07.02.2014, 09:27 Uhr

Der Countdown läuft

Noch sechs Wochen, dann stehen im Talkessel die Gemeinderatswahlen an – Anlass für die Berchtesgadener und Bischofswieser Grünen sich über Mehrgenerationsprojekte vor Ort zu informieren. Rund 20 KandidatInnen der beiden Gemeinden, darunter die Spitzenkandidaten Dr. Bartl Wimmer und Michael Sturm, ließen sich das sozial-kulturelle Projekt zur Neubelebung des Rosenhofes vorstellen und besuchten anschließend das Werk34.

Grüne Sozialpolitik heißt: Das Berchtesgadener Tal muss ein lebenswertes Umfeld für alle Generationen bieten. Wie man alle Generationen auch unter dem Aspekt Inklusion unter ein Dach bekommen könnte, skizzierte Projektleiterin Nabila Irshaid mit ihrer Idee von einem sozial-kulturellen Projekt Rosenhof. Gemeinsam mit dem Königsseer Architekten Ralf Weissheimer entwarf die Salzburger Künstlerin eine Vision, wie der derzeit verfallende Rosenhof in Berchtesgaden wieder zum Leben erweckt werden kann.

„Wir finden, dass das Areal ein idealer Standort ist, um Nutzungen für Menschen aller Generationen zu verbinden“, sagte Nabila Irshaid. Den beiden Initiatoren schwebt vor, die zum Teil denkmalgeschützten Gebäude mit unterschiedlichen Funktionen wiederzubeleben: So könne das ehemalige Hotel zum Beispiel als ein so genanntes Embrace-Hotel mit Gastronomie von behinderten und nichtbehinderten Menschen bewirtschaftet werden. Für die anderen Gebäude könne sich Irshaid einen Kindergarten und Hort mit Inklusion, ein Mehrgenerationenwohnhaus, eine Hebammenpraxis oder Geburtshaus, Werkstätten oder Veranstaltungsräume vorstellen. Die kleinen Einheiten sollen auf genossenschaftlicher Basis betrieben werden.

Wie es auf dem Gelände des Rosenhofes konkret aussehen könnte, bestimmen letztlich nicht Nabila Irshaid und ihr Projektpartner Ralf Weissheimer sondern diejenigen, die sich für das Projekt engagieren möchten. „Wir suchen jetzt Leute, die mit anpacken möchten“, erläuterte Irshaid. Wer etwas verändern möchte, sei in ihrem Projekt genau richtig.

Im Moment laufen Kaufverhandlungen mit der LKS Tiefbau OHG, der jetzigen Eigentümerin des Rosenhofes. Finanzielle Unterstützung erhalten Nabila Irshaid und ihr Partner von der Stiftung trias – einer Stiftung, die Immobilien aus dem Spekulationskreislauf herauskauft. Die Hälfte der Kaufsumme übernehme die Stiftung, die andere trügen die Genossenschaftsmitglieder, so Nabila Irshaid.

Sicher wird es eine harte Nuss werden, die stark baufälligen und denkmalgeschützten Gebäude unter ökologischen Gesichtspunkten wieder in Stand zu setzen bzw. zu sanieren. Zudem verwies Berchtesgadens Spitzenkandidat und Gemeinderat Dr. Bartl Wimmer darauf, dass sich das Gelände im Landschaftsschutzgebiet befände, was bauliche Erweiterungen untersage. Es könne also nur mit den vorhandenen Gebäuden geplant werden.

Diese und andere Herausforderungen scheuen Projektleiterin Nabila Irshaid und Architekt Ralf Weissheimer nicht. Ihre Vision eines lebendigen Rosenhofes als soziales und kulturelles Zentrum ganz im Sinne der Grünen-Philosophie überzeugte die anwesenden Zuhörer.

Davon dass Mehrgenerationenprojekte auch in der Praxis funktionieren, konnten sich die KandidatInnen anschließend im Werk34 überzeugen. Berchtesgadens Jugendreferentin und Initiatorin des Projektes Sabine Wimmer führte durch das Haus in der Bergwerkstraße 34.

Das Experiment, wie es Berchtesgadens Bürgermeister nennt, läuft seit nun mehr über einem Jahr sehr erfolgreich. Schon während der Bauphase konnten Alt und Jung zusammen geführt werden und auch jetzt begegnen sich alle Generationen in verschiedenen Veranstaltungen. Besonders beliebt bei allen Alterklassen sei die Theatergruppe, und auch andere Kurse wie gemeinsames Kochen, Schafkopfen, Gymnastik, Singen, Babytreff und ein Computerkurs brächten die Generationen zusammen, so Sabine Wimmer. Einzelveranstaltungen rundeten das Monatsprogramm ab. „Wir versuchen in dem Haus für alle etwas anzubieten und die Generationen zu mischen“, erklärte Wimmer weiter.

Nahezu alle Veranstaltungen im Werk 34 werden ehrenamtlich und in Eigenregie auf die Beine gestellt. Nur der wöchentlich stattfindende Offene Kinder- und Jugendtreff wird von einem Sozialpädagogen geleitet. Die gemeindeübergreifende Jugend AG organisiert zum beispielsweise bevorzugt Discoabende und Rockveranstaltungen. Ihr jetzt schon legendäres Event „Rock am Rathaus“ werde von Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp und den GemeinderätInnen gern unterstützt, fügte Sabine Wimmer dankbar hinzu.

Besonders freuen sich Sabine Wimmer und ihre MitstreiterInnen über die positive Resonanz. Aus allen Gemeinden des Talkessels kämen Menschen in „ihr“ Haus, sogar aus Bad Reichenhall und Hallein. Damit dass auch für die nächsten zwei Jahre der Pilotphase so bleibe, werde das Programm jeden Monat an die Wünsche der Zielgruppen angepasst. Und jeder dürfe seine Ideen einbringen. Wem also noch ein spezielles Angebot im Talkessel fehlt, kann sich mit seinen Plänen ans Werk 34 wenden.

 

Links zum Weiterlesen:

www.embrace-hotels.de

www.stiftung.trias.de

www.werk-34.de

Von: Claudia Hornung

Mit großem Interesse haben sich ein Teil der Grünen über das geplante Projekt am Rosenhof informiert.

Kategorie: Infrastruktur, Berchtesgadener Tal