11.01.2016, 08:05 Uhr

Grüne besichtigen Kehlsteinwege

Anlässlich einer Ortsbesichtigung erläuterte Grünen-Kreistagsfraktionschef Dr. Bartl Wimmer seinen Fraktionskollegen den derzeitigen Sachstand in Sachen der von der Bayerischen Staatsforstverwaltung geplanten Sanierung der Kehlsteinwege.

Wie Dr. Wimmer erläuterte, seien die Wege nach 1937 durch rund 3.500 Arbeiter erbaut worden. Die Wege seien in der Regel 2,50 Meter breit und wären damals sehr sorgfältig in die Landschaft eingebaut worden. Zum Teil seien beidseitige Randsteine und Stützmauern, sowie Wasserableitungen angelegt worden. Als Oberbau sei eine Teerdecke aufgebracht worden. Dieser Teer enthalte sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), was aus heutiger Sicht problematisch sei. Eine Freisetzung dieser PAK´s könne die Umwelt gefährden.

 

Im Jahr 2009 seien Pläne der Bayerischen Staatsforstverwaltung bekannt geworden, einen großen Teil des rund 13 Kilometer langen Streckennetzes zu Forststraßen umzubauen. Als dann im Jahr 2014 die Pläne zur Umsetzung vorgestellt worden wären, habe in der Berchtesgadener Bevölkerung großes Entsetzen geherrscht. Nach den damals vorgestellten Plänen hätte die Teerdecke auf den 13 Kilometern Kehlsteinwege entfernt und durch eine Kiesdecke ersetzt werden sollen. In wesentlichen Bereichen hätten die bestehenden Wege erheblich verbreitert werden sollen, um ein Befahren mit 40-Tonnen-LKW´s zu ermöglichen.

 

Daraufhin habe sich eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Kehlsteinwege gegründet. Wie sich die Forstverwaltung diesen Ausbau vorstellte, konnte die Grünen-Kreistagsfraktion an einem Teilstück an Ort und Stelle in Augenstein nehmen. Das Teilstück ist deutlich breiter als die restlichen Kehlsteinwege. Viele Hangbereiche mussten wegen der Verbreiterung angeschnitten werden, so dass mittelfristig mit Hangrutschungen zu rechnen ist. Dr. Wimmer hält dieses Ausbaukonzept für wesentlich umweltschädlicher, als wenn der Teer an Ort und Stelle belassen und mit einer Asphaltschicht versiegelt würde. Diese Art der Behandlung von alten Teerstrassen sei auch unter anderem vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz empfohlen worden. Warum der von der Bayerischen Staatsforstverwaltung beauftragte Gutachter zu dem Schluss gekommen sei, dass eine völlige Entfernung der Teerdecke aus ökologischer Sicht besser sei, sei ihm völlig unverständlich. Wenn diese Vorgehensweise angezeigt wäre, stelle sich die Frage, weshalb nur im Bereich der Staatsforstverwaltung so vorgegangen werden solle, und nicht auf allen Kehlsteinwegen. So sei weder auf der Kehlsteinstrasse selber ein solches Vorgehen geplant, noch im Bereich der vom Dalsenwinkel zum Kehlstein führenden Wege. Und wenn das Teermaterial so gefährlich sei, stelle sich die Frage, weshalb nicht schon längst im Bereich der Staatsforstverwaltung etwas unternommen worden sei. Auch der Umgang mit dem Teermaterial aus dem bereits sanierten Abschnitt werfe Fragen auf. Wochenlang sei das Material offen am Ofner Bogen in der Nähe der Ausbaustrecke unter freiem Himmel gelagert worden. Und ob das Material inzwischen ordentlich entsorgt worden sei, könne niemand mehr feststellen. Er gehe davon aus, dass ein Abtragen der Teerschicht wesentlich mehr Umweltschäden hervorruft als das Aufbringen einer Asphaltschicht.

 

Zum aktuellen Stand merkte Dr. Wimmer an, dass nach mehreren Gesprächsrunden und einer Ortsbesichtigung ein Kompromissvorschlag erarbeitet wurde. Der sehe vor, dass acht Kilometer des Wegenetzes nun komplett aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen würden. Nur mehr auf fünf Kilometern Länge sei ein Ausbau vorgesehen. Zudem soll eine weiteres Gutachten klären, welche Art der Sanierung, also Entfernung der Teerdecke oder Versiegelung durch eine Asphaltschicht, umweltverträglicher ist. Insbesondere im Bereich zwischen Scharnitzkehl und Ligeretalm kommt für Dr. Wimmer ohnehin nur eine am Bestand orientierte Sanierung ohne Verbreiterung in Frage.

 

Der Grünen-Kreistagsfraktionschef lobte zum Abschluss seiner Ausführungen den Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer. Dieser habe sich bei den Gesprächen und bei der Besichtigung sehr offen für die Vorschläge der Bürgerinitiative zur Erhaltung der Kehlsteinwege gezeigt. Wie es endgültig mit den Kehlsteinwegen weitergeht wird wohl im Laufe dieses Jahres entschieden, wenn die Ergebnisse des zweiten Gutachtens vorliegen.


Die Delegation der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen beim Ortstermin zur Besichtigung der Kehlsteinwege (von links nach rechts): Franz Eder, Dr. Bartl Wimmer, stellvertretende Landrätin Elisabeth Hagenauer, Winfried Köpnick, Edwin Hertlein, Marlies Moderegger, Sabine Wimmer, Dr. Bernhard Zimmer, Albert Aschauer.

Kategorie: Kreisverband