29.02.2008, 08:43 Uhr

Grüne für Klimaschutz durch Energiewende: Kommunen müssen Vorreiterrolle übernehmen

„Jeder spricht heute von Klimawandel und Klimaschutz, aber nur wenige Menschen tun wirklich etwas Konkretes.“ Mit dieser Aussage startete Prof. Dr. Bernhard Zimmer, Fachbereichsleiter für Holztechnologie und Ökologie an der Fachhochschule Salzburg, seinen Vortrag zum Thema Klimaschutz und Energiewende anlässlich einer Wahlveranstaltung der umweltorientierten Bürgerliste in Ainring zur Kreistagswahl am 2. März. Er erläuterte zunächst den Unterschied zwischen dem natürlichen und dem anthropogenen, dem vom Mensch verursachten, Treibhauseffekt.

Wissenschaftlich unbestritten sei inzwischen, dass sich das Klima verändere. Diskutiert werde eigentlich nur noch über das Ausmaß der Veränderungen. Vor allem die mittleren Temperaturen und die Niederschlagsmengen würden sich auch im Berchtesgadener Land verändern. Die Zahlen klängen für den Laien zunächst eher gering, aber das sei genau das Gefährliche an der Betrachtung der Mittelwerte, erläuterte Zimmer. Die Verteilung der Niederschläge über das Jahr, also innerhalb der Vegetationsperiode, sei beispielsweise entscheidend für die Pflanzen und sei damit auch entscheidend für die Land- und Forstwirtschaft. Extremereignisse, wie besonders trockene und heiße Sommer, oder besonders starke Stürme und Orkane, seien die eigentlichen Gefährdungen. Die Häufigkeit dieser Extremereignisse nehme dramatisch zu. Die Folgen für die Forst-, aber auch die Landwirtschaft, wären derzeit kaum abzuschätzen. Sicher sei beispielsweise, dass unsere Hauptbaumart, die Fichte, in Bayern die größten Probleme bekommen werde. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Baumart wäre allein das schon Grund genug zum Handeln. Was wäre also zu tun? Maßgeblich beteiligt am Treibhauseffekt sei die Nutzung von fossilen Energieträgern und diese würden nicht nur im Verkehrsbereich, sondern auch in großer Menge zum Heizen unserer Häuser und zur Aufbereitung von Warmwasser eingesetzt. Auch zur Stromgewinnung und damit mittelbar auch zum Betrieb unserer vielen elektrischen und elektronischen Geräte würden die fossilen Energieträger eingesetzt. Genau an diesem Punkt könne aber jeder Einzelne ansetzen und durch Einsparung nicht nur die Umwelt, sondern auch seinen Geldbeutel schonen. Wärmedämmung in den Gebäuden sei das Gebot der Stunde und werde derzeit gefördert wie noch nie. Auch im Bereich der Energieerzeugung müssten alle Register gezogen werden. Die Kraft der Sonne gelte es ebenso konsequent zu nutzen wie alle Möglichkeiten der Holz- und Biomassenutzung. „Aber die Ökobilanz muss stimmen“, forderte Zimmer. Denn derzeit würden unter dem Deckmantel des Klimaschutzes auch Dinge propagiert, die ökologisch keinen Sinn machten. Wer ganz im Sinne Umweltkonferenz Rio de Janeiro global denke und lokal handele, der dürfe kein Palmöl oder ähnliches einsetzen. Der könne aber auch nicht die Atomkraft fordern, weil diese angeblich keine CO2-Emissionen habe. Der Landkreis habe schon vor einiger Zeit den Beschluss gefasst, bis zum Jahr 2030 in der Energieversorgung unabhängig von fossilen Energieträgern zu sein. „Aber wann beginnen wir zu handeln?“, so Zimmer weiter. Die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises wären da häufig schon weiter. Viele Kommunen hinkten hinterher. Es fehlte an umfassenden Energiekonzepte und an Maßnahmen zur Energieeinsparung in den kommunalen Gebäuden. Grünen-Landratskandidat Edwin Hertlein erinnerte daran, dass die Grünen das Thema Klimaschutz schon seit über 20 Jahren bearbeiteten. Leider habe man aber viel zu lange die Argumente der Grünen auf diesem Gebiet ignoriert. Aber auch heute noch werde vielfach dem Thema Klimawandel nicht mit den richtigen Antworten und Lösungen begegnet. Wer etwa glaube, den Klimawandel mit Schneekanonen bekämpfen zu können, sei auf dem Holzweg. Dass die Erneuerbaren Energien nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch gut für die regionale Wertschöpfung seien, belege der Erfolg der Aktion „Sonnenenergie vom Watzmann bis zum Wendelstein“. Insgesamt 280 Millionen Euro seien in den letzten Jahren in der Region Südostoberbayern in den Ausbau der Sonnenenergie geflossen. Geld, das in die regionale Wertschöpfung geflossen sei und Arbeitsplätze im heimischen Handwerk geschaffen habe.

 

 

Kategorie: Kreisverband