHK Berchtesgadener Land ist, eine Reihe von Vorschlägen in Richtung Politik parat. Sie halte unter dem Eindruck des demographischen Wandels eine andere Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik als derzeit betrieben für dringend geboten. Es sei falsch zu glauben, die meisten Flüchtlinge wären Armutsflüchtlinge. Vielen von Ihnen wären hochqualifiziert oder hätten grosses Potential, um eine Ausbildung zu starten. Diese Menschen müssten dringend schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden.

In Sachen Mindestlohn beklagte Wagner, dass die Ausführungsbestimmung in vielen Bereichen „katastrophal“ seien. Generell halte sie einen Mindestlohn für sinnvoll. Wenn aber den ungarischen Mitarbeitern, wenn sie zu Schulungen nach Marktschellenberg kämen, der gleiche Mindestlohn gezahlt werden müsse, wie in Deutschland üblich, bringe das Unfrieden in die Belegschaft des ungarischen Standortes. Das dortige Lohngefüge sei wesentlich niedriger als das in Marktschellenberg. Im Endeffekt führe der Mindestlohn dazu, dass künftig keine ungarischen Mitarbeiter mehr zur Aus- und Weiterbildung nach Marktschellenberg kämen. Auch bei der Rente mit 63 sieht Wagner mehr Nach- als Vorteile. Gute Fachkräfte verliessen das Unternehmen und Know-How gehe verloren. Sinnvoller wäre hier, wie beim Mindestlohn, eine flexiblere Lösung, bei der Rentner stundenweise ohne Abzüge weiter im Betrieb mitarbeiten könnten.

Außerdem seien die Strompreise im Vergleich zu den Wettbewerbern, etwa in Frankreich, zu hoch. Auch setzte sich Wagner für den Ausbau der A 8 ein und forderte mehr Engagement in Sachen schnelles Internet. Eindeutig bekannte sich die Unternehmerin zur Frauenquote in der Führungsetage von Wirtschaftsunternehmen. Die jetzt verabschiedete Lösung sei ein „Quötchen“.

Während die Grünen-Delegation die meisten Vorschläge der Firmenchefin begrüsste, gab Grünen-Kreisvorsitzender Bernhard Zimmer zu bedenken, dass die hohen Strompreise unter anderem der Befreiung vieler Großbetriebe von der Ökostromumlage geschuldet sei, sowie dem Umstand, dass die niedrigen Börsenpreise der Erneuerbaren Energien nicht auf die Stromkunden umgelegt würden. So müssten die mittelständischen Unternehmen letztlich für die Rabatte der Großunternehmen zahlen.

Im Anschluss an den intensiven Gedankenaustausch besichtigte die Grünen-Delegation grosse Teile der Betriebsanlagen.

Von: Edwin Hertlein

Irene Wagner (zweite von links) erläutert der Grünen-Delegation, hier im Bild links neben Frau Wagner Franz Eder, Sabine Wimmer, die stellvertretende Landrätin Elisabeth Hagenauer und Edwin Hertlein (von links nach rechts) die Produktpalette ihres Unternehmens.

Kategorie: Kreisverband