20.08.2013, 14:51 Uhr

Schwarz-Gelb gefährdet die Bäuerliche Landwirtschaft

Waren bei der, vom Agrarbündnis BGL / Traunstein, veranstalteten Podiumsdiskussion für die Landtagskandidaten der zur Wahl stehenden Parteien für den Landkreis Traunstein in Sondermoning schon klar die Fronten zwischen diesen Kandidaten zu erkennen gewesen, so haben sich diese Fronten bei der Folgediskussion der Kandidaten für den Landkreis BGL, die neulich im Saal der Alten Post in Teisendorf stattfand und ebenfalls vom Agrarbündnis BGL / Traunstein veranstaltet wurde, noch vertieft.

Bezeichnenderweise waren es auch hier diejenigen, die im Stimmkreis für ihre Parteien eigentlich gar nicht zur Wahl stehen, nämlich Bezirksrat Markus Fröschl, der für die Kandidatin der CSU im Landkreis sowie MdL Tobias Thalhammer aus Neubiberg, der für die FDP auf dem Podium saß, sich als Außenseiter in der Diskussion gebärdeten.

Neben den schon Erwähnten und Moderator Georg Planthaler saßen Roman Niederberger (SPD), Bartl Wimmer (Bündnis 90 / Die Grünen), Michael Koller (Freie Wähler), Agnes Thanbichler (ödp), Manfred Dannhorn (Die Linke), Alfons Baumgartner (Bayernpartei), und Martin Schön (Piraten) auf dem Podium. Auch Manfred Dannhorn und Alfons Baumgartner vertraten bei der Diskussion die eigentlichen Kandidatinnen des Wahlkreises.

Schon in ihren Antworten zum Thema der Veranstaltung; „Agrarpolitik – Wie soll es weiter gehen?“ zeigten sich die Grundeinstellungen der KandidatInnen, die sich klar abgrenzten.  Dabei waren sich SPD, Grüne, Freie Wähler, Linkspartei, ödp, Piraten und Bayernpartei insofern einig, als sie sich für eine ökologischere Landwirtschaft einsetzen wollten.  Sie machten auch klar, dass dies nicht unbedingt „Voll-Bio“ meinen müsse, sondern auch der konventionellen Landwirtschaft, allerdings in einer ökologischeren Form, Raum gegeben werden soll. 

Die Vertreter von CSU und FDP dagegen meinten, Veränderungen seien, wenn überhaupt, sicher nicht in großem Stil nötig. 

Martin Fröschl von der CSU lobte dass deutsche und insbesondere bayerische landwirtschaftliche Produkte sehr gefragt seien und wir auf diesen Export, ohne Wenn und Aber, stolz sein sollten.  Wie alle anderen Teilnehmer in der Diskussion feststellten würden durch diese Exporte allerdings Existenzen in vielen Ländern bedroht, in die diese Exporte gehen.  Dort würden nämlich durch die oft stark subventionierten, billigen Importe aus Deutschland, in 2012 400000 Tonnen gefrorenes Geflügel nach Afrika, heimische Bauern um ihre Chancen auf dem Markt gebracht.

Auch in der Frage der Forschung und Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich ergaben sich gravierende Unterschiede bei den Kandidaten.  Niederberger, Wimmer, Koller, Dannhorn, Thanbichler, Baumgartner und Schön sprachen sich dafür aus, die landwirtschaftliche Ausbildung stärker an ökologische Richtlinien zu binden und die Verbindungen zwischen Bauern und Verbrauchern zu stärken und das Bewusstsein beider für die Umwelt zu schärfen.  

Fröschl und Thalhammer meinten dagegen, die Ausbildung der Bauern in Deutschland sei auf einem so hohen Stand, dass wir eigentlich unsere Vorstellung der Landwirtschaft zumindest auf alle EU Länder ausweiten sollten.  Fröschl verbat sich sogar eine auch nur Infrage-Stellung der bisherigen Lehren der Landwirtschaft. 

Thalhammer verwies bei praktisch jeder der Fragen auf den „Markt“, der alles zu richten imstande sei.  Insbesondere Agnes Thanbichler hielt gegen Ende der offenen Diskussionsrunde dem entgegen, es sei sehr gut an der Finanzkrise zu sehen wie gut der Markt wirklich arbeite und was er imstande sei anzurichten.  Michael Koller stimmte ihr zu mit „Der Markt reguliert sich nicht von selbst, es gibt immer Einflüsse“.  Auch bei der Frage, wie die landwirtschaftliche Forschung betrieben werden soll, ergaben sich große Differenzen. 

Die meisten der Podiumsteilnehmer wünschten sich eine von Konzernen unabhängige Forschung, die transparent sei und in öffentlicher Hand läge, während Fröschl und Thalhammer kaum Einwände gegen eine Konzern-bestimmte und -finanzierte Forschung äußerten.

Bei der Frage nach Mindestlöhnen, auch in der Landwirtschaft, setzten sich sowohl Niederberger, als auch Dannhorn vehement für eine Einführung ein.  Dabei zitierte Niederberger den von der SPD angestrebten Mindestlohn von 8,50 Euro, während Dannhorn sogar 10 Euro forderte.  Mindestlöhne seien auch ein probates Mittel gegen Dumpingpreise, meinten die meisten der Podiumsteilnehmer, während Fröschl und Thalhammer eine Gefährdung der Wirtschaft durch Mindestlöhne sahen. 

Insbesondere Wimmer meinte gegen niedrige Milchpreise für die Produzenten könnte durch einen freiwilligen Lieferverzicht, wie ihn der BDM fordert, Abhilfe geschaffen werden. Der ideologische Spalt im Podium, zwischen den „Weiter so“ Kandidaten der CSU und FDP einerseits und den Reform- und Änderungswilligen Kandidaten von SPD, Grünen, Freien Wählern, Linkspartei, ödp, Bayernpartei und Piraten zog sich durch alle Fragen, mit denen die Teilnehmer konfrontiert wurden. 

Dabei waren Unterschiede innerhalb der zwei Lager zwar erkennbar, aber nicht gravierend. In der freien Diskussion ging Georg Linner, der Listenkandidat der Grünen aus Laufen noch auf das von der Regierung gewollte Freihandelsabkommen mit den USA ein.  Linner meinte die USA sähen darin ein geeignetes Mittel, ihre Vorstellungen von Landwirtschaft und die Gentechnik auch den Europäern aufzuhalsen und wollte deshalb klare und transparente Richtlinien, schon bevor die Verhandlungen anfingen.  FDP Kandidat Thalhammer meinte dazu er wolle jedenfalls ein Freihandels- und kein Einschränkungsabkommen.  Alois Beer von den Direktvermarktern zwischen Watzmann und Waginger See, kritisierte Subventionen, wenn diese zu 80 Prozent an die Industrie und Großkonzerne gingen, wie das jetzt der Fall sei.  Der Kreisvorsitzende des BDM Traunstein, Sepp Hubert, meinte wir hätten keine Massentierhaltung im BGL und Traunstein, aber das Image der Bauern werde durch Fehlverhalten und Panschereien der Industrie, die die eigentlich gesunden und guten Lebensmittel verarbeite, getrübt. Schon zu Beginn der Podiumsdiskussion hatte Moderator Planthaler aus einer Rede von Robert Kennedy zitiert, die dieser im März 1968 gehalten hat.  Darin zählte Kennedy auf welche Dinge der BIP erfasst.  Dinge wie Unfälle, Umweltschäden, Katastrophen und Spekulation, aber er erfasse nicht das Wohlergehen, die Zufriedenheit und den Zusammenhalt der Menschen, meinte Kennedy.  Jetzt am Schluss der Veranstaltung ließ Planthaler die einem Indianerhäuptling in den Mund gelegte Weisheit hören, dass wenn der letzte Baum gefällt, die letzten Seen und Flüsse verunreinigt und der letzte Hirsch erlegt sei, die Menschen erkennen würden, dass man Geld nicht essen kann. Auch der Sprecher des Agrarbündnisses BGL / Traunstein, Leonhard Strasser meinte Landwirtschaft sollte nicht nur nach Marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten beurteilt werden, sondern auch die Menschen, Tiere und die Umwelt sollten stärkere Beachtung finden.

Von: Alois Albrecht

Kategorie: Kreisverband, Bernhard Zimmer, Bartl Wimmer