17.08.2017, 14:34 Uhr

Grüne fordern die Potenziale in der Biosphäre besser zu nutzen !

Es tut sich zu wenig bei den "hot spots" in der Entwicklungszone der Biosphärenregion Berchtesgadener Land. An der Salzach zeigen die Salzburger was möglich wäre, wenn man will und der politische Wille vorhanden ist.

Das Berchtesgadener Land ist etwas Besonderes, kaum ein Landkreis in Bayern hat mehr kartierte und über das Naturschutzgesetz geschützte Biotope und Schutzgebiete. 41,9 % der Landkreisfläche sind es laut der 2014 abgeschlossene Aktualisierung des Arten- und Biotopschutzprogramms. Grund genug für Sigi Hagl, Landesvorsitzende der bayerischen Grünen den Landkreis zu besuchen und sich vor Ort zu informieren.

„Die Biosphärenregion Berchtesgadener Land wurde bereits 1990, vor fast 30 Jahren von der UNESCO als Biosphärenreservat international anerkannt und 2010 nach Norden auf den gesamten Landkreis ausgedehnt“ schilderte Dr. Bernhard Zimmer, Sprecher der Grünen im Berchtesgadener Land der Landesvorsitzenden die Situation. Das Berchtesgadener Land gehört damit in Gänze zum weltumspannenden Gebietssystem, das sämtliche Landschaftstypen der Welt beispielhaft abbildet, hier den Ausschnitt einer Natur- und Kulturlandschaft im Alpenraum. Eine Besonderheit ist, dass die Kernzone vollständig im Nationalpark Berchtesgaden liegt und die notwendige Pufferzone die Pflegezone des Nationalparks plus zwei Naturschutzgebiete umfasst. Dies bedeutet, dass sich die Projekte der Biosphärenregion leichter auf die „Hot Spots“ in der Entwicklungszone, wie die Auwälder entlang der Saalach und Salzach konzentrieren könnten, was aber bedauerlicherweise nicht der Fall ist. „Der Dornröschenschlaf der Biosphäre entlang der Salzach ist politisch gewollt, denn bekanntermaßen kämpfen der Landrat sowie die CSU vor Ort mit Vehemenz gegen eine Renaturierung der Salzach wie sie im Leitbild der Arten- und Biotopschutzprogrammes dargelegt ist“ vermutet Zimmer.

Mit dem Radl haben sich die Landkreisgrünen gemeinsam mit Sigi Hagl deshalb in Freilassing auf den Weg zu den Nachbarn in Salzburg gemacht. Ziel war der Mündungsbereich der „Saalachspitz“ dort wo die Saalach in die Salzach fließt. Dort haben unsere Nachbarn auf der Salzburger Seite längst begonnen ihre Vision vom „Naturpark Salzachaue“ umzusetzen. Beeindruckende Bilder entstehen dort, wo der Fluss nun seine Ufer wieder selbst gestaltet, weil man es zulässt. „ Das hat nichts mit Naturromantik zu tun, sondern intakte naturnahe Auwälder sind eben ein wesentlicher Beitrag zum Hochwasserschutz. Gerade die Oberläufe sind hier von entscheidender Bedeutung“ betont Sigi Hagl, die sich einerseits freut, dass es in Österreich gelungen ist umzusteuern, sich aber andererseits schon verwundert zeigt, dass auf bayerischer Seite so wenig passiert. „Das Zertifikat „Biosphäre“ ist schließlich auch eine Verpflichtung für den Landkreis die Ziele des UNESCO-Programmes aktiv zu verfolgen.“ Die Grünen sind deshalb fest entschlossen hier auch mit grenzüberschreitenden Initiativen aktiv zu werden.

Der gesamte geschlossene Auwaldgürtel entlang von Salzach und Saalach ist aufgrund der Größe und Struktur, aber auch als Lebensraum hoch bedrohter Arten überregional also bayernweit bedeutsam. „Die Salzach einer der wenigen Flüsse, die auf großer Strecke keine Querbauwerke haben, hat ein besonders hohes Potenzial zur Renaturierung“ betont Wolfgang Fieweger von den Freilassinger Grünen, der sich schon seit Jahrzehnten für mehr Naturnähe an der Salzach einsetzt. Die letzten Hochwasserereignisse hätten doch deutlich gezeigt, dass ein „weiter so“ nicht zukunftsfähig sein kann. Kreisrätin Elisabeth Hagenauer ergänzt, dass es dem Landkreis, welcher der lebenswerteste Wirtschaftsraum werden möchte gut anstände sein Alleinstellungsmerkmal „Naturräume“ konsequent zu entwickeln. „Dazu braucht es aber ein Umdenken bei den politisch Verantwortlichen vor Ort sowie ein Bekenntnis zu den eigenen Zielen. Anstatt an Dinosaurierprojekten festzuhalten sollte man eine gemeinsame, grenzüberschreitende Vision entwickeln“ ergänzt Hagenauer.

Kreisrat und Forstwissenschaftler Dr. Bernhard Zimmer erkennt in der Umsetzung der Strategie der „weichen Ufer“, wie sie sowohl an der Saalach als auch an der Salzach sichtbar werden, dass sich etwas bewegt. Ein Blick hinüber zum bayerischen Ufer bei Freilassing lässt erkennen, dass man der Salzach mehr Raum geben will, aber für den großen Wurf braucht es einen Wechsel in der Politik. Das war das Stichwort für Sigi Hagl,: „Die CSU hat für die wesentlichen Zukunftsthemen wie Klimaschutz, Mobilität oder den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft keine Ideen und Konzepte. Wer die Kultur- und Naturlandschaft erhalten will, so wie sie im Berchtesgadener Land noch vorhanden ist, muss Neues Denken zulassen.“

Von: Bernhard Zimmer

Kategorie: Kreisverband