30.10.2013, 14:46 Uhr

Ein „Ja“ für den Sport – „Nein“ zu Olympia

Olympische Winterspiele 2022 im Berchtesgadener Land ja oder nein? Am 10. November sollen die Bürger des Landkreises ihr Votum dazu abgeben. Je näher der Bürgerentscheid rückt, desto mehr werden auch kritische Stimmen zu dem sportlichen Großereignis laut. Zu einer hochkarätig besetzten Informationsveranstaltung hatte das Bündnis Nolympia nach Berchtesgaden eingeladen.

Grünen-Kreisvorsitzender Dr. Bernhard Zimmer freute sich bei seiner Begrüßung über den voll besetzten Saal im „Goldenen Bären“. „Wir sind nicht gegen den Spitzensport und auch nicht gegen sportliche Großereignisse, sondern gegen die Selbstherrlichkeit des IOC und gegen die finanziellen Risiken für den Landkreis“, stellte er gleich anfangs klar. Damit war auch die Stoßrichtung vorgegeben und der „Feind“ erkannt. Bei allen Einlassungen stand das IOC als selbstherrliches, undemokratisches und einzig kommerziell ausgerichtetes Gebilde im Mittelpunkt der Kritik.

Aus der Schweiz war Stefan Grass gekommen, Leiter des Komitees „Olympiakritisches Graubünden“, um über die dortigen Erfahrungen zu berichten. Die Bürgerinnen und Bürger dort haben sich bereits für eine Ablehnung der Olympischen Spiele 2022 entschieden. „Es gibt natürlich viele Gründe für eine Ablehnung, aber wenn Sie abstimmen, stimmen sie vor allem über Ihr eigenes Geld ab“, brachte es Stefan Grass auf den Punkt. Das IOC sei eine unberechenbare „Geldmaschine“, der man nach Unterzeichnung der Verträge wehrlos ausgeliefert ist. Das finanzielle Risiko und die finanzielle Last bleiben einzig und allein beim Steuerzahler. „Es ist nicht zu früh, jetzt auszusteigen“, gab Stefan Grass den Olympia-Skeptikern mit auf den Weg.

Dr. Wolfgang Zängl von der Gesellschaft für ökologische Forschung wusste von seinen langjährigen Untersuchungen zu berichten, dass sich die Kosten bei Olympischen Spielen immer um den Faktor drei bis fünf zur ursprünglichen Kalkulation gesteigert hätten. Auch das Argument von „nachhaltigen Spielen“ ließ er nicht gelten: „Allein am Münchner Olympia-Gelände würden riesige Flächen verbraucht, die bisher als Naherholungsgebiet für die Städter dienen.“

Verständnis für die olympischen Ambitionen der Spitzensportler brachte Viola von Cramon, sportpolitische Sprecherin der Grünen im letzten Bundestag, zum Ausdruck. Aber: „Ich habe auch verstanden, dass es nicht um Sport geht, sondern einzig und allein um die kommerziellen Interessen des IOC.“ Kritisch beurteilte Viola von Cramon auch die Informationspolitik der Initiatoren des Bürgerentscheides: „Da besteht anscheinend die Angst, dass bei ausgewogener Information die Abstimmung verloren geht.“

Sachlich und informativ verlief die anschließende Diskussion. Dem immer wieder vorgebrachten Argument der Befürworter, Olympische Spiele brächten einen Schub für die heimische Wirtschaft und vor allem für den Tourismus, setzte der Berchtesgadener Gemeinderat Manfred Leubner die Frage entgegen: „Wer weiß denn noch, wo die Rodelwettbewerbe bei der letzten Olympiade waren?“ Die Besucher taten sich schwer.

Von: Norbert Höhn und Bernhard Zimmer

Viola von Cramon, ehemalige sportpolitische Sprecherin und MdB Bündnis90/Die Grünen, Foto N. Höhn

Kategorie: Kreisverband, Berchtesgadener Tal, Nachhaltigkeit, Bernhard Zimmer