26.02.2008, 07:04 Uhr

„Lustreisen“ bei der Sparkasse Berchtesgadener Land?

Grünen-Landratskandidat Edwin Hertlein bei der Ökoliste Saaldorf-Surheim. Transparenz und Öffentlichkeit fordert Edwin Hertlein nicht nur in der Politik. Das gleiche erwartet der Grünen-Landratskandidat auch von der Sparkasse Berchtesgadener Land als Zweckverband und Einrichtung „die dem Bürger gehört“. Beim musikalischen Frühschoppen der Ökoliste Saaldorf-Surheim hat er dargestellt, wie er sich Kreispolitik wünschen würde.

Es war eine bunte Mischung, die mehr Publikum verdient hätte. Der junge Saaldorfer Koloman Wagner spielt frisch auf mit seiner Ziach und seine Mutter Karin hat ihre Gitarre mitgebracht. Bluesig-bayerisch kommt Hans Six daher; der Kandidat der Freilassinger Grünen-Bürgerliste hat schon mit Willy Michl und Sparifankerl musiziert.

„Warum scheut die Sparkasse das Licht der Öffentlichkeit?“, fragt Edwin Hertlein. Er selbst ist Verbandratsmitglied und fordert, dass die Sitzungen soweit möglich öffentlich sein müssen  und das „Regionalprinzip“ zu gelten habe. Örtlichen Kleinbetrieben verweigere man schon mal einen Kredit, bei „windschiefen Immobilien-G'schichten“ sei man weniger zurückhaltend. Unter den verlustreichen Transaktionen der Bayerischen Landesbank habe auch die Sparkasse im Kreis zu leiden. Und warum, so der Kandidat, seien beim Umbau der Reichenhaller Zentrale fast ausschließlich auswärtige Firmen beschäftigt? Die Aufwandsentschädigung für die Sitzungsteilnehmer des Zweckverbandes sei in Ordnung, aber zusätzlich ein „umfassendes Reise-Erholungsprogramm“ anzubieten, erinnere in schon etwas an die „Lustreisen bei VW“. Das Geld sollte die Sparkasse besser ihren Mitarbeitern geben, die gute Arbeit leisten oder damit Kindergärten unterstützen.

„Das Berchtesgadener Land ist das Schlusslicht in Bayern.“ Bei der Wirtschaftskraft sei der Landkreis unter der Führung des damaligen Landrats Martin Seidl von einem Mittelplatz auf den letzten Platz in Oberbayern zurückgefallen. Ökonomisch und ökologisch unvernünftige Politik findet Hertlein auch in anderen Bereichen: 600.000 Euro habe man am Götschen investiert, also in einer Höhenlage wo in Zukunft kein gesicherter Skibetrieb mehr möglich sein wird. Die Gemeinde Schönau hat die Jennerbahn gekauft und will sechs Millionen für Schneekanonen ausgeben.

„Wir reden vom Wetter“ hatte es 1992 bei den Grünen geheißen, die anderen haben „von Deutschland geredet“, so Hertlein und wertvolle Zeit in Sachen Klimaschutz ist ungenutzt verstrichen.

 

„Schwarze statt grüne Gentechnik“

 

Der CSU-Abgeordnete Anton Kern geriert sich im Wahlkreis als Vorreiter gentechnikfreier Landwirtschaft, kritisiert Hertlein, tatsächlich aber hat er im Landtag allen Gesetzesmaßnahmen der Staatsregierung zugestimmt. Der Grünen-Landratskandidat wünscht sich einen gentechnikfreien Landkreis, von dem nicht nur die Bevölkerung, sondern auch der Tourismus und ein großer Molkereibetrieb profitieren würden. „Da kann was nicht stimmen“, ist er überzeugt, „wenn die Gentechnik-Industrie eine Produkthaftung verweigert und eine Kennzeichnungspflicht ablehnt.“

Wie Hertlein sieht Spitzenkandidat Norbert Höhn den politischen Mitbewerber nicht „näher am Menschen“ sonder eher als „Fahnderl im Wind.“ Und wieder ist es der Saaldorfer Anton Kern, der sich vorhalten lassen muss, einmal für die Wasserkraftnutzung der Salzach zu sein, ein andern mal aber - bei den Fischern - doch eher dagegen ist. 

Talentierte Verserlschmiede finden sich bei den Ortsgrünen: der langjährige Gemeinderat Michael Ofensberger reimt, „wenn ihm was gefällt, oder wenn er sich über etwas ärgert.“ Ersteres findet beim „Skifahrer im Treppenhaus“ seinen Niederschlag, letzteres bei der Gesundheitsreform. Norbert Höhn berichtet in Versform von der „Antragspraxis“ in der Gemeinde. Ein Bauwilliger muss jedoch feststellen, dass ihm weder ein Geldgeschenk noch die CSU-Mitgliedschaft weiterhelfen. Höhn verabschiedet die Gäste aus Steinbrünnig, dem Ort wo „nach den Raubrittern auch die Republikaner geherrscht haben.“ Edwin Hertlein hat bei diesem musikalischen Frühschoppen nicht gesungen, obwohl er eine hervorragende Tenorstimme hat. Schade.

Von: höf

Der 15-jährige Koloman Wagner mit alpenländischer Musik, Hans Six dagegen liebt den Blues

Kategorie: Kreisverband, Wirtschaft