14.09.2009, 10:09 Uhr

Sepp Daxenberger und das „letzte Well-Aufgebot“

Sepp Daxenberger sagte, was er immer sagt: Dass es die Grünen schon lange gewusst hätten, dass man sie vor 25 Jahren ausgelacht und verspottet habe. Nun aber seien ihre Themen auch bei den anderen angekommen. Selbst bei der CSU. So ganz allein verlassen auf die Zugkraft des grünen Urgesteins wollten sich die Kreis-Grünen diesmal nicht und hatten Hans Well von der Biermösl-Blos'n eingeladen. Und der brachte gleich noch ein paar Familienmitglieder mit zum Steinbrünninger Herbstfest, zum Abend mit dem Titel „Politik und Kultur“.

Über all die anderen Parteien verlor Sepp Daxenberger kein Wort; die CSU ist für den Landtagsgrünen das Maß der Dinge. Dass man mit der Besucherzahl mithalten könne im Vergleich zur CSU-Veranstaltung zwei Tage zuvor, war dann doch etwas schöngeredet.  Dass die Stimmung besser sei, damit hatte er ganz sicher recht. Was aber weniger an der Politik lag, als an den Gästen. Hans Well, der älteste der drei Brüder von der Biermösl-Blos'n, ist mit Sepp Daxenberger befreundet. Nur deshalb trete er bei seinen Veranstaltungen auf, verriet er der Heimatzeitung, für Parteien musizierten er und seine Brüder nicht. „Vor einem Jahr – oder war's ein Monat? – hat mich der Sepp angerufen und angefragt“, erzählte Hans Well den Besuchern. Jedenfalls war es irgendwie in Vergessenheit geraten, innerhalb zweier Tage musste er sich nun etwas einfallen lassen. Er nannte es „Well-Rest oder das letzte Aufgebot“, was er nach Steinbrünning mitgebracht hatte: seinen „übernächsten älteren Bruder“ Helmut, der als Schreiner die steirische Quetsch'n im Drei-Finger-System spielt, dessen Frau Silvia mit dem Schäfflerbass und seine fast 90-jährige Mutter. „Was, da Sepp is' dort“, soll sie gesagt haben, „da fahr' i mit“. Gertraud Well beherrscht die Zither. „Sie mag die schnellen Stückerl“, scherzte Helmut, da kommt's so richtig in Fahrt.“

Hans Well richtete herzliche Grüße von Horst Seehofer aus. „Es geht ihm schon besser.“

Die minutenlange Eingangsfrage: „Seid's alle da? ... Schwarze und Greane ... Ehrliche und Baubeamte ... evangelische und echte Pfarrer ... Berchtesgadener und Pazifisten ... „

Lautstarkes „Ja“ aus der Halle. Überhaupt gab es einiges mitzusingen, etwa über jene Zeitgenossen, die „fünf Minuten später“ ganz anders reden als zuvor.

Der Horst Seehofer sei so einer, meint Sepp Daxenberger, der vertrete am Nachmittag das Gegenteil von dem vom Vormittag. Überhaupt finde man bei der CSU alle Meinungen und das Gegenteil davon; und sie habe für alle Positionen ihre Leute: Für und gegen Donauausbau. Für Sonnenstrom und für Atomlobby. Für den freien Markt und für das staatliche Füllhorn. Für Genkonzerne und für die kleinen Bauern. „Und das Volk glaubte jedes Wort“, berichtete der Psalmist Hans Well in seiner „Lesung“. Aus Horst dem Frommen und Demütigen sei schließlich Horst der Hochmütige geworden – der seine Jünger demütige.

Die Bauern liegen dem Bauern Daxenberger besonders am Herzen, so sagt er. „Sie sind inzwischen auch nicht mehr brav. Sie kämpfen, weil sie gemerkt haben: wenn wir es jetzt nicht packen, sind wir endgültig verloren.“ Es gehe nicht nur um den einzelnen Hof, sondern um unsere gesamte Region. „Wenn es die Milchbauern nicht mehr gibt, wird dieses Land in wenigen Jahren nicht wieder zu erkennen sein.“ Bei uns werde Geld verdient nicht in der Landwirtschaft , sondern mit der Landwirtschaft. „Subventionierte Unvernunft“ nennt es Daxenberger, die die großen Konzerne noch fetter mache. Mit Soja aus dem Urwald produzierte Milch sei heute billiger als jene vom Gras hinterm Stall. „Wie verrückt kann eine Gesellschaft sein, die das normal findet?“, fragte er.

Vom Bauer Jackl sang Hans Well, der im Internet die Agrarsubventionen studiert und gemerkt hat, dass E.on und Lufthansa mehr bekommen als er. Dann ist der los mit dem Ochsenfiesl zum Seehofer und zu Minister Brunner und hat aus dessen Allerwertesten auch noch den Sonnleitner rausspechten sehen.

Das Mantra des Sepp Daxenberger: „Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben“. Dass die Financial Times Deutschland zur Europawahl empfohlen hatte, Grün zu wählen, macht ihn stolz. In der gegenwärtigen Finanzpolitik erkennt er ein Perpetuum-Mobile: Steuern nicht erhöhen, kräftig investieren und gleichzeitig Schulden abbauen. Er sieht in den gegenwärtigen Verwerfung nicht nur eine vorübergehende Finanz- und Wirtschaftskrise, sondern ein Systemkrise. „Vor einer Wahl versprechen sie alles Mögliche“, kritisierte er die Kollegen. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende verspricht nur soviel: dass man gegen den Klimawandel kämpfen werde und die Lasten nicht auf künftige Generationen verschieben wolle. Jedenfalls: „Wir Grüne haben die richtigen Fragen und die richtigen Antworten“. Grüne-Positionen seien in der Gesellschaft längst mehrheitsfähig; daran hat Daxenberger keinen Zweifel. Nur bei den Wahlen, da sei es leider noch nicht so weit.

Dass dies am 27. September anders sein werde, hofft Dr. Bernhard Zimmer. Der Professor für Holztechnik ist 3. Bürgermeister in Piding und Grüner-Direktkandidat des heimischen Wahlkreises. „Es ist ein sportliches Ziel, den Peter Ramsauer auf die hinteren Bänke des Bundestages zu verweisen.“  Zimmer hatte eine riesige hölzerne Sonnenblume mitgebracht, die allerdings auf einer Seite weint. Weil der „Klimaschutz Pause macht“, weil  zu wenig für Nachhaltigkeit und regenerative Energien getan werde, und weil die Autobahn A8 sechsstreifig ausgebaut werden soll. „Eine solche Hochgeschwindigkeitsstrecke brauchen wir nicht“, ist der Forstwirt überzeugt, „und bei dieser Diskussion stehen zu viele Lügen im Raum.“ Er kündigte an, dass das Stoißer-Achen-Tal ein zweites Isental werden wird. Dort hatte jahrezehntelanger Protest versucht, einen Autobahnbau zu verhindern. Übrigens auch mit Unterstützung der Biermösl-Blos'n. Jedoch am Ende vergeblich.

Nur einmal an diesem Abend waren politische Farbenspiele Thema: Die Warnung vor Schwarz-Gelb, die die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängern wollten. „Bezeichnend, dass das Symbol für Radioaktivität ebenfalls schwarz und gelb ist“, meinte Bernhard Zimmer verschmitzt. Sepp Daxenberger sagte gar nichts zu Rot, Dunkelrot und Gelb, zu Ampel oder Jamaika. Auch nicht, warum sich der Wähler wieder Rot-Grün wünschen sollte.

 

Von: höf

Sepp, Mutter, B. Zimmer:

Kategorie: Kreisverband